FIZZZ on tour: Ein Tasting mit Mr. Single Malt

Die neuen Balvenie-Qualitäten: The Balvenie Double Wood 17 Jahre und The Balvenie Caribbean Cask 14 Jahre
David Stewart, Malt Master von Balvenie

Frankfurt, Anfang Juni, endlich Sonne und 20 Grad. Alle lechzen nach der Frühlingsluft – und wir gehen in den Keller. Warum bloß? Weil der Keller in diesem Fall „Jimmy’s Bar“ beherbergt, und weil The Balvenie eingeladen hat, die zwei neuen Single-Malt-Qualitäten Double Wood 17 Jahre und Caribbean Cask 14 Jahre kennen zu lernen. Und, nicht zuletzt, weil es Prof. Walter Schobert ist, der uns diese Whiskys schmackhaft machen möchte. Also dann: Tageslicht aus, Schummeratmosphäre an.

Wer Walter Schobert noch nie live erlebt hat, weiß vermutlich nicht, wie unterhaltsam und lehrreich gleichermaßen ein Tasting sein kann. Wobei Tasting eigentlich der falsche Begriff ist, denn wenn Schobert anfängt zu erzählen, wird aus einer Verkostung schnell eine kurzweilige Geschichtsstunde. Der Storyfundus von „Mr. Single Malt“ ist nahezu unendlich, schließlich hat er 1965 während seines Theologiestudiums in Rom seinen ersten Single Malt getrunken. Es sollten einige folgen. Statt in diesem Jahr seinen siebzigsten Geburtstag zu feiern, wartet er lieber noch zwei Jahre, um 2015 den fünfzigsten Jahrestag seiner „Single-Malt-Erweckung“ zu begehen. Wenn er morgens aufsteht, denkt er bereits darüber nach, welchen Whisky er sich nachmittags oder abends als ersten gönnt. Seit geraumer Zeit hat er Islay als seinen ersten Wohnsitz gewählt, assimiliert ist Schobert längst. So spricht er in seinen Whiskylektionen auch durchgehend von „wir“ – er und die Schotten.

Zu diesem „wir“ gehört zweifelsohne auch David Stewart, schottische Whiskylegende in Diensten des Familienunternehmens William Grant & Sons – und das schon seit über 50 Jahren. Den Titel des Malt Masters für den Single-Malt-Weltmarktführer Glenfiddich hat er vor ein paar Jahren an seinen Schüler Brian Kinsman abgegeben. Aktiv ist Stewart aber weiterhin – und zwar als Malt Master für die kleine, feine Schwestermarke The Balvenie. Und mit dieser sorgte er laut Walter Schobert vor gut 20 Jahren für einen der drei magischen Momente in der Single-Malt-Historie. Moment 1 war die (Wieder)Entdeckung des Single Malts als pur zu trinkender Whisky – und nicht nur als Bestandteil der Blended Scotch-Qualitäten. Moment 2 war die Einführung der Classic Malts, die erstmals die Bandbreite der Single Malts offenbarte und einer breiten Schicht erlebbar machte. Moment 3 schließlich war Stewarts neuartiges Verfahren, einen Malt nach der regulären Reifezeit nicht einfach abzufüllen, sondern diesen in ein anderes Fass umzufüllen und dort noch etwas weiterreifen zu lassen. Der Balvenie Double Wood 12 Jahre war der Vorreiter dieser Finishing-Bewegung, die heute zur Flut geraten ist.

Und mit eben diesem legendären Whisky, der zunächst zwölf Jahre in Ex-Bourbonfässern und dann noch einige Monate in spanischen Sherryfässern lagerte, startete Schobert seine Verkostung von vier Balvenie-Whiskys, die er so anschaulich als „menschenfreundliche Whiskys“ beschreibt, da sie so mild, weich und zugänglich für Einsteiger seien. Es folgte der erste Neuling in der Balvenie-Range, der Double Wood 17 Jahre, der im Vergleich zu seinem fünf Jahre jüngeren Bruder nicht nur die Balvenie-typischen Honig-Malzaromen, sondern zudem eine Fruchtigkeit von grünem Apfel mitbringt.     

Für die zweite Neuheit, The Balvenie Caribbean Cask 14 Jahre, wählte Stewart mindestens 14 Jahre in Bourbonfässern gereifte Whiskys aus und überführte sie zum „Cask Finishing“ für etwa vier Monate in Eichenfässer, in denen zuvor karibischer Rum lagerte. Der Malt Master im O-Ton: „Dieser Whisky ist wunderbar rund und verbindet die für The Balvenie typischen Vanillenoten mit Toffee, einem Hauch von Früchten und einem warmen und lang anhaltenden Finish.“ In Schoberts Augen eine nochmalige Steigerung, was die Zugänglichkeit betrifft: „Ein frischer, eleganter Whisky mit zarter Struktur, für jeden Einsteiger bestens geeignet.“ Ein guter Kandidat für den ersten Whisky am Tag, lässt er doch nachfolgenden noch genug Raum.

Den Abschluss des nachmittäglichen Whisky-Ausflugs bildete schließlich der Port Wood 21 Jahre – ein Paradebeispiel für ein Finishing im Portweinfass, den Walter Schobert in seiner charmanten „Whisky-ist-die-Welt-Mentalität“ auf den Nenner brachte: „Ein flüssiger Stollen, ein idealer Dessert-Ersatz“. „Whiskyliebhaber“, so gab Walter Schobert den Teilnehmern noch mit auf den Weg, „wissen jeden Malt-Whisky in ihrem Leben unterzubringen.“ Mit dieser Weisheit im Ohr steigen wir die Stufen wieder hinauf und blicken in die pralle Nachmittagssonne Frankfurts.          

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