Im Fokus: Der Rechtstipp des Monats

Prof. Dr. jur. Burkhard Boemke

Mit Kündigung kommt Krankmeldung: Zweifel berechtigt? 

Prof. Dr. jur. Burkhard Boemke, Chefredakteur des Urteildienstes „Arbeitsrecht Kompakt“, Bonn (www.arbeitsrechtkompakt.com)

Viele Arbeitgeber kennen das Phänomen: Nachdem einem Arbeitnehmer gekündigt wurde, kommt die AU-(Arbeitsunfähigkeits-)Bescheinigung. Natürlich gibt es den Fall auch umgekehrt: Der Arbeitnehmer kündigt selbst und schickt gleich die Krankmeldung hinterher. Genügt die Nähe zur Krankmeldung schon, um an der AU-Bescheinigung berechtigterweise zu zweifeln? 

Der Fall: Barmanager Hans Heim kündigte, nahm seine persönlichen Gegenstände mit nach Hause und reichte am nächsten Tag ein Attest ein, wonach er bis Ablauf der Kündigungsfrist arbeitsunfähig erkrankt sei. Der Arbeitgeber sprach die außerordentliche Kündigung aus. Die Krankheit sei nur vorgetäuscht.

Das Urteil: Das Hessische Landesarbeitsgericht (LAG) kippte die Kündigung. Der Vortrag sei nicht geeignet, den Beweiswert der AU zu erschüttern. Es erscheine nicht einmal als ungewöhnlich, dass ein Arbeitnehmer nach Übergabe einer ordentlichen Kündigung im Laufe desselben Tages gesundheitliche Störungen erleidet, die zu einer zweiwöchigen Arbeitsunfähigkeit führen. (LAG Hessen, Urteil vom 01.12.2013, Az.: 7 Sa 186/12). Erst wenn weitere Umstände hinzukommen, die an der tatsächlichen Arbeitsunfähigkeit Zweifel hervorrufen, können Sie Maßnahmen ergreifen. 

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