Im Fokus: Im Fokus: Trendguide 2019 / 2

„Fette Wutz“, Mannheim: offene Restaurantküche als Arbeitsplatz und chromblinkender Hingucker
Überdimensionale Porträts, wie hier im New Yorker „Pinch“, geben den Lokalen einen unverwechselbaren Look
„Dots“, Wien: zeitgenössische Kunst verbindet sich mit Kulinarik
Mut zum Griff die Farbbox: das „Made in China“ in Berlin liegt voll im Trend
Urban Jungle formvollendet in der „Bar Botanique“, Amsterdam
„Karacho Café“, Aschaffenburg: Die Gastronomie als Comic-Galerie

Die besten Designs des Jahres

Text: Barbara Becker

Feuer frei für einen mutigen Farb- und Mustermix: Im gastronomischen Interior-Design wird es so bunt wie nie zuvor. Besonders für topaktuelle Ethno-Konzepte wie dem neuen „Made in China“ in Berlin ist der Trend zur Farbexplosion ohne Limit eine perfekte Steilvorlage. Farbe bringt Atmosphäre – die Palette der angesagten Töne ist breit und reicht von Gelb über Rot bis zu Grün in allen Schattierungen und den Farben des Ozeans. Dazu kommen Metalltöne, allen voran Messing und Gold. Die findet man an grazilen Stuhlbeinen, kegelförmigen Tischuntergestellen (Vorsicht Beinfreiheit!) oder in Form von Lampen oder Metallgittern, die zu transparenten Raumteilern werden oder die Wand schmücken. 

Insbesondere an den Wänden gehen die puristischen Zeiten ihrem Ende entgegen: Neonfarbene Leuchtzeichen setzen hier großformatige Statements. Neben Wortspielereien steht die Bildsprache im Mittelpunkt des Wanddesigns. Überdimensionale Porträts wie beispielsweise im New Yorker „Pinch“ wachen über die Gäste. Neben realistischen oder künstlerisch verfremdeten Collagen wie im wilden „Dots“ in Wien feiern auch Comics ein Revival. Im „Karacho Café“ in Aschaffenburg zieht eine die Wand bedeckende Comic-Galerie alle Blicke auf sich. Akzente setzende Alternativen sind fliessende Muster, flächendeckende Motive aus der Flora und Fauna oder großteilige Mosaike in bunten Farben.

Meistens in Form von Bildern, zunehmend aber auch als Skulptur im Raum, veredeln immer häufiger Kunstobjekte das Ambiente. Arbeiten zeitgenössischer und regionaler Künstler verankern das Gastronomieobjekt im Umfeld, wechselnde Ausstellungen bringen Gesprächsstoff und vielleicht die eine oder andere Pressenotiz.

Bei der Gestaltung des Interior-Designs spielt Komfort jetzt eine zentrale Rolle. Herzlich willkommen im Orient Express! Das Licht wird dunkler, die Atmosphäre exklusiver und privater. Die Stühle, Sessel und Sofas der öffentlichen Wohn- oder Esszimmer sind ultrabequem und dick gepolstert. Metallstreben, die dem Schaumstoff Halt geben, liefern den optischen Kontrapunkt. 

Neben markanten Farben setzen Stoffe in Velours und Samt oder mit auffallenden Mustern kräftige Akzente. In Kombination mit üppigen Tapeten und Teppichen wird daraus ein Kaleidoskop der Farben und Formen. Wie leuchtend bunte Blüten reihen sich bunte Sessel an lange Tische oder den Tresen. Glatte Oberflächen aus Marmor oder Metall bilden spannende Kontraste und verstärken den urbanen Bohème-Style. Vintage-Stücke oder -Formen (nicht shabby!) vermitteln das Gefühl, dass es das Lokal an diesem Ort schon immer gegeben hat – ein Stück Heimat für die Arbeitsnomaden der Gegenwart.

Zum neuen legeren Luxus passen edle Hölzer als Bodenbelag, an der Wand, auf dem Tresen oder als Tischplatte. Auch ein Trendsetter aus den 70er-Jahren feiert sein Comeback: Rattan! Die Möbel aus Flechtwerk kommen als filigrane Solisten oder in Material-Kombination mit weichen Polsterelementen und passen perfekt zu den sanften Formen, die den aktuellen Stil prägen. Rattan-Accessoires wie Körbe oder Lampenschirme bringen Abwechslung und Leichtigkeit ins Ambiente. Und Natürlichkeit – ein wachsendes Bedürfnis in einer zunehmend technischen und digital geprägten Welt. 
Dazu passt auch der Interior-Trend Urban Jungle, bei dem das Grünzeug auf dem Teller sein Pendant in der Gestaltung findet. Lebende Wände aus Grünpflanzen oder (viele!) großblättrige Stauden in dekorativen Töpfen bringen Outdoor-Feeling ins Lokal und optimieren das Raumklima. Die grüne Welle setzt sich ganz unparteiisch in sämtlichen Materialien der Gestaltung fort und lässt Gastraum und Terrasse zur optischen Einheit verschmelzen.

Gastronomie soll Spaß machen und wird manchmal sogar zum Spielplatz. Alternative Elemente wie Schaukelsessel oder Sitztreppen – beispielsweise im Streetfood-Court „Kantini“ im Bikini Berlin – strukturieren großflächige Räume und geben Bewegungsfreiheit. 

Doch Dekoration ist nicht alles und manchmal will man ganz nah am Geschehen sein: Die Restaurantküche ist ein Arbeitsplatz, und das darf man z.B. in der BBQ-Location „Fette Wutz“ in Mannheim heute auch sehen. Im neuen Frankfurter Restaurant „Franziska“ können diese Plätze am offenen Küchentresen auch explizit reserviert werden. Hier wird der Hochstuhl zum begehrten Logenplatz, von dem aus man die Zubereitung der Speisen beobachten kann. 

Fazit: Die Gastronomie wird vom „Third place“ immer öfter zum „First place“, und dort soll sich der Gast wohlfühlen. Machen Sie Ihr Lokal zur Komfortzone!

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