FIZZZ on tour: Die Karibik und der Rum

WIRSPA Rundreise 2014 - St. Lucia Distillers
WIRSPA Rundreise 2014 - St. Lucia Distillers
WIRSPA Rundreise 2014 - St. Lucia Distillers
WIRSPA Rundreise 2014 - St. Lucia Distillers
WIRSPA Rundreise 2014
WIRSPA Rundreise 2014

Auf der Spur des „Authentic Caribbean Rum“ – ein Reisetagebuch.

Die West Indies Rum and Spirits Producers' Association (WIRSPA) startete 2013 eine internationale Informationskampagne für das von Ihnen gegründete „Authentic Caribbean Rum Siegel“ (ACR). Als Symbol für Authentizität, gesicherte Herkunft und Qualität repräsentiert das Siegel 18 Rummarken aus 15 verschiedenen Ländern der Karibik, die mit gemeinsamen Produktions- und Qualitätsstandards arbeiten. Um den Spirit und die Intention der Vereinigung zu erläutern, hat die WIRSPA zu einer Pressereise in die Karibik eingeladen.

Für fizzz berichtet Jörg Kalinke.

Tag 1 – Anreise

Über London geht es direkt nach St. Lucia, über ein paar Luftlöcher landet der Flieger schließlich auf der kleinen Insel St. Lucia, eine der südlichen karibischen Inseln. Die Insel ist nur ein Zehntel so groß wie das Saarland und hat rund 165.000 Einwohner. Die Hauptwirtschaft befasste sich bisher mit Agrarexporten, hauptsächlich mit Bananen, Reis und Mehl. Doch die Bananenindustrie geht langsam zu Boden, wie übrigens auf vielen Inseln der Karibik. Die Zahl der Arbeitslosigkeit ist dadurch stetig steigend, aktuell liegt sie bei 25 Prozent. Unter anderem aufgrund dieser Entwicklung hat die Europäische Union zusammen mit der WIRSPA (West Indies Rum and Spirits Producers' Association Inc) im Jahr 2005 das Siegel ACR – Authentic Caribbean Rum gegründet. Ziel: den karibischen Rum zu schützen und die Absatzzahlen zu mehren, denn Rum ist ein wichtiger Faktor in der Karibik. Und er wird immer wichtiger.

 

Tag 2 – Rum in der Karibik

Die Gruppe trifft sich früh morgens, um die St. Lucia Distillers zu besuchen. Einer der Hersteller von authentischem karibischen Rum produziert für den europäischen Markt einige bekannte Rums, darunter auch den Rum, der international die meisten Preise eingeheimst hat: Admiral Rodney – ein feiner gereifter Rum, perfekt zum Genuss. Doch das Kernprodukt der Destillerie ist Chairman‘s Reserve, beide Produkte sind in Deutschland über Haromex zu beziehen, einem wichtigen Handelspartner, so Margaret Monplaisir, die aktuelle Geschäftsführerin der St. Lucia Distillers und Gastgeberin dieser Tage. Man experimentiert nach dem Niedergang der Bananenindustrie nun wieder, um eigenes Zuckerrohr anzubauen.

Die Rückkehr des Zuckerrohrs

1962 wurde auf St. Lucia die eigene Zuckerindustrie eingestampft, zugunsten der Bananenindustrie, denn die weltweite Nachfrage war enorm und so auch der entsprechende Profit. Nun geht die Bananenindustrie sowie auch Kaffee und Kakao seit Jahren in die Knie und die Karibik besinnt sich wieder auf ihre Wurzeln, auf die Zuckerindustrie und die damit verbundene Rumindustrie. Auf St. Lucia wurde Zuckerrohr von Barbados, dem größten Produzenten von Melasse, importiert und erfolgreich angepflanzt, und das nun seit fünf Jahren. Auf dem Testfeld von fünf Acres Land (1 Acre = ca. 4.000 m²) wird nun einmal im Jahr geerntet.

Zurück zu den Wurzeln

Überhaupt gibt es in der Karibik den Trend „Zurück zu den Wurzeln“. Die Insel Barbados funktioniert hier als Aufbauhelfer mit einer Zuchtstation für verschiedenste Zuckerrohrarten. Von dort hat der Exodus auf die anderen Inseln bereits im Jahr 2007 begonnen. Die Vereinigung der Rum-produzierenden Länder in der Karibik, die WIRSPA, ist hier der Dachverband und umfasst 13 Inseln und Länder. Namhafte Inseln wie Jamaica sind genauso Teil davon wie auch Trindad und Surinam, auf dem Festland kommt Belize dazu.

Die WIRSPA wird nun mittlerweile von der Europäischen Union unterstützt - und genau hier wird es spannend. Im Jahr 2008 wurde das Qualitätssiegel ACR „Authentic Caribbean Rum“ ins Leben gerufen, an denen 14 Marken mit verschiedensten Qualitäten teilnehmen. Genau diese Marken durften wir am ersten Tag der Reise mit den entsprechenden Repräsentanten kennenlernen, in einer Art Speed-Dating konnten die Qualitäten verkostet und Fragen gestellt werden. Wie wichtig das Thema Rum in der Karibik ist, zeigt allein die Tatsache, dass am Abend der Premierminister der Insel St. Lucia, Kenny Anthony, anwesend war und eine Ansprache hielt. Aktuell ist es der viertgrößte Arbeitgeber mit über 100.000 Angestellten. Rum und die Rückkehr zu seinen Wurzeln wird hier als Chance verstanden.

Tag 3 – Entspannung und Gedanken

Der dritte Tag dieses Trips startet mit einem späten Frühstück, nachdem sich die deutsche Delegation mit viel Spaß beim Karoake vor der Welt blamiert hat, aber die Veranstalter waren gewarnt. Danach geht es auf den Katamaran, um die Sehenswürdigkeiten der Insel von außen zu bestaunen und die Mittagspause an einem wilden Strand zu verbringen. So wild-romantisch dieser Tag auch ist, bleibt genügend Raum für Gedanken.

Die EU fördert die WIRSPA als aufstrebenden Wirtschaftszweig in der Karibik. Rum ist in Deutschland die Spirituose mit dem drittgrößten Anteil im gesamten Mix mit immerhin 9 Prozent nach Wodka und Weinbrand – und Rum weist ein fantastisches Wachstum von 26 Prozent auf, Nummer zwei im Vergleich. Deutsche Bartender mögen Rum und dessen Vielfalt, insbesondere in klassischen Drinks, doch der Konsument ist in dieser Welt noch nicht ganz angekommen. Und so ist es beispielsweise schwierig, dem Gast zu erklären, dass man einen Drink mit zwei Rums mixt, weil man die beiden Profile für diesen einen Drink braucht.

Die WIRSPA hat eine Schulungsoffensive gestartet, die in den kommenden Wochen durch deutschsprachige Lande rollen wird. Genaue Informationen hierzu findet man auf der entsprechenden WebSite www.acr-rum.com. Dort kann man sich auch direkt anmelden, um ein Zertifikat zu erwerben. Ausgesuchte Zertifikat-Inhaber werden ferner in den kommenden Monaten in die Karibik eingeladen, um vor Ort eine Woche am eigenen Leib das Thema Rum für sich zu erschließen. Das ersetzt allerdings nicht die Marketing-Aktivitäten der einzelnen Brands, sondern soll die Sensitivität und Begeisterung für Rum wecken.

Fazit

Authentischer Rum wird aus Melasse hergestellt, zumindest ist das die Ansicht der WIRSPA, welche die französischen Antillen mit ihrem Rhum Agricole quasi ausschließen. Sie mögen auch keinen Rum, dem viel Zucker zugesetzt wird, um gefälliger zu schmecken. Die WIRSPA wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich noch um die eine oder andere Insel erweitern. Die begleitenden Maßnahmen wie Schulungen von Bartendern sind ein guter Schritt, müssen aber weiter ausgebaut werden. Ich habe viel über die Seele des Zuckerrohrs gelernt in den letzten Tagen und mein Kopf ist voller Ideen für Drinks und eigene Schulungen für mein Team. 

>> ACR-Website mit Übersicht der Schulungstermine 

>> Weitere Reiseeindrücke auf der fizzz-Facebookpage

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