Im Fokus: Ausgehtrends 2016

Ausgehtrends 2016

Going Out

Was treibt die jungen Gäste wohin? Zum siebten Mal hat virtualnights.com seine Umfrage „going out“ durchgeführt und rund 2.700 Personen im Alter von 18 bis 35 Jahren nahmen daran teil.  Hier sind die wichtigsten Ergebnisse mit Handlungstipps für Gastronomen und Veranstalter.

Text: Jan-Peter Wulf

 

Trend 1: 

Der Festival- und Open-Air-Hype ist ungebrochen 
45 % waren es im Vorjahr, die angaben, am liebsten auf große Events wie Festivals oder Open Airs zu gehen. Dieser Trend hat sich 2016 noch einmal verstärkt: Jetzt sind es sogar 54 %, die solche Veranstaltungen als Favoriten angeben. Der Markt reagiert: Mit Festivalformaten wie dem 2015 aus den USA nach Deutschland importierten „Lollapalooza“ in Berlin, der zweiten Ausgabe von „Parookaville“ in Weeze/Niederrhein oder dem „World Club Dome“, das es seit 2013 gibt, haben sich neue Großveranstaltungen etabliert. „Auf Festivals gehen ist ein Erlebnis im großen Freundeskreis“, so virtualnights-Geschäftsführer Kai Brökelmeier, der davon ausgeht, dass noch mehr Dynamik in diesem Segment steckt: „Das Ende der Fahnenstange ist aus unserer Sicht noch längst nicht erreicht.“ So haben sich bereits jetzt für 2017 neue Großformate angekündigt, unter anderem wird es auf dem Nürburgring ein neues elektronisches Festival geben – wo früher gerockt wurde, wird dann geravt. Immerhin: 29 % sagen, dass sie am liebsten in Clubs und Discotheken gehen (Vorjahr: 28 %). Dieses Segment ist stabil, ebenso Bars und Kneipen mit 12 % (Vorjahr 13 %). 


Trend 2: 

Seltener ausgehen, mehr ausgeben 
Ein satter Sprung von 21 % auf 36 %: Zweimal pro Monat (oder seltener) geht es für die meisten Befragten vor die Tür. Einmal pro Woche, Top-Angabe des Vorjahres, fällt von 37 auf 28  %, fast gleich viele geben an, sich zweimal pro Woche ins Nachtleben zu stürzen (27 %, Vorjahr 31 %). Es besteht ein Trend zum selteneren Ausgehen: 2012 waren zwei „Ausgänge“ pro Woche mit 40 % noch Top-Antwort. Immerhin: In Summe sind es 64 % aller Befragten, die mindestens einmal pro Woche ausgehen. Zudem steigt das Budget, das pro Ausgeh-Termin aufgerufen wird: 30 bis 50 Euro machten 2012 nur 17 % der Befragten locker; 2016 sind es 31 %
– Top-Angabe vor 20 bis 30 Euro (24 %, Vorjahr 25 %). „Die Tendenz ist deutlich: Ich gehe selektiver aus, und dann wertiger. Ich bin bereit, einen gewissen Betrag auszugeben, doch dafür erwarte ich dann auch ein entsprechendes Angebot“, kommentiert Kai Brökelmeier. Konzepte mit einem gehobenen und besonderen Angebot könnten davon profitieren – mit hochwertigem Food- und Drink-Sortiment oder der Möglichkeit, im Laufe eines Abends verschiedene Highlights zu erleben, vom Essen bis zum DJ-Set. Es gelte, Alleinstellungsmerkmale und zugleich viele Erlebnismöglichkeiten für den Gast zu schaffen: „Dann ist er bereit, sein Geld bei mir auszugeben“, so Brökelmeier. 


Trend 3: 

Ab 23 Uhr geht’s raus in großer Runde
Schlummert hier Potential? Fast drei Viertel aller Befragten geben an, dass sie sich zum Start in die Nacht mit Freunden erst einmal zu Hause treffen – dort beginnt die Party (nur 15  % sagen, dass sie in einer Bar/Kneipe oder mit Essen gehen loslegen). Erst zwischen 23 und 1 Uhr, so sagen 58 % (Vorjahr 61 %), geht es dann in „dritte Orte“ wie Bars oder Clubs. Immerhin gibt es ein leichtes Plus von 7 % gegenüber dem Vorjahr bei denjenigen, die es schon früher vor die Tür zieht: 35 % sagen jetzt, dass sie bereits zwischen 21 und 23 Uhr ausgehen. Die Zeit vor Mitternacht, so scheint es, wird von kommerziellen Angeboten immer noch nicht vollumfänglich erschlossen: Dinner-Events, Warm-up-Drinks oder Pre-Partys in Wohnzimmer-Atmosphäre, die den offensichtlichen Wunsch nach Gemeinschaft mit Freunden bedienen, könnten hier punkten. Zumal ein weiterer Trend sich manifestiert: Am liebsten feiern die Befragten nämlich in einer großen Gruppe mit vier Personen und mehr (58 %, Vorjahr 50 %). Gruppentische in Clubs, separat buchbare Lounges, aber auch große „communal tables“ in Restaurants sowie die generelle Möglichkeit, Plätze und Karten für größere Gruppen vorab zu reservieren, sind Möglichkeiten, um auf dieses Bedürfnis adäquat zu reagieren. Und ebenso spezielle Arrangements für mehrere Personen: Wie wäre es zum Beispiel mit einem Dinner & Drink-Special für sieben Personen oder einer Zusammenarbeit zwischen Gastronom und Clubbetreiber – Start in den Abend in der Bar plus Eintritt und Freigetränk im Club des Kooperationspartners? 


Trend 4: 

Mit Social Media und Online-Eventportalen die Zielgruppe erreichen
Wie mache ich so auf mein Angebot aufmerksam, dass ich wahrgenommen werde? Die Antwort fällt in der 2016er-Ausgabe der Umfrage deutlicher aus denn je: Mit einem Mix aus Social-Media-Aktivitäten und Einträgen in Event-Portalen. 92 % der Befragten geben diese beiden Quellen als ihre wichtigsten an, wenn es darum geht, sich über kommende Termine und Events zu informieren (68 % soziale Netzwerke, 24 % Eventportale und deren Newsletter), das sind noch einmal 9 % mehr als 2015. „Mit diesen Kanälen erreicht man heute die Zielgruppe. Punkt“, so Brökelmeiers Kommentar. Print spielt mit 5 % (Plakate, Flyer, Stadtmagazine) hier ebenso eine Randrolle wie die Webseiten von Clubs und Co. – wollen sich diese Gehör verschaffen, so müssen sie ihre Botschaft via Social Media und Online-Communities verlängern. Auch das Thema digitales Dating nimmt an Bedeutung zu: Apps, mit denen sich zum Flirt verabreden lässt, ersetzen aus Sicht von bereits 44 % (Vorjahr 36 %) den Erstkontakt in Clubs oder Discotheken. Immerhin: Für 47 % der Dating-Aktiven geht es erst im zweiten Schritt in die Gastronomie: Ist ein Termin vereinbart, treffen sie sich in Cafés, Bars oder im Club mit dem App-Date. 


Trend 5: 

Mehrheit fühlt sich beim Ausgehen sicher, Rauchverbot spielt endgültig keine Rolle mehr
Erstmals wurde in der Umfrage „going out 2016“ das Thema Sicherheit aufgegriffen. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Auf die Frage „Fühlst du dich beim Ausgehen sicher?“ antworten 87 % mit „Ja“. Kontrollen und Sicherheitskonzepte in der Profi-Gastronomie sowie auf großen Events haben somit das Vertrauen der deutlichen Mehrheit. Bei den 13 % der Nein-Sagern nachgefragt, wie sie auf ihr Unsicherheits-Gefühl reagieren, gaben 71 % an, An- und Abreise vorausschauender zu planen und in Begleitung auszugehen, 14 % besuchen aus Sicherheitsgründen lieber kleinere Events. Nur 2 % von ihnen geben an, aus Sicherheitsbedenken seltener auszugehen. Das große Reizthema der Gastronomie scheint sich indes in Luft aufzulösen: Das Rauchverbot spielt in der Ausgeh-Zielgruppe keine Rolle mehr. 86 % sagen: „Seit es das Rauchverbot gibt, gehe ich noch genauso oft in Gastronomien wie früher“, das sind noch einmal 7 % mehr als in der Umfrage des Vorjahres. Die Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gehen damit einher: 2015 erreichte die Zahl der rauchenden jungen Erwachsenen (18 bis 25 Jahre) mit 26,2 % ein Allzeit-Tief. 


Fazit & Ausblick
Ausgehen 2016, das ist mehr als nur City-Trip in die Bar oder den Club: Es ist ein gesamtheitliches Erlebnis, das im Privaten mit guten Freunden beginnt und bis zu großen Events reicht, die heute wie ein Kurzurlaub für die junge Zielgruppe fungieren. Die Gastronomie sollte mit maßgeschneiderten Angeboten reagieren: mit Arrangements, besonderen Serviceleistungen für Gruppen und Mehrwerten, die das Erlebnis des Ausgehens steigern. Und nicht zuletzt bieten digitale Kommunikationskanäle, mit denen nahezu alle Gäste erreicht werden, die Möglichkeit, auch ganz individuell nachzufragen: Worauf kommt es dir an, wenn du ausgehst? Was muss ich dir bieten, damit du dich für mich entscheidest? 

>> Download-Möglichkeit der gesamten 
Umfrage-Ergebnisse: http://bit.ly/goingout2016      
 

Neuen Kommentar schreiben