Auf dem Schreibtisch: Unverlangt zugesandt

Motel Nitro Coffee Flat White
Motel Nitro Coffee Flat White
Motel Nitro Coffee Flat White: Echt zum Kotzen
Motel Nitro Coffee Flat White: Byebye, weiße Wand

… oder die Produktprobe aus der Hölle

Transparenz soll ja total in sein. Also wollen wir uns mal nicht lumpen lassen, öffnen auch mal ein Fensterchen und lassen Sie an unserem Redaktionsalltag teilhaben. An einem ganz normalen Bürofreitag. Das ist für Sie wie uns gleichermaßen toll, weil wir da immer früher Schluss machen und Sie daher auch nicht so viel lesen müssen.

Aber zurück zur fizzz-Transparenzoffensive– oder dem ganz normalen Freitag – der eigentlich recht unaufgeregt vor sich hin oxidierte. Ein paar Mails hier, ein bisschen Redigieren da, mal ein Telefonat und etwas Recherche zwischendurch, etwas Tee und Obst zum zweiten Frühstück, ein wenig Autorengebriefe (man muss ja nicht alles selber machen) und am Ende eine kleine Paketbombe zum Runterkommen. Äh, was? Richtig gelesen, uns wurde übel mitgespielt, denn dieser ach so normale Tag endete mit einem lauten Knall, unkontrolliertem Würgereiz und einer derart veritablen Sauerei, dass selbst erprobte Bierzelt-Bulimiker reflexartig die Flucht ergriffen hätten. Was war da los?

Nun, bei uns ist es nicht unüblich, dass Unternehmen, die uns ihre flüssigen Innovationen vorstellen möchten, uns diese auch mal in Form einer Kostprobe zusenden. Unverlangt zugesandt sozusagen, aber trotzdem meist ganz nett. Denn auch wenn wir uns aus Gründen der ohnehin schon fragilen aber noch immer nicht gänzlich abgeschriebenen Lebergesundheit nicht immer gleich alles und bis zum letzten Tropfen ins Gesicht drücken können, nehmen wir uns doch meist die Zeit, uns die Sachen näher anzusehen.

Im Falle des neuen Sortiments der Berliner Bier- und Kaffeemarke Motel mussten wir das jedoch um ein paar Tage verschieben. War halt gerade viel zu tun. Der Motel Nitro Coffee Flat White schien jedoch nicht so lange warten zu können. Zu voll und prall war wohl sein eingedoster Körper, zu stark der Drang, uns mit seinen breiig-schmierigen Innereien (aromatisch irgendwas zwischen Katzengewölle, U-Bahnaufgang am Sonntagmorgen und Wettessen im Dschungelcamp) den Tag zu versüßen. Explosionsartig, ohne jede Vorwarnung und wie der lustige Vulkan aus Jackass 3D kam es über uns, den Konfi-Tisch, die unschuldige weiße Wand und die ebenso unberührte, eine liebgewonnene Leuchtstoffröhre tragende Decke: Der Motel Nitro Coffee Flat White. Explodiert in einem unbändigen Ruf nach Freiheit, einem letzten Aufbäumen der Natur gegen die Fesseln aus bedruckter Aludose und einem Akt der rohen Gewalt verwandelte diese „Produktinnovation“ unser Büro binnen eines Wimpernschlags in eine überschwappende Kloake, gegen die jede Festivaltoilette als ein Ort der inneren Einkehr durchgehen würde.

 

Für diese sinnerweiternde Erfahrung möchten wir uns nun ganz ehrlich bedanken, auch im Namen der dreiköpfigen Putzkolonne, von der wir noch den ein oder anderen Kraftausdruck lernen durften. Die können wir sicher nochmal brauchen. Beim nächsten Lokalderby der Mädels-F-Jugend zum Beispiel. Oder wenn wir mal wieder in Berlin einen Nitro Coffee mit Milch angeboten bekommen. Und von unseren rückblickend doch recht tölpelhaften (weil mit Schnappatmung vorgetragenen) Versicherungen, dass es nicht wir waren, die hier den Tisch vollgebrochen und die Wand bahnhofskloartig mit Fäkalien dekoriert hatten, können wir sicher noch unseren Enkeln erzählen. Was ein Spaß. Das wird noch für so viele Jahre für Lacher sorgen, dass wir ab sofort jede weitere Kostprobe der Motel-Jungs ohne Gewissensbisse zurückschicken können – auf dass sie selbst auch etwas von ihrem Witz in Dosen haben mögen. Aber zieht euch vorher Schutzbrillen an. So ein Lacher kann ganz schön in den Augen brennen.

Eure fizzzies