FIZZZ on tour: Zu Gast bei Cointreau

Der Griff in die Vergangenheit: Ein Rezeptbuch aus dem Jahre  1937
Impressionen aus Angers

Von Bitterorangen, Likör in der Babymilch und Bartendern in Unterhosen

Seit knapp zwei Jahren ist er der neue Kopf des Hauses Cointreau und trägt damit keine leichte Bürde. Doch schwer scheint sie dem 27-jährigen Alfred Cointreau nicht zu fallen, die Last der Tradition. Man merkt schnell: Hier ist jede Menge Liebe zur Marke im Spiel. Cointreau ist eben immer noch ein Familienbetrieb - und damit das auch so bleibt, pflegt man bei den Cointreaus einen speziellen Brauch: Jedem Neugeborenen der Familie werden einige Tröpfchen des Orangenlikörs in die Babymilch gegeben – „das prägt fürs Leben“, versichert Alfred Cointreau.

Eine Prägung, vor der er schnell profiterte, denn eine seiner ersten Reisen als Cointreau Heritage Manager führte ihn 2011 nach Berlin, wo er in der Jury der Cointreau Championship saß und erstmals die deutsche Cocktailkultur zu schmecken bekam. Eine Erfahrung, die Alfred tief beeindruckt hat. Daher war es ihm eine offensichtliche Freude Ende Juni eine Gruppe von sieben Bartendern in seiner Heimat Angers begrüßen und in die Welt von Cointreau einführen zu dürfen. Und eines muss man den Cointreaus lassen: eine Marke zu inszenieren beherrschen sie perfekt.

Dem Empfang auf Schloss Angers - das trotz anfänglicher Spekulationen nicht zum Cointreau-Imperium gehört - folgte eine eindrucksvolle Führung mit exklusivem Zutritt zu eigentlich für die Öffentlichkeit gesperrten Bereichen. Erstes Highlight, die Übergabe des Schlüssels zum geheimnisvollen 13ten Turm der Burg in einer Kapelle aus dem 12 Jahrhundert, die man sonst nur durch dicke Glasscheiben bewundern kann.

Und Turm Nummer 13 brachte den Gästen alles andere als Unglück! Stattdessen wartete der Einblick in historische Cocktailbücher und Rezeptsammlungen für Drink-Klassiker mit Cointreau. Anfassen war hier nur mit Samthandschuhen erlaubt. Ein Stockwerk höher, unter dem Dach des alten Wehrturms, wartete dann eine weitere Überraschung: Eine kleine Cointreau-Bar mit den Klassikern aus den alten Büchern: Sidecar, Cosmopolitan und Margarita. Chapeau, Monsieur Cointreau!

Das Niveau blieb aber auch am zweiten Tag hoch, der den sieben Barprofis Selman Evren, William Dodoo, Hanna Veers, Markus Kern, Marcus Hinrichsen, Meike Zimmermann und Steffen Goubeaud die Türen zum Allerheiligsten der Destillerien öffnen sollte. Zentrales Thema: Was macht Cointreau so besonders?

"We are the Best", hörte Alfred Cointreau nie auf zu betonen, doch diesen Anspruch erheben sicher auch andere. Aber der Blick hinter die Kulissen ließ am Ende kaum noch Raum für Widerspruch. Natürliche Zutaten - nämlich genau vier - bilden die Grundlage für einen außergewöhnlich aromatischen Likör. Zwei Sorten getrockneter Orangenschalen – Süß- und Bitterorange - gefiltertes, reines Wasser, Zucker und Alkohol, mehr braucht es nicht. Naja, ein bisschen Know-how über die Herstellung und die Mischungsverhältnisse vielleicht noch. Aber dafür hat man ja Bernadette Langlais, Grande Dame und Master Destiller von Cointreau, die im Rahmen eines Tastings und Know-how-Vortrags viel Wissenswertes über die Herstellung verriet, bei der der Mensch noch immer eine zentrale Rolle spielt. Denn wenn es darum geht, „Head“, „Heart“ und „Tail“ des Destillats voneinander zu trennen, ist man noch immer auf die Erfahrung der Destillateure angewiesen. Verpasst man den richtigen Moment, ist der Brand dahin.

Im Bernadette Langlais´ Blind-Tasting-Vergleich standen sich schließlich vier Orangenliköre gegenüber: Bols, DeKuyper, Grand Marnier und Cointreau – mit interessanten Ergebnissen und zwei klaren Favoriten (die Alfred aber aufgrund unterschiedlicher Herstellungsweisen nicht als Konkurrenz ansieht). Zum Abschluss präsentierte Alfred Cointreau zudem noch zwei Qualitäten, die es hierzulande noch gar nicht gibt: Cointreau Noir, eine Mischung aus Orangenlikör und Cognac und Cointreau Extreme, der speziell für den chinesischen Markt und ohne die Zugabe von Zucker hergestellt wird. Also eher ein Brand als ein Likör.

Besonderen Zuspruch fand übrigens eine weitere Neuheit: das neue Flaschendesign von Cointreau, das die Gruppe als eine der ersten begutachten durfte: Sehr dezente Überarbeitungen, die Form bleibt gleich, nur der Flaschenhals ist 1 cm länger. Ergebnis: Man kann die Flasche besser anpacken. Bisher ein Manko in Sachen Backboard-Handling.

Wie man mit Cointreau an der Bar umgeht, bewiesen dann aber die Barkeeper eindrucksvoll, als es im Anschluss galt, dem Cointreau Fizz mit frei wählbaren Zutaten einen Twist zu verpassen. Alfred war mal wieder von der deutschen Barkultur begeistert. (Lesen Sie hierzu auch unser Interview)

Dass aber auch Frankreich sich in Sachen Bar-Kultur nicht verstecken muss, zeigte sich am letzten Abend auf einer kleinen Bartour durch Paris. Schon das Dinner im Restaurant des Hotels "Mama Shelter" war ein Erlebnis für alle Sinne: herausragendes Interior Design zwischen Pop- und Street Art und eine Küchenleistung vom Feinsten. Die Bars setzten aber nochmal einen drauf. Vor allem die „Calbar", wo die Bartender – nein, nicht die Deutschen - durch ihre ausgefallene Arbeitskleidung auffielen. Hemd, Fliege, Bowler-Hat, Sneakers und... Boxershorts.

Und auch eine weitere Leidenschaft von Alfred Cointreau lernten wir kennen: Alfred trinkt Underberg – am liebsten mit seinen Gästen.

Ein würdiger Abschluss einer eindrucksvollen Reise. Merci bien, et à la Prochaine!

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