Im Fokus: Food Trends

No Way!

Der Food Report von Hanni Rützler liefert jedes Jahr ein Update der aktuellen Trends. Inzwischen zeigt sich: Wir befinden uns inmitten einer Food-Revolution. Hier kommen die Top Ten der aktuellen No-Gos.

Text: Barbara Becker

 

1. Hauptsache, es schmeckt!

Nein, das ist die Grundvoraussetzung. Essen wandelt sich vom Genussmittel zur Gewissensfrage und zum Politikum. Die Wahl des Restaurants wird zum persönlichen Statement, das nach außen getragen wird, wie das eigene Outfit. Nachhaltig, fair, ökologisch, gesund? Als Gastgeber müssen Sie jetzt Position beziehen.

2. Feste Küchenzeiten!

Sie sorgen für Orientierung und erleichtern das Personalmanagement, passen aber leider nicht mehr zu den aktuellen Ernährungsgewohnheiten. Wer Frühstück, Mittagstisch und Dinner im festgelegten Stundentakt anbietet, den wird bald das Zeitliche segnen.

3. Die Heilige Dreifaltigkeit auf dem Teller ist oberstes Gebot!

Das ist von gestern, denn die Trendsetter essen so etwas höchstens noch bei ihrer Großmutter. Individuelle Kombi- und Sonderwünsche fielen früher in die Kategorie „Running Gag“, jetzt gehört Flexibilität zum Standard.

4. Groß ist gut!

Nein, sofern Sie kein Ausflugslokal im Hinterland sind, sollte das zweite Schnitzel im Kühlhaus bleiben. Die Mini-Mahlzeit (siehe fizzz 9/19) hat ihren Siegeszug angetreten. Sie passt zu den modernen Ernährungsgewohnheiten und ist über jegliche Verschwendung erhaben.

5. Gut verpackt spricht für Hygiene und Transportfreundlichkeit!

Aber ein schlechter Öko-Fußabdruck ist ein Tiefschlag fürs Image – und der gebrandete Verpackungsmüll macht auch noch an der nächsten Straßenecke Negativwerbung für Ihr Lokal.

6. No Veggie!

Sorry, liebe Carnivoren, damit tun Sie auch Ihren fleischliebenden Gästen keinen Gefallen, denn der steigende Anteil an Vegetariern/Veganern innerhalb der ausgehfreudigen Bevölkerung führt dazu, dass Sie bei einer gemischten Truppe nicht mehr erste Wahl sind. Lieber Toleranz zeigen!

7. Exotische Zutaten gegen Fernweh!

Im Zeitalter der Nahversorgung ist die importierte exklusive Pflanze aus Papua-Neuguinea kein Gewinn auf Ihrer Speisenkarte. Die raffinierte internationale Zubereitung regionaler Spezialitäten ist dagegen mehr als o.k.

8. Preisführerschaft als USP!

Wer Warenkostenminimierung als Erfolgsprinzip feiert, bekommt die Gäste, die er verdient – oder gar keine mehr. Denn es wird immer jemanden geben, der qualitativ und preislich noch weiter sinken kann.

9. No Convenience!

Leider nein, denn wer alles just in time selbst macht, ist kalkulatorisch nicht konkurrenzfähig. Kluge Vorproduktion lautet das Zauberwort der erfolgreichen Gastronomie. Mit einem Stern wird es so zwar schwierig, aber ohne zahlungskräftigen Sponsor, der die Defizite ausgleicht, müssen Sie Kompromisse machen.

10. Das ist eine Bar, hier gibt’s nur Flüssignahrung!

Die Beschränkung auf Getränke ist kontraproduktiv. Foodpairing-Angebote und kleine Snacks erhöhen den Durchschnittsbon und die Verweildauer Ihrer Gäste. Mehr trinken können sie dann natürlich auch.