Im Fokus: BÜRGSCHAFT NEIN DANKE!

BÜRGSCHAFT NEIN DANKE!

Sie haben den Eindruck, bei Ihrer Bank mit mehr Sicherheiten als nötig gebürgt zu haben? Nur Mut, holen Sie sie zurück!

Text: Michael Vetter

Kooperation statt Konfrontation: Wird dieser Grundsatz von Bank und Kunde beachtet, so kann sich dieser Ansatz regelmäßig positiv auf die Geschäftsbeziehung auswirken. Die seit Jahren stagnierenden Umsätze und Erträge seines Mittelbetriebs führten bei Jürgen S. zwangsläufig dazu, dass es mit seiner Hausbank, der örtlichen Sparkasse, mittlerweile regelmäßige Gespräche vor allem über die wirtschaftliche Ausrichtung des Betriebs und über die weitere Kreditbegleitung durch die Sparkasse gibt. Trotz der für beide Seiten teilweise schwierigen Verhandlungen sieht S. keinen Grund zur Klage.

Offenbar trägt die langjährige Geschäftsbeziehung dazu bei, dass sich die Sparkasse auch in wenig erfreulichen Zeiten als seriöser und verlässlicher Partner darstellt. Wesentlicher Schwerpunkt des vorerst letzten Gesprächs war die Neuordnung der Kreditsicherheiten von S. Bei einem Gesamtkreditvolumen einschließlich des Kontokorrentkredites auf dem Geschäftskonto von 190.000 Euro steht dem Kreditinstitut eine erststellige Grundschuld auf dem Betriebsgebäude von 270.000 Euro zu. Bei einem Verkehrswert der Immobilie von rund 400.000 Euro ist die Grundschuld also absolut werthaltig. Weitere Sicherheiten bestehen in Form von drei sicherungsübereigneten Betriebs-Pkw und einer Bürgschaft über 60.000 Euro, die von seiner Frau übernommen wurde.

Bei der letzten Bilanzbesprechung wurde S. von seinem Steuerberater darauf hingewiesen, dass diese Bürgschaft bei der Beurteilung aller Kreditsicherheiten eigentlich überflüssig sei. Außerdem könne Frau S. die möglichen Verpflichtungen aus der Bürgschaft ohnehin nicht übernehmen, da sie damit finanziell eindeutig überfordert wäre. Im Ergebnis solle S., so lautete der Rat des Steuerberaters, bei seinem nächsten Gespräch mit der Sparkasse um eine Rückgabe dieser Bürgschaft bitten. Ebenso überflüssig sei darüber hinaus die Sicherungsübereignung der Pkw, da die Grundschuld über 270.000 Euro als Gesamtsicherung völlig ausreichend wäre.

 

Bereinigen Sie Ihre Sicherheiten durch Rückgabe der Bürgschaft.

S. sah zwar ein, dass der Steuerberater mit seinen Ausführungen völlig zu Recht auf eine Rückübertragung der Kreditsicherheiten drängte, er wusste aber auch, dass die Sparkasse bisher immer sehr zurückhaltend mit der Freigabe von Sicherheiten umging. Dennoch sprach S., gut vorbereitet, das Thema an und bat um kurzfristige Prüfung seines Wunsches. Nur zwei Tage später wurde ihm von seinem Kundenberater mitgeteilt, dass die bankinterne Prüfung ergeben hätte, dass von Seiten der Bank aus der Bürgschaft seiner Frau keine Rechte mehr hergeleitet und die Fahrzeuge ebenfalls freigegeben werden. Einzige Bedingung der Sparkasse: S. sollte im Verlauf der kommenden Monate dafür sorgen, dass ein Großteil seiner Umsätze ausschließlich über sein Konto bei der Sparkasse verbucht werden. Bisher war die Sparkasse zwar das wichtigste, aber eben nur eines von mehreren Bankinstituten, mit denen S. geschäftlich zusammenarbeitet. Diesen nachdrücklich geäußerten Wunsch der Sparkasse auf Intensivierung der Geschäftsverbindung will S. gern nachkommen, da er mittelfristig ohnehin über eine Konzentration der Umsätze bei nur einer Bank nachdenkt. Im Ergebnis hat S. also sein Ziel erreicht. Seine erst kürzlich angeschafften Fahrzeuge kann er zukünftig bei einer denkbaren Krediterweiterung als zusätzliche Sicherheit erneut verwenden, um somit gegebenenfalls einen günstigeren Kreditzinssatz zu erzielen. Von einer erneuten Bürgschaft seiner Frau wird er allerdings absehen, da beide Ehepartner von den damit verbundenen Risiken nichts mehr wissen wollen. Außerdem kann nicht immer mit einer kooperationsbereiten Bank gerechnet werden, wenn es um eine derartige Bürgschaftenfreigabe geht: Nach wie vor bestehen Kreditinstitute auf einer unterschriebenen Bürgschaftsverpflichtung, selbst wenn der Bürge nicht in der Lage ist, im Falle einer Inanspruchnahme die Schulden nennenswert abzutragen. Dass sie sich hier oftmals in einer juristisch schwierigen Position befinden, scheint dabei kaum zu stören.

 

Checkliste:

  1. > Der beschriebene Sachverhalt verdeutlicht, wie wichtig regelmäßige und vor allem konstruktiv geführte Orientierungsgespräche zwischen Bank und Kunde sein können. Es empfiehlt sich, in Abstimmung mit dem jeweiligen Kreditinstitut, einen konkreten Termin beispielsweise pro Quartal, verbindlich festzulegen.
     
  2. > Neben wichtigen Fragen etwa zu Umsatz- und Ertragsentwicklungen sollte der Gesprächspartner gebeten werden, die aktuelle Rechtslage vor allem bei Kreditsicherheiten zu berücksichtigen. So sind Sicherheitenfreigaben wie im dargestellten Fall auch im Konsens zwischen Kreditgeber und Kreditnehmer darstellbar und gemäß den Banken-AGB auch möglich. Gegebenenfalls bietet sich ein Sicherheitentausch an, um die Absicherungssituation der Bank nicht zu verschlechtern.
     
  3. > Der Gesprächspartner der Bank sollte auch auf eine mögliche Verbesserung der Kreditkonditionen hinweisen, wenn der Unternehmer in der Lage ist, erstklassige Sicherheiten wie zum Beispiel werthaltige Grundschulden anzubieten. Es wäre zweifellos vor allem für Ihre Hausbank unbefriedigend, wenn ein Konkurrenzinstitut als Zweit- oder Drittbankverbindung diesen Serviceaspekt eher aufgreift und sich seinerseits um den Betriebsverantwortlichen als möglichen Neukunden bemüht. Oft langjährige und vertrauensvolle Geschäftsverbindungen sollten einem solchen Risiko eigentlich nicht ausgesetzt werden.

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