FIZZZ on tour: Lidkoeb, Kopenhagen

Cihan Anadologlu
Lidkoeb, Kopenhagen
Lidkoeb, Kopenhagen
Lidkoeb, Kopenhagen
Lidkoeb, Kopenhagen
Lidkoeb, Kopenhagen
Lidkoeb, Kopenhagen

Cihans Bartour: Lidkoeb, Kopenhagen

Cihan Anadologlu, Bar-Profi und -Consulter, präsentiert „Bars around the world“. In dieser Ausgabe: „Lidkoeb“, Kopenhagen.

Nordic – dieses Schlagwort ist in der Kulinarik-Szene momentan in aller Munde. Namen berühmter Köche kommen uns dabei in den Sinn, Restaurants, die ihre Kreativität bis an die Grenzen ausleben, überschreiten und immer noch einen draufsetzen. „Revolution der Küche“ nannten einige diese neue Nordic Cuisine. Die Arbeit mit ausschließlich heimischen Produkten ist zwar keine Revolution, doch das, was die Protagonisten aus dem wenigen, was ihnen zur Verfügung steht, gemacht haben, ist mehr als erlebenswert. Traumhafte Aromen und Geschmackskompositionen lassen sie aus den heimischen Produkten entstehen und schaffen es damit, immer wieder zu verblüffen.

Belohnungen mit Michelin-Sternen und Auszeichnungen wie der Titel als „World´s Best Restaurant“ für das „Noma“ in Kopenhagen sprechen für sich. Wer einmal in den Genuss kommt, diese Küche zu probieren, wird sich mit dem einen oder anderen Produkt näher auseinandersetzen und sich fragen, wie die Köche es geschafft haben, diese Aromen und Geschmäcker herauszukitzeln. Die Abenteuerlust der Einheimischen – und auch die der Weithergereisten – hat einige auf die Idee gebracht, sich des Themas zu widmen und den Begriff auch auf die Barkultur Dänemarks zu übertragen.

So wie das Ehepaar Rasmus Shepherd-Lomborg und Adeline Shepherd-Lomborg. Das dänisch-schottische Paar lernte sich in der Barzene Großbritanniens kennen und begab sich 2005 in seine Wahlheimat Dänemark. Im Sommer 2007 eröffneten die beiden mit dem „Ruby“ ihre erste eigene Bar, die noch heute in der Barszene hochgelobt unter den „World´s 50 Best Bars“ geführt wird. Die Bar fügt sich bestens in die Räume ein, in denen früher eine Bank samt Tresorraum beheimatet war. Und die internationale Barszene scheute keine Mühe, sich auf den Weg zu machen, um dem „Ruby“ einen Besuch abzustatten.

Nachdem das Ehepaar mit dem „Ruby“ unzählige Erfolge feierte, wartete die Fachwelt gespannt auf den nächsten Schritt. Der ließ zwar bis 2012 auf sich warten, sollte sich aber durchaus lohnen. „Lidkoeb“ tauften Adeline und Rasmus ihr zweites Objekt. Die Wörter „Lid“ und „Koeb“ bedeuten übersetzt „Vertrauen kaufen“. Das Vertrauen der Gäste verdienen sich die Betreiber insbesondere durch die Bartender, die ihr Handwerk perfekt verstehen. Beeinflusst durch den Nordic-Cuisine-Ansatz zaubern sie ausgefallene, kreative Aromen in die Cocktails, die häufig Abwandlungen von Klassikern sind. Der in Deutschland bekannte Biermix „Radler“ etwa wird aus gesalzenem Grapefruit-Cordial, frischem Limettensaft, Tequila und Aperol hergestellt. Auch der „Maelkesgaeg“-Cocktail hat es in sich: selbst hergestellter Sanddorn-Sirup wird mit kondensierter Milch, Dill-Aquavit und Cachaça vermählt und sorgt für ein Aromafeuerwerk. Ein Faible für nordische Zutaten und aus der Nordic Cuisine entlehnte Techniken lässt sich nicht verhehlen. Besonders effektvoll ist die Schokoladen-Wolke in dem Drink „Chokolade Sour“: der rauchige Talisker Storm von der Isle of Skye wird mit frischem Zitronensaft für die Säure und einer Schokoladen-Wolke für die süßen Noten ausbalanciert. Eine ausgiebige Beratung für jeden Gast ist selbstverständlich, ebenso wie die Bereitschaft, jeden noch so ausgefallenen Wunsch zu erfüllen. Fünfundzwanzig Mitarbeiter betreuen das „Lidkoeb“ insgesamt, sechs davon widmen sich der Kunst der Mixologie hinter dem Tresen.

Als „multifunktional“ und „Neighborhood-Bar“ bezeichnet die Familie Shepherd-Lomborg ihren Ausgehtempel, der sich über drei sehenswerte Stockwerke erstreckt. Individuell vom Eigentümer selbst designt, zeigt sich das Ambiente typisch Dänisch und von stilsicherer Eleganz. Vor allem die Whiskey-Bar im Dachgeschoss – ebenso wie der darunter liegende „Bar & Function Room“ nur an Wochenenden und bei Veranstaltungen geöffnet – präsentiert sich sehr beeindruckend: mit gemütlichen Chesterfield-Sofas und Abfüllungen, die nur nummeriert sind und erst bei genauerem Hinsehen oder auf Nachfrage die Destillerie und den Abfüllort preisgeben. Für Whiskey-Fans ein Muss, lässt sich hier doch die eine oder andere Überraschung aufspüren und verkosten. Die Preise für die Cocktails bewegen sich auf gehobenem internationalem Niveau zwischen 90 und 120 Dänischen Kronen (entspricht 12-16 Euro). Für die flüssigen Kunstwerke in Verbindung mit einem Restaurant-Besuch allemal eine Reise wert, würde sicher auch der Guide Michelin bestätigen.

 

 

 

Vesterbrogade 72B,
1620 Kopenhagen, Dänemark
Tel: +45 33 112010
http://lidkoeb.dk/

Öffnungszeiten:
Mo-Sa: 16-2 Uhr
So: 20-2 Uhr

Neuen Kommentar schreiben