Im Fokus: 5 Weintrends, die Sie kennen sollten...

5 Weintrends, die Sie kennen sollten...

Fünf Weintrends, die Sie kennen sollten, um „up to date“ zu sein.

Text: Sascha Speicher

TREND 1:

Deutscher Wein boomt

Was das Kauf- und Trinkverhalten anbelangt, war der deutsche Weinmarkt lange Zeit ziemlich unorthodox. Egal ob Italien, Spanien oder Österreich – in der Regel trinken andere Weinnationen mindestens zu 70 Prozent ihren eigenen Wein, bevor sie anderen Nationen eine Chance geben. Noch vor zehn Jahren kam höchstens jede fünfte in einer Weinbar geöffnete Flasche von einem deutschen Winzer. Heute können die Sommeliers und Top-Gastrobetriebe mit einem Weinfokus kaum genug bekommen von deutschen Tropfen, insbesondere Weißweinen. 80 Prozent, so unsere Schätzung, entfallen dort mittlerweile auf deutsche Weine.

Der Boom findet aktuell aber in erster Linie in der Gastronomie statt, die Handelszahlen belegen diesen Trend noch nicht. Es sind vor allem die Weine in einem Preiskorridor von 5 bis 10 Euro, die diese Bewegung anschieben, und innerhalb dieser Range wiederum in erster Linie Weiß- und Grauburgunder. Sie sind fruchtig, gut trinkbar und haben es mit diesem breitenwirksamen Ansatz zum Bestseller in der Gastronomie gebracht. Über den deutschen Riesling wird zwar deutlich mehr gesprochen, schließlich sind die deutschen Winzer hier wirklich Weltspitze, aber die zuweilen knackige Säure erfordert schon eine gewisse Weinerfahrung. Für Einsteiger ist der Riesling nur in Verbindung mit etwas höherer Restsüße zu empfehlen. Auch der deutsche Rotwein gewinnt stetig an Anhängern, doch im internationalen Preis-Leistungs-Vergleich hat es dieser dann doch häufig noch schwer. Für das gleiche Geld gibt es meist Besseres aus Spanien oder Italien.

Trend-Tipp Deutscher Weißwein:
Lucashof Weißburgunder trocken, Pfalz
(7,60 Euro), www.lucashof.de


TREND 2:

Keine Angst vor Restsüße

Im Zusammenhang mit Riesling-Einsteigern wurde sie bereits angesprochen, die Restsüße, die einige Weine für viele Verbraucher geschmeidiger macht. Hier gibt’s gleich zwei Trends zu beobachten. In der Weinbar-Szene feiert der restsüße Riesling Kabinett derzeit sein Comeback. Das Erfolgsrezept: leichte 9 bis 11 Vol. % und ein animierendes Süße-Säure-Spiel. Bei Mosel-, Nahe- oder Mittelrhein-Rieslingen sorgt zudem eine mineralische Schieferwürze für den letzten Kick. Der parallele Trend heißt süßliche Rotweine im eher günstigen bis Mittelpreissegment. Die Topseller der letzten zwei bis drei Jahre im Weinregal stammen meist aus Süditalien oder Spanien, tragen ein schickes, hochwertiges Etikett und werden extra für den deutschen Markt abgefüllt. Denn die deutschen Weintrinker lieben es im Schnitt etwas süßer als beispielsweise die Spanier oder Italiener. Der Trick ist, dass die höhere Restsüße (etwa 10 Gramm) dem normalen Konsumenten gar nicht auffällt, denn in erster Linie dient die Süße als Katalysator für die Frucht, die dann auch so richtig schön rund und samtig daherkommt. Mit dieser gefälligen Machart sprechen diese Weine ein breites, auch weniger weinerfahrenes Publikum an und verkaufen sich demzufolge auch in so ziemlich jeder Gastronomie erfolgreich.

Trend-Tipp Restsüßer Riesling:
Fass 8 Ayler Kupp Riesling Kabinett, Weingut
Peter Lauer; www.lauer-ayl.de


TREND 3:

Orange und Natural Wines

Zwar nur eine Mini-Nische, wir reden aktuell vielleicht von 0,01 Prozent der Weinproduktion, allerdings sind das die Weine, die in den angesagten Weinbars ausgeschenkt werden und in den Weinforen der sozialen Medien derzeit die Diskussion bestimmen. Orange-Wine-Hochburg in Deutschland ist natürlich Berlin mit Weinbars wie dem „Maxim“. In Deutschland ist dies ein noch recht frischer Trend, international haben die Franzosen hier Pionierarbeit geleistet, und im deutschsprachigen Raum waren die Österreicher die Ersten. Die beiden Richtungen sind relativ schwer abzugrenzen: Meistens stecken biologisch-organisch oder biologisch-dynamisch arbeitende Betriebe dahinter, die ihren Weinen, auch den Weißweinen, eine extrem lange Maischestandzeit verpassen. Üblicherweise werden die Weine spontan vergoren, ohne Zusatz von Reinzuchthefen, und sind nur sehr leicht oder gar nicht filtriert. Ausnahmen bestätigen die Regel. Vor allem werden die Weine ungeschwefelt oder nur sehr leicht geschwefelt abgefüllt („natural“, also ohne Zusätze). All das führt dazu, dass die Weißweine intensiver in der Farbe sind (gold oder eben orange) und eine leichte Trübung haben. Geschmacklich fallen diese Weine komplett aus dem Rahmen, was sie für viele eben so spannend macht. Sie besitzen keine oder sehr wenig primäre Fruchtaromen und schmecken aufgrund des höheren Gerbstoffgehalts etwas herb bis zartbitter und kräutrig, sind dabei in der Regel sehr trocken. Mit diesem Geschmacksbild eignen sie sich gut als Speisenbegleiter, was sie insbesondere bei fortschrittlichen Sommeliers so beliebt macht. Getrunken werden sie übrigens wie ein leichter Rotwein, also nur leicht gekühlt statt kalt. 

Trend-Tipp Orange und Natural Wines:
2014 „Erdreich“ trocken, Landwein Rheinhessen;
Weingut Schmitt,
www.gutsschaenke-schmitt.de


TREND 4:

Konzeptweine

Blutsbruder, Fabelhaft, Kaitui, Black Print, Arrogant Frog, Pornfelder, Just Riesling, Spontan, Mann mit Hut … Noch vor ein paar Jahren wäre es wohl keinem Weintrinker eingefallen, bei diesen Namen an sein Lieblingsgetränk zu denken. Doch auch die Weinwelt geht mit der Zeit, und so haben sich zuletzt immer mehr Winzer eine Marke im eigentlichen Sinne geschaffen und ihre Weine mit moderner Ausstattung und spannendem Story-Telling in den Markt geschickt. Diese sogenannten Konzeptoder Autorenweine junger Winzer sind vielleicht die Erfolgsstory schlechthin in den letzten Jahren. Qualitativ schließen sie häufig die Lücke zwischen der 5-bis-10-Euro-Kategorie und den wirklichen Spitzenweinen. Statt die Kommunikation zu stark in Richtung Lage oder Ausbauweise zu verschieben, lassen sie Bilder, Etiketten und Namen sprechen und erzählen ganz zeitgemäß eine Geschichte. Das passt hervorragend ins Social-Media-Zeitalter, das uns jeden Tag die Macht des (Instagram) Bildes vor Augen führt. Der große Meister der Konzeptweine ist sicherlich Markus Schneider aus Ellerstadt in der Pfalz. Mit Weinen wie Ursprung, Holy Moly, Black Print und Kaitui hat er das Genre hierzulande quasi begründet und den Kollegen gezeigt, wie man sich als Winzer als Marke positionieren kann. Um Ähnliches zu erreichen, nehmen die Winzer heute gerne auch mal die Hilfe von spezialisierten Agenturen in Anspruch. Die Medienagenten aus Bad Dürkheim etwa haben sich damit einen Namen gemacht, Winzern ein Konzept samt Etiketten maßzuschneidern. Neben Markus Schneider zählen renommierte Winzer wie Bassermann-Jordan oder auch Newcomer wie Pornfelder zu den Agenturkunden. Mit einem entsprechenden Paket aus Name, Logo, Etiketten und Design im Rücken bieten sich diese Weine natürlich hervorragend für die Trend- und Szenegastronomie an, die ja seit jeher stark durch Marken geprägt wird.

Trend-Tipp Konzeptweine:
Black Print, Weingut Markus Schneider,
Pfalz;
www.black-print.net


TREND 5:

Die Spitze liebt es trocken

Wo ein Trend, da ein Gegentrend. Dies bewahrheitet sich auch beim Wein. Der Gegentrend zur Restsüße (siehe Trend 2) spielt sich im Spitzenbereich ab, also dort, wo man es etwa mit Großen Gewächsen zu tun hat, die jenseits der 20 Euro liegen. Vor fünf Jahren brachten es diese Weine noch auf eine Restsüße von etwa 6 bis 8 Gramm, heute sind es im Schnitt vielleicht noch 4 bis 6 Gramm. Häufig sind es Betriebe mit biodynamischem Anbau, die hinter diesen Weinen stecken. Die intensive Arbeit im Weinberg steigert die Qualität der Trauben, die wiederum einen höheren Extrakt liefern. Der Wein erhält mehr Substanz und Körper und benötigt daher nicht so viel Süße, um die Säure auszugleichen. Ein Musterbeispiel für diese konsequent trockene Arbeitsweise ist das Weingut Reichsrat von Buhl in Deidesheim in der Pfalz. Auch im Rheingau und in Rheinhessen gibt es zunehmend Winzer, die es eher „schlank als mollig“ lieben und mit diesem puristischen, mineralischen Stil die Herkunft des Weins ausdrücken wollen. Eine höhere Restsüße wäre für dieses Vorhaben eher hinderlich.

Trend-Tipp trocken:
Pechstein, Weingut Reichsrat von Buhl,
Pfalz,
www.von-buhl.de

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