FIZZZ on tour: Floreria Atlantico, Buenos Aires

Cihan Anadologlu, Bar-Profi und -Consulter

FLORERIA ATLANTICO, BUENOS AIRES

 

Cihan Anadologlu, Bar-Profi und -Consulter, präsentiert „Bars around the world“. In dieser Ausgabe: „Floreria Atlantico“, Buenos Aires.


Wenn man den Namen Giovanni Tato in Argentinien hört, dann funkeln jungen Bartendern die Augen. Er wird als der „Don“ in der argentinischen Barzene betrachtet, der den jungen Bartendern zur Karriere verholfen hat und sich um sie kümmert. „Tato“, wie er nur genannt wird, und seine Frau Aline Vargas eröffneten vor einigen Jahren in der argentinischen Hauptstadt die Szenebar „Floreria Atlantico“. Mittlerweile gibt es sogar einen Ableger in Rio de Janeiro. Doch bleiben wir zunächst in Argentinien.

Viele kulinarische Delikatessen erwarteten mich, als ich in dem Land ankam, das berühmt für sein Fleisch, seinen Rotwein und, ja, den Fernet Branca ist. Zu den weiteren Küchenklassikern zählen die typische argentinische Pizza sowie die Dulce de Leche, ein milchbasierter, süßer Brotaufstrich. Der italienische Einschlag in der Kulinarik zeigt sich hier sehr stark. All das ist aber keine Konkurrenz zum Fleisch – als das beste der Welt bezeichnen die Argentinier ihr Rindfleisch, das von der Rasse Angus kommt, und so verzehren sie es morgens, mittags und abends, immer. Fast roh (bei uns die Garstufe „Bleu“) wird es teilweise aufgetischt, ein Glas Rotwein der besten Qualität rundet das abendliche Mahl meistens ab. Nach solch einem üppigen Essen nicht fehlen darf dann der Fernet. In Argentinien gibt es etliche Marken und verschiedene Sorten. Meistens wird er mit Cola gemixt, und das in einem beachtlichen Mischungsverhältnis von 40 Prozent Spirituose zu 60 Prozent Filler. Die Argentinier mögen’s kräftig.

Bei der Erkundung der Barszene der Stadt fällt eines recht schnell auf: Erstaunlich viele junge Damen haben sich dem Beruf des Bartenders verschrieben und setzen ihr Handwerk mit Perfektion und Eleganz um. Das begeisterte und interessierte mich gleichermaßen. Nach Recherche in einigen Adressen der Stadt stellte sich heraus, dass die weibliche Sensibilität und die Vision mancher Bartenderinnen die Barbesitzer dazu animieren, die Damen zu trainieren und sie zu den besten Bartendern des Landes auszubilden.

Ob „Verne Club“, „878“, „Victoria Brown“, „Basa Bar“, „Nicky Harrison“, „Frank’s“, „Izabel“ oder „Doppelganger“ – typisch für fast jede Bar in Buenos Aires ist die einzigartige Einrichtung, das eigenständige Design. Ich war überwältigt von der Schönheit mancher Bars und den Speakeasy-Bereichen und Zugängen. Dies sollte jeder versierte Bartender einmal gesehen haben. Handwerklich stehen die Bartender aus Buenos Aires niemandem nach, auch eigene, ganz hervorragende Bartools werden entwickelt und verkauft.

Als die „argentinischste“ Bar bezeichnet Barmanager Sebastian Atienza das „Floreria Atlantico“, das im edelsten Stadtteil von Buenos Aires, einen Katzensprung von allen erdenklichen Luxushotels entfernt, zu finden ist. Gleichwohl ist die Bar für Neuankömmlinge nicht einfach zu finden, denn das „Floreria Atlantico“ war eine der ersten Bars überhaupt in Argentinien, die das Speakeasy-Konzept aufgriff. Ganz besonders und einfallsreich daher auch der Eingang, der sich wiederum im Namen niederschlägt: Ein Blumenladen öffnet die Tür zu einer der coolsten Bars des Landes. Inspiriert durch die Migrationsströme der Zwanziger Jahre wird hier gemixt, gekocht, gebraten und gefeiert. Italien, Frankreich und Spanien stehen als Inspirationsquelle an oberster Stelle.

Alle Cocktails erzählen ihre eigene Geschichte und stehen für außergewöhnliche Kreationen der Bartender. Der Trend bei der Zubereitung geht momentan deutlich in Richtung ausgefallene Küchentechnik – eine Parallele also zu Europa und ein Indiz für die Globalisierung der Cocktailkultur. Spannend zu beobachten ist, wie im „Floreria Atlantico“ die Barbecue-Station dazu benutzt wird, Drinks zu „smoken“. Besonders sind auch die Eiswürfel, die aus gefiltertem Meerwasser und Regenwasser produziert werden. Die Ideen kommen nicht von ungefähr. Wer sich das Lokal genau anschaut, wird die Vielzahl an alten Piratenkarten und Abbildungen von Seemonstern bemerken, die zugleich für eine urige Atmosphäre sorgen. All diese kleinen Kunstwerke stammen übrigens von Tato selbst.

100 Argentinische Pesos, umgerechnet circa 8 Euro, muss man für einen der ausgefalleninnovativen oder klassischen Cocktails bezahlen. Absolut gerechtfertigt in meinen Augen, zumal in Kombination mit einem schönen Stück Fleisch, das hier nach persönlicher Präferenz zubereitet wird. Dass Tato mit dieser Bar nicht nur für Buenos Aires Zeichen gesetzt hat, zeigt die Tatsache, dass die Jury der „World’s 50 Best Bars“ ihn jährlich in die exklusive Riege wiederwählt. 


Adresse:
Arroyo 872, Cdad. Autónoma de Buenos Aires, Argentinien,
Tel.: (+5411) 4313-6093,
www.floreriaatlantico.com.ar

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