FIZZZ on tour: Zu Gast auf der Isle of Skye

Talisker: Die einzige Single-Malt-Destillerie der Isle of Skye
Die Malzmühle von Talisker. Die gemälzte Gerste wird von einer Großmälzerei eingekauft
Das Stillhouse von Talisker. Drei Low-Wine-Stills mit je 11.024 Litern befüttern zwei Wash Stills mit je 14.706 Litern Fassungsvermögen
Die Worm Tubs sind ein "Geheimnis" von Talisker, da hier das Destillat beim Abkühlen sehr lange Kontakt mit den Kupferrohren hat.
Das Tasting mit Blick auf Loch Portree, Isle of Skye

Von Rauch, Chilis und dem Geschmack von Schönheit

Nach dem Storm und dem Port Ruighe schickt die einzige Single-Malt-Destillerie der Isle of Skye mit dem Talisker Skye den dritten NAS-Whisky in Folge ins Rennen. fizzz war vor Ort und hat den Neuen unter die Lupe genommen.

Von Alexander Thürer

Er soll eine Hommage an majestätische Landschaft der Isle of Skye sein. Ein Whisky, der den typischen Talisker-Charakter, seine Heimat, die Isle of Skye, sowie die Geschichte der Destillerie widerspiegelt und die wilde Schönheit der Insel geschmacklich einfängt. Aber wie schmeckt eigentlich wilde Schönheit? Oder eine majestätische Landschaft? Nachdem ich den Talisker Skye probiert habe, weiß ich das zwar noch immer nicht so genau, doch diese Art des Storytelling gehört eben mittlerweile dazu. Klar, man will als Bartender oder Gastgeber ja auch mal etwas zu einem Produkt erzählen können. Am Ende stellt sich mir aber immer die gleiche Frage: Muss sich der Talisker Skye, wie manch anderer NAS-Whisky, hinter einer wohlklingenden Produktgeschichte verstecken?

 

Grundsolider Brückenbauer

Beim ersten abendlichen Tasting mit Blick auf Loch Portree im Nordosten der Ilse of Skye zeigt sich, dass es eines erzählerischen Schleiers diesmal eigentlich nicht bedarf. Jenseits des Marketing-Brimboriums schlägt der Talisker Skye nämlich die aromatische Brücke zwischen seinen beiden Vorgängern, dem rauchigeren und kräftigeren Storm und dem Portwein-gefinishtem Port Ruighe. Sicherlich ist der Talisker Skye kein Meilenstein der Whiskygeschichte, aber diesen Anspruch erhebt er ja auch gar nicht. Auch klar: Er ist jung und man erfährt leider wieder recht wenig über seine Entstehung, außer den Basics der Whiskyherstellung, die man sowieso schon kennt. Verzichten wir aber einmal auf die Befriedigung der eigenen Neugier und wenden uns dem Produkt zu, denn hier präsentiert sich uns ein grundsolider Whisky, der vor allem eine Stärke haben dürfte: Breitentauglichkeit. Talisker Skye eignet sich nämlich hervorragend für eine erste Begegnung mit der Marke an sich und der Materie Torf im Allgemeinen. Wer Whiskys von Talisker kennt, weiß um das subtile Spiel mit dem Rauch, das für viele Qualitäten dieser Destillerie charakteristisch ist. Und dieses bildet der Talsiker Skye hervorragend ab, ohne dabei Anfänger zu überfordern oder abzuschrecken. Ob er damit aber bei Whiskynerds alter Schule punkten kann?

 

Breite schlägt Tiefe

Lassen wir die alten Grantler aber einmal außer Acht, denn die Zielgruppe des Talisker Skye ist ganz klar eine andere. Wo Konkurrenzmarken auf den Peat-Hammer setzen und mit immer höheren ppm-Angaben Torf-Kenner und Liebhaber beglücken wollen, sucht man auch beim Talisker Skye ( wie auch bei den zuletzt gelaunchten Sorten) eher das elegante Zusammenspiel mit würzigen, scharfen und süßen Aromen, die vom Rauch mal mehr oder mal weniger dominant begleitet werden. Wie gut das von Sorte zu Sorte gelingt, ist sicherlich Geschmackssache. Genau darin liegt aber die Stärke des Trios aus Storm, Skye und Port Ruighe: Es ist für jeden Gaumen was dabei.

Allerdings bemängeln Kritiker bei NAS-Whiskys– auch bei Talisker – oftmals eine fehlende aromatische Tiefe. Dies tun sie mit Sicherheit nicht zu Unrecht, doch an die Stelle der Tiefe tritt nun die Breite. Das Problem der leeren Lager und dem damit zusammenhängenden Mangel an einem ausreichenden Vorrat lange gereifter Whiskys lässt sich eben auch bei Talisker nicht wegdiskutieren. Folgerichtig können auch die NAS-Whiskys aus diesem Hause ihr nicht ganz so hohes Alter aromatisch nicht verbergen. Aber muss das immer gleich ein Makel sein?

Bei vielen Whisky-Fans scheint es vor diesem Hintergrund mittlerweile zum guten Ton zu gehören, einem NAS-Whisky geschmacklich und in Sachen Tiefe nur wenig zuzutrauen. Auch nach dem Tasting wird erst mal aus Prinzip der kleine Finger abgespreizt, abfällig die Stirn gerunzelt und die gute alte Zeit, als ein Whisky von 10 Jahren das absolute Minimum des Zumutbaren war, über den grünen Klee gelobt. Das sei alles kein Erlebnis mehr, heißt es. Aber ist es nicht langsam mal an der Zeit, sich dieser neuen Art der Whisky-Philosophie zu öffnen? Wer dazu bereit ist, dem sei der Talisker Syke ans Herz gelegt, denn er ist ein wunderbares Beispiel für einen Flavour-Led-Whisky.

 

Spiel mit dem Aromafeuer

Ich habe eingangs erwähnt, dass ich mit einer Spirituose selten etwas assoziiere. Auch wenn ich an den Talisker Skye denke, habe ich keine raue Landschaft und kein aufgewühltes Meer vor Augen. Was mir aber eindrucksvoll im Gedächtnis geblieben ist, ist folgender Versuch (den Sie übrigens mit allen drei Talisker-NAS-Whiskys durchführen können): Nehmen Sie einen Schluck Talisker Skye, schließen Sie die Augen, packen Sie ihn auf die Zuge, lassen Sie ihn von einer Backe in die andere fließen und betreiben Sie dieses Spiel 10 bis 15 Sekunden lang. Was erwartet Sie da?

Zunächst ein leichter, süßer, etwas fruchtiger Antritt mit angenehmen, weil nicht zu dominanten Torfnoten und eine leichte Salzigkeit. Ganz wie von einem weit entfernten Feuer am Strand, dessen Rauch herüberweht. Aber dann beginnt es langsam. Es drängt sich eine pikante Note in den Vordergrund, die von Sekunde zu Sekunde stärker wird. Lassen Sie die Augen geschlossen, vergessen Sie, was Sie gerade im Mund haben und versuchen Sie, es zu benennen. In der Antwort erkennen Sie dann das, was alle drei NAS-Qualitäten von Talisker mal mehr oder weniger stark prägt: Es ist nicht der Rauch, kein alkoholischer Hammer, keine muffige Holznote. Es ist ein unerwarteter, aber verdammt intensiver Chili-Punch! Und da haben Sie ihr Erlebnis, trotz fehlenden Alters. Ach ja, die Augen können Sie wieder aufmachen.

 

Die NAS-Range von Talisker im Überblick:

Talisker Storm

Gelagert in amerikanischen Toasted- und Refill-Eichenfässern. Dieser Whisky hat den höchsten Anteil an getoasteten Fässern die speziell aufgrund ihrer „Spiciness“ ausgewählt wurden. Der Kräftigste des Trios.

Talsiker Port Ruighe

Zweifach in ehemaligen Port-Fässern gelagert. Dieser Whisky vereint damit die Charakteristik eines Talisker mit sanftem Rauch, ausgeprägter Würze und einer leichten Salzigkeit mit süßen Beerennoten.

Talisker Skye

Wie auch der Storm lagert er in Toasted- und Refill-Eichenfässern, jedoch ist der Anteil der getoasteten Fässer etwas geringer, als beim Storm, was ihn etwas gefälliger und einsteigerfreundlicher macht. Die Rauchnoten kommen hier etwas klarer zur Geltung.

 

Offenlegung: Für diesen Artikel nahm der Autor an einer Pressereise auf die Isle of Skye teil. 

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