FIZZZ on tour: Rémy Martin – das Ende einer Ära

Generationenwechsel: Pierette Trichet und Batiste Loiseau
Vier Generationen: v.l.: Batiste Loiseau, Georges Clot (1990 - 2003), Pierette Trichet (2003 - 2014), André Giraud (1956 - 1990)
Die Auswahl der richtigen Trauben ist entscheidend
Die Destillation erfolgt zum Teil bei Rémy selbst, zum Teil aber auch direkt bei den Winzern
Alle Eaux-de-Vie durchlaufen den Härtetest im Tasting-Room - und der Kellermeister hat das letzte Wort
Der Zentaure funktioniert nicht nur traditionell

Von Cognac, einer Grande Dame und einem Neuanfang, der eigentlich keiner ist

Cognac ist eine Spirituose mit langer Tradition und viel Geschichte. Diese beginnt aber nicht erst mit der Gründung der ersten Cognac-Häuser, sondern lange zuvor mit den Römern. Diese waren es nämlich, die nach der Besetzung Galliens im 1. Jhdt. v. Chr. die ersten Reben in die Champagne brachten, um auf den kalkhaltigen Böden Wein anzubauen. Doch auch den Arabern, die im 8. Jahrhundert ein nicht gerade kleiner Feldzug in die Region führte, gebührt ein Teil der Ehre, denn im Gepäck hatten sie ein Gerät, das sie eigentlich zur Herstellung von Medizin und Parfums verwendeten: den Alambic. Diesen nutze schließlich der Legende nach der französische Ritter Chevalier de la Croix-Maron, um erstmals Wein zweifach zu destillieren. Das Ergebnis: das erste Eau de Vie der Welt.

Der Reiz der Reife

Doch Cognac war das noch lange nicht, denn auf die Idee, die Eaux-die Vie in Fässer zu packen, kamen wieder nicht die Franzosen, sondern die Holländer. Die exportierten nämlich seit dem 13. Jhdt. französische Weine nach England und Skandinavien, bevor sie im 16. Jhdt. auf die Weine aus der Cognac-Region aufmerksam wurden. Doch mit einem größeren Exportradius stiegen auch die logistischen Herausforderungen. Auf der langen Fahrt wurden Weine oft sauer und zudem verbrauchten sie viel Platz – und an diesem Punkt kommt erneut der arabische Alambic ins Spiel, denn durch das Umsteigen auf gebrannte Weine sparten die Holländer jede Menge Lagerraum – der Branntwein wurde am Zielort einfach wieder mit Wasser verdünnt und so trinkfertig gemacht. Transportiert wurde er in Holzfässern und schnell stellte man fest, dass der Inhalt immer besser wurde, je länger er darin lagerte. Die Fassreifung – und damit der Cognac – waren erfunden, auch wenn dieser bis ins 19.Jhdt. hinein nach dem Transport wieder mit Wasser auf Weinstärke reduziert wurde.

Die Verantwortung

Die Nationalspirituose der Franzosen hat also eine sehr lange und internationale Entstehungsgeschichte. Kein Wunder also, dass sie auch heute eine weltweite Fangemeinde hat – und Rémy Martin zählt zweifelsohne zu den erfolgreichsten Vertretern dieser Kategorie. Für die Qualität der Rémy-Cognacs sind jedoch eine Unmenge an Faktoren verantwortlich: angefangen bei der Auswahl der Trauben, der jungen Eaux-de-Vies, der Qualität des Holzes für die Fässer, der Wahl des richtigen Fasses für das richtige Destillat, der Entscheidung, in welchen Keller das Ganze für wie lange wandert und wann es mit welchem Eau-de-Vie geblendet wird, bis hin zu dem Zeitpunkt, an der entschieden wird, wann der Cognac bereit für die Abfüllung ist.

All diese Entscheidungen trifft am Ende eine Person: der Kellermeister. Er oder Sie ist es, die jeden einzelnen Produktionsschritt akribisch über Jahre hinweg überwacht – und damit am Ende auch für das Ergebnis gerade stehen muss. Viel Verantwortung also, die, bedenkt man die Lagerzeit mancher Qualitäten, weit über die eigene Schaffenszeit eines Kellermeisters hinausgeht.

Der Wandel

Diese Verantwortung lag bei Rémy Martin seit 2003 auf den Schultern einer Frau – der ersten Frau in einer solchen Position überhaupt. Doch diese hat nun, nach Jahrzehnten im Dienste eines der renommiertesten Cognac-Häusern überhaupt, den Stab an die nächste Generation weitergeben: Pierrette Trichet ging Anfang April in den Ruhestand – und ihr Nachfolger Batiste Loiseau ist gerade einmal 34 Jahre alt und damit der jüngste Kellermeister in der jüngeren Vergangenheit des Hauses. Loiseau und seine Lehrmeisterin Trichet gewährten uns im Rahmen einer feierlichen Übergabezeremonie einen kurzen Einblick in die Gefühlswelt eines scheidenden und eines neuen Kellermeisters.   

 

Monsiuer Loiseau, war es ein Traum von Ihnen, gerade bei Rémy Martin zu arbeiten?
Loiseau: Zunächst habe ich ja Weinbau studiert und arbeitete dann in unterschiedlichen Weinbauregionen, wie Bordeaux Südafrika und Neuseeland. Als ich aber zu meiner Familie zurückkehrte, unterhielt ich mich mit vielen Winzern aus der Champagne. Und alle erzählten mir von der engen Verbindung zu Rémy Martin. Eine Verbundenheit, die vor allem auf der Qualität des Produktes basiert. Als ein Mensch, der sehr mit seiner Heimat verbunden ist, war mir klar, dass ich nun für ein großes Cognac-Haus arbeiten wollte und da kam nur Rémy Martin infrage.

Was werden Sie tun, um Cognac einer jüngeren Konsumentenschicht näher zu bringen?
Loiseau: Ich bin zwar jung, aber ich arbeite nicht nur für junge Leute. Meine erste Aufgabe wird es sein, allen zu erklären, warum wir nur Fine Champagne Cognac machen. Wir müssen immer weiter nach höchster Qualität streben, denn nur wenn du das schaffst, hast du die Freiheit, mit und aus deinem Produkt zu machen, was du willst. Jungen Leuten müssen wir verständlich machen, dass man Cognac nicht nur nach dem Essen vor dem Kamin und mit einer Zigarre trinken kann. Als ich Student war, war mein Lieblingsdrink schließlich Cognac mit Ginger Ale.

Ist Innovation mit einem so traditionellen Produkt überhaupt möglich? In Ihrer Antrittsrede haben Sie gesagt, dass sie nichts verändern möchten!
Loiseau: Innovationen sind natürlich möglich, denn unsere Keller sind voller Schätze. Es können ja auch nur Komponenten verschiedener Aromen sein, die man neu zusammenfügt. Klar ist es meine Aufgabe, jedes Jahr die gleiche Qualität und den gleichen Geschmack zu liefern. Aber eines Tages, so wie es Pierrette ja mit dem V.S.O.P Mature Cask Finish oder dem Diamant du Centaure getan hat, fügen wir diese vielleicht zu etwas ganz neuem zusammen.
Trichet: Genau! In den letzten zehn Jahren brachte Rémy schließlich zehn verschieden Neukreationen heraus. Innovation gehört bei uns also quasi zum Tagesgeschäft.

Monsieur Loiseau, Sie sind nun in den nächsten Jahrzehnten für die Qualität der Cognacs dieses Unternehmens alleinverantwortlich. Wie fühlt sich das für Sie an?
Loiseau: Auf der einen Seite erscheint es einem natürlich etwas beängstigend. Aber es ist eine Herausforderung, die ich gerne annehme. Als ich vor sieben Jahren bei Rémy anfing, war es meine Aufgabe, die Qualität der Eaux-de-Vie zu sichern und zu verbessern. Damals dachte ich natürlich nicht daran, einmal der Kellermeister zu sein. Aber nach viel gemeinsamer Arbeit mit Pierrette sagte sie 2010 plötzlich zu mir: ‚Du weißt ja, in ein paar Jahren bin ich weg, und ich glaube, du könntest der Nächste sein‘. Von da an war das mein erklärtes Ziel. Natürlich ist es eine riesige Verantwortung, aber ich bin nicht allein. Ich werde ein großartiges Team haben. Also wird es unglaublich spannend.
 

Madame Trichet, wenn Sie an die letzten Jahre denken: Worauf sind Sie da besonders stolz?
Trichet: Ich bin natürlich auf alles stolz. Es ist wir bei den eignen Kindern, die liebst du auch alle gleich. Aber wenn ich eines benennen müsste, wäre es wohl der Louis XIII. Rare Cask, weil er einfach einzigartig ist und die Eaux-de-Vie darin so außergewöhnlich sind.

Sind Sie als Frau anders an die Materie Cognac herangegangen, als das vielleicht ein Mann getan hätte?
Trichet: Nein. Als Frau musst du die Cognacs genauso machen, wie es ein Mann getan hätte. Vielleicht bin ich aber etwas anders sensibler mit meinem Team umgegangen.

Madame Trichet, was haben Sie jetzt vor? Werden Sie ein Teil von Rémy bleiben oder machen Sie etwas völlig anderes?
Trichet: Ich werde mich bei Rémy nicht mehr einmischen und etwas ganz anderes machen. Ich beginne ein neues, ein drittes Leben, wobei ich immer noch kreativ sein will. Vielleicht fange ich an zu malen. Außerdem gehe ich gerne Wandern – und endlich habe ich die Zeit dazu. Ich könnte bei Rémy auch gar nicht mehr mitreden, da ich ja nicht mehr täglich da bin und nicht alles im Blick habe – und das ist eine Grundvoraussetzung. Das ist jetzt der Job von Batiste.
Loiseau: Aber ich werde dich anrufen, da kannst du sicher sein! Also ändere deine Nummer nicht!

www.remymartin.com

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