Im Fokus: Craft Beer meets Cocktails

Buddelschipp ’n Sand

Eine Cocktailkarte, die sich mit Craftbier befasst, ist das besondere Plus der Hamburger Bar „The Walrus“. Mit Craftbier vom Fass, zu Sirup eingekochten Ales und Stouts, lokalen Spezialprodukten sowie getwisteten Cocktail-Klassikern will sich die Bar auf St. Pauli etablieren.

Text: Mirja Rößner

Hamburg war in seiner Geschichte sehr kreativ, was das Bierbrauen angeht“, erzählt Lee Daniel Hobbs, der als Barchef vom „Walrus“ gemeinsam mit der neuen Crew in die Craftbier-Kultur eintauchte und im Vorfeld experimentierte. „Mittlerweile geht es wieder zur Vielfalt. Die Leute sind bereit, mehr Geld zu bezahlen.“ Die Erfahrung hat er in der letzten Saison mit seinem Biergarten im niedersächsischen Celle gemacht: „Lokale Produkte waren dort das Konzept, das ist der neue Trend! Beim Essen weiß das jeder, bei Getränken kommt das noch.“ Pale Ale plus Whisky lief dort als beliebtes „Herrengedeck“. 

Der gebürtige Engländer hat auch schon in Manchester Erfahrungen mit Craftbier gesammelt: „Die Micro Breweries bieten Bier mit Ecken und Kanten. Das ist Bier mit Charakter!“ Einige der Charaktere hat der Barmann aufgekocht, aus ihnen Sirupe gemacht und mit Cocktail-Rezepten gepaart, die teilweise aus dem 19. Jahrhundert stammen. „Craftbier ist als Filler für jede Spirituose geeignet“, erklärt Hobbs. Die ersten Ideen gingen dann in Richtung Negroni, Manhattan und leichte Sours. Der Versuch, Drinks anstelle von Soda mit Craftbier aufzugießen, ergab würzige Ergebnisse. Lee: „Der Drink wird viel vollmundiger, das Craftbier gibt ihm eine Wucht.“ Mit sahnigen Cocktails verträgt sich das natürlich nicht. Wichtig sei, so das Cocktail-Team im „Walrus“, dass man sich in Tastings unvoreingenommen an die unterschiedlichen Sorten heranwage, auch immer mal etwas Neues probiere, etwa saisonale Ideen wie Winterbier mit Karamell umsetze. Viele Sorten leben vor allem vom Spiel mit dem Hopfen. „Die Vielfalt ist enorm“, findet der Barchef, „vor allem die Aromenentfaltung durch den Hopfen mit seinen teils blumigen Noten, das reizt mich!“

Die Verfügbarkeit von Craftbier war allerdings ein Stolperstein, mit dem Lee noch auf dem Lande zu kämpfen hatte. In Hamburg hingegen laufe die Belieferung zuverlässig, auch dank des eingeschalteten Profi-Partners vom Bierverlag Brausturm. Die Craftbier-Enthusiasten haben es sich zur Aufgabe gemacht, gemeinsam mit anderen Idealisten den deutschen Biermarkt aufzuwirbeln und zu mehr Mut und Innovation zu bewegen. Durch den Vertrieb ausgefallener Bierkreationen unterstützen sie insbesondere Mikrobrauereien darin, neue Wege zu gehen.“ 

Crossover von Craftbier & Cocktail

Die neu erarbeiteten Cocktails im „Walrus“ bauen auf drei Grundbausteinen auf: Sirup + Craftbier + (lokale) Spirituose. „Die Drinks gehen schnell von der Hand und bieten ein komplett neues Geschmackserlebnis“, zeigt sich Lee begeistert. „Damit lassen sich viele Klassiker neu interpretieren, etwa eine...

Gin Sour-Variante
5 cl Blackwood Gin (60 Vol.%)
3 cl frischer Zitronensaft
2 cl Pale Ale Sirup
0,5 cl Altländer Mirabellen-brand Vintage Dry
2 cl Pale Ale Bierschaumkrone

Lee: „Die Schaumkrone hat eine intensive Maracujanote, die geschmacklich hervorragend zu den Fruchtnoten von Gin, Sirup und Mirabellenbrand passt.“

Oder eine High Ball-Variation: 
5 cl Sierra Tequila Plata Antiguo
6 cl Mahrsbräu Zwickel
2 cl Sirup „Konzentrationstee“ 
(selbstgemacht aus Koriander, Zitronenmelisse, Hopfen und Guarana)
Lee: „Süße und Säure sind hier ausgewogen balanciert, Bier ersetzt das Soda im Cocktail, und der spezielle Sirup wirkt belebend.“

Weitere Craftbier-Cocktails aus dem „The Walrus”

Revolutionary Pisco Sour
5,5 cl Barsol Primero-Quebranta-Pisco
3 cl selbstgemachter chilenischer Rotwein-Stout-Sirup mit O`Hara Double Stout
3 cl Limettensaft
1 Eiweiß
1 Dash The Bitter Truth Old Time Aromatic Bitters

Alle Zutaten in den Shaker geben, kräftig shaken, danach dry shake und in ein vorgekühltes Pisco-Glas (oder Sour Glas) abseihen, zu guter Letzt den Bitter über den Drink geben. Lee: „Hier verbindet man in einem Pisco Sour Peru und Chile, die sich beide noch streiten, wer den Pisco Sour erfunden hat. Wir haben jetzt beide Länder in einem Drink zusammengeführt – revolutionär!“

The Cowboy
5 cl Bulleit Rye
1,5 cl Grapefruitsaft
1,5 cl Zitronensaft
2 cl Taylors Tawny Port
1 cl Agavendicksaft
6 cl Pale Ale (Buddelship)
Alle Zutaten (bis auf das Pale Ale) in den Shaker geben, shaken und in ein mit Eiswürfeln gefülltes American Lager Glas geben. Mit Pale Ale auffüllen, und den Drink dann mit einer Grapefruitzeste abspritzen.

Forbidden Fruit
3 cl Mezcal San Cosme
3 cl Altländer Apfelbrand
3 cl Limettensaft
1,5 cl Agaven-Thymian-Sirup
6 cl Ratsherrn Lager Bier
Alle Zutaten (bis auf das Lager) in den Shaker geben, shaken und in ein mit Eiswürfeln gefülltes Lager-Glas abseihen. 
Garnitur: Thymian mit einer Zitronenspirale.

Blood and Stout
2 cl Talisker 10
2 cl Taylors 10 Tawny Port
2 cl Antica Formula
2 cl Alt Bergedorfer Kräuterlikör
2 cl O`Hara Stout-Schaumkrone
Alle Zutaten (bis auf das Stout) in den Shaker geben, shaken und in ein Coupette-Glas doppelt abseihen, dann den Stout-Schaum über den Drink geben. Lee: „Ein schön-schwerer Drink, den wir für 9,80 Euro anbieten.“

Buddelschipp ’n Sand
2 cl Antica Formula
2 cl Taylors Port 10 Jahre
2 cl Alt Bergedorfer Kräuterlikör
2 cl Ardbeg 10
4 cl Buddelship Schwarzbier
Dazu: Karamellisierte Birnenscheibe

 

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