Close Up: James und David Ardinast

„Nur zusammen ein Ganzes“

Seit mehr als 15 Jahren spiegeln James und David Ardinast mit ihren Konzepten die Facetten ihrer Heimatstadt Frankfurt. Bezugspunkt bleibt stets IMA, das Mütterliche.

Text: Barbara Schindler

Frankfurt ist ihre Stadt. James und David Ardinast sind hier geboren und aufgewachsen. „Frankfurt ist Vielfalt, Kontraste, Reibung. Gastronomisch hat die Stadt für mich – pro Kopf gerechnet – eine extrem hohe Qualitätsdichte. Und die Barszene ist sowieso einzigartig in Deutschland“, sagt James. Deutlicher kann eine Liebeserklärung kaum ausfallen. Die kleine Metropole am Main hat die Brüder geprägt – und umgekehrt. Seit mehr als 15 Jahren gehören sie hier zu den führenden Gastronomen, haben wesentlich dazu beigetragen, dass sich das berüchtigte Bahnhofsviertel vom rotlichtigen Problembezirk zur angesagten Ausgehdestination mit einigen der spannendsten Restaurants der Stadt gewandelt hat.

Am Anfang war die Multibar

Essen und Gastronomie spielten in der Familie Ardinast immer schon eine große Rolle. „Unser Vater ging leidenschaftlich gerne essen: von Currywurst bis Sternegastronomie“, erinnert sich James. „Wir durften mitkommen – unter der Bedingung, dass wir uns gut benehmen.“ Unternehmerisch war die Familie ebenfalls seit Generationen in der Gastronomie aktiv und das Gastgeber-Gen wurde gründlich weitervererbt. Zwar führte der Weg beider Brüder zunächst in die Werbung, doch eines Tages rief James den Bruder an: „Hast du Lust, mit mir ein Restaurant zu eröffnen?“

David zögerte nicht lange und so ging 2002 die heute legendäre „IMA Multibar“ an den Start: ein gar nicht so geheimer, vielmehr stets gut besuchter Geheimtipp in Frankfurts Gastro-Szene. Gelegen in einer wenig frequentierten Seitenstraße der berühmten Feinkostmeile „Fressgass“, mit gerade mal 30 Sitzplätzen, mexikanisch inspiriertem, gehobenem Fast-Food, Live-Musik und einer wachsenden Community, die das Aus für den Laden nach zehn Jahren – der Mietvertrag wurde nicht verlängert – lange betrauerte. Mit der Schließung wurden bei den Brüdern Ressourcen und Energie frei für neue Ideen, darunter „IMA Kitchen“, eine der ersten Better-Burger-Bars Frankfurts, und das „Chez IMA“ im 25hours-Hotel im Bahnhofsviertel.

Die Mutter als Fixpunkt

Namensgebend blieb zunächst IMA, das hebräische Wort für Mutter, das heute nur noch als Dachmarke für die unternehmerische Welt der Ardinasts fungiert. Einerseits eine Hommage an ihre eigene Mutter, andererseits Sinnbild für die gastronomische Philosophie der Brüder. „Schon in unserer Anfangsphase als Gastronomen haben wir das ‚Mütterliche‘, sprich: das mit Liebe und Fürsorge Hausgemachte des Konzepts betont, Rezepturen mit Müttern aus verschiedenen Kulturen erarbeitet.“

Als Geschäftspartner, die sich ihr ganzes Leben lang kennen, attestieren sich die Brüder gegenseitig uneingeschränkte Vertrauenswürdigkeit und blindes Verständnis, auch wenn es durchaus mal Meinungsverschiedenheiten gibt. Dabei profitieren sie von ihren zahlreichen Ähnlichkeiten ebenso wie von ihrer Unterschiedlichkeit. „Wir funktionieren zu zweit als Marke. Nur zusammen ergeben wir ein Ganzes. Oft fahren wir zusammen irgendwo hin und haben denselben Gedanken, diskutieren die Möglichkeiten miteinander und währenddessen wächst etwas – oder es stirbt manchmal auch“, berichtet David.

Ebenso prägend für ihr Selbstverständnis als Gastgeber wie das Wertesystem der Eltern war das Aufwachsen in Frankfurts jüdischer Gemeinde: „Gemeinschaftssinn und Gastfreundschaft haben in unserem Umfeld immer schon eine sehr wichtige Rolle gespielt. Beide sind die unabdingbare Grundlage für unsere auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Restaurants.“ Im „Maxie Eisen“ gibt es nach Meinung vieler das beste Pastrami Frankfurts. Vom „Stanley Diamond“ schwärmt der Guide Michelin „Qualitätsprodukte, fachkundig zubereitet: einfach ein gutes Essen!“ und der Gault Millau vergibt 15 Punkte. Mit dem im vergangenen Jahr im 25hours-Hotel installierten neuen Konzept „Bar Shuka“ setzen James und David auf die aktuell schwer angesagte Balagan-Küche aus Tel Aviv. Angeschlossen ist die wie ein Speakeasy anmutende „Shuka Bar“. In der Lobby des Hotels bringen die Ardinasts von ihrer Kaffeebar „Bomba“ aus ihre jüngst lancierte eigene Kaffeemarke gleichen Namens ins Gespräch.

Kein „Höher, Schneller, Weiter“

Aktuelle Wachstumspläne? „Zurzeit konzentrieren wir uns darauf, in die Tiefe zu arbeiten, setzen auf Qualität, Nachhaltigkeit und Regionalität. Dazu passt ein lokal-kompaktes Unternehmen besser als ein bundesweit expandierendes.“ Statt sich in immer mehr Betrieben zeitlich und kräftemäßig aufzureiben, bauen die Brüder lieber den Geschäftsbereich Catering und Events zu einer Agentur aus, bieten außerdem Beratung und Konzeptentwicklung für andere Gastronomen und Hoteliers an. Eine bewusste Entscheidung gegen ein Kompromisse erforderndes ‚Höher, Schneller, Weiter‘ und für die Nische.

Diese erwachsene unternehmerische Haltung ist auch Ergebnis eines Reifeprozesses: „Wir finden immer mehr heraus, was wir wirklich machen wollen, was wir können und was nicht. Gerade in einer Zeit, in der sich die Welt und die Branche rasant verändern, lehnen wir uns momentan ein wenig zurück und beobachten erst einmal, wohin die Reise geht, ohne jedoch Dinge auszuschließen“, fasst David den Status quo der IMA-Welt zusammen. „IMA steht weiterhin für die gast- und menschennahe Philosophie unserer Anfangsjahre, das wird sich auch nicht ändern“, erklärt David. Denn: „James und ich, wir sind IMA.“

www.imaworld.de

Den vollständigen Artikel finden Sie in der fizzz 07/2019.