Im Fokus: Mehr als eine Rechnung offen

Holger Frey, Geschäftsführer Gansloser Destillerie
Black Gin aus dem Hause Gansloser, Partner des FIZZZ Award 2012 - die Rechnung ist bis heute nicht gezahlt

„Exakt am Extrakt“ sollen die Spirituosen der Gansloser-Destillerie aus Bad Ditzenbach sein. Mit der Bezahlung seiner Rechnungen scheint es Geschäftsführer Holger Frey hingegen nicht so genau zu nehmen.

Das Jahr 2012 war das erfolgreichste in der über hundertjährigen Firmengeschichte der Gansloser Destillerie. Und das Jahr 2013 scheint auch in die Historie einzugehen, denn das Unternehmen macht aktuell Schlagzeilen. Die dürften Holger Frey allerdings weniger gefallen. Denn Anlass der Berichterstattung sind dieses Mal weder Absatzrekorde noch die Güte von Destillaten. Es wird auch nicht die Story eines ehrbaren Handwerksbetriebs in vierter Generation erzählt. Es geht um unbeglichene Rechnungen, um zahlreiche Unternehmen, die angeben, auf ihren Kosten sitzen geblieben zu sein.

Ins Rollen gebracht hat das Ganze Leonhard Fromm, ein ehemaliger Wirtschaftsredakteur und heute Besitzer einer erfolgreichen PR-Agentur. In seinem Blog unter www.leonhard-fromm.de berichtete er am 29. Mai über das Ranking seiner Agentur in einem deutschlandweiten Vergleich. Ein unauffälliger Eintrag – auf den ersten Blick. Denn fast beiläufig erwähnt er im letzten Drittel des Eintrags, dass das Ranking noch besser ausgefallen wäre, wenn ein ehemaliger Kunde seine Rechnungen über 20.000 Euro beglichen hätte: die Gansloser Destillerie, namentlich Holger Johann Georg Frey. Doch damit nicht genug. Fromm schreibt weiter: „Heute weiß ich, dass er dutzende Unternehmer wie mich getäuscht hat, seine Destillate teils aus Frankreich billig zugekauft und umetikettiert sind, und er vielen Menschen insgesamt hunderttausende Euro schuldet. Ein Scharlatan, dem offenbar niemand das Handwerk legt.“ 

Die Reaktionen kamen prompt. Von Seiten Gansloser in Form einer Unterlassungserklärung. Von Seiten anderer Geschädigter in Form von fast täglichen Anrufen, wie Fromm am 3. Juni in einem weiteren Blog-Eintrag berichtet. Und es melden sich auch Brennerkollegen; Hubertus Vallendar schreibt in Fromms Blog einen Kommentar: „Herr Frey glaubt immer noch, sich mit Anwälten den Weg zu bahnen, um ein erfolgreicher Brenner zu sein. Zudem vertraut er auf viele Kollegen bei der Herstellung seiner Produkte. Ein Umstand, den man durchaus als „bauernschlau“ bezeichnen könnte. Dies alles hat mit einem Berufsethos nichts mehr zu tun und auch mir hat Herr Frey schon massiv gedroht mit seinen Anwälten, weil ich geäußert habe, dass er die Unwahrheit sagt.“

Laut Fromms Recherchen geht es mittlerweile um mehrere Hunderttausend Euro, die Frey nicht beglichen haben soll. Aber warum wird dies erst jetzt publik? Der PR-Berater vermutet dahinter folgendes Verhaltensmuster: „Dass er meist offenbar Beträge bis 2000 Euro anstandslos zahlt. Werden es dann 5000 Euro, die offen sind, liefert der Einzelne weiter, im Glauben, auch diese Rechnung werde bald bezahlt. Dann liegen die Außenstände rasch bei 10.000 Euro und mehr und Frey rechtfertigt sich damit, dass seine Buchhaltung extern gemacht werde, weswegen gewisse Sicherheiten gefordert sind, die wahlweise eine detailliertere, neue Rechnung erfordern, einen Vertrag (den er dann nicht unterschreibt) oder ein detailliertes Leistungsverzeichnis.“

Je mehr Geschädigte sich melden, desto interessanter wird die Story für die Medien. Zudem nutzt Leonhard Fromm – PR-Profi durch und durch – seine Medienkontakte, um verschiedene Zeitungen und Zeitschriften aktiv auf die Geschehnisse hinzuweisen. Die Stuttgarter Nachrichten berichten am 9. Juni unter der Überschrift „Schwere Vorwürfe gegen Edel-Destillerie“. Zu Wort kommt in dem Beitrag auch Enrico Müller, der eine Zeitlang die PR-Arbeit für Gansloser verrichtet hat. Ihm zufolge soll Gansloser den „Black Gin“ aus der Nähe von Dortmund beziehen, also nicht selber herstellen. Die Destillerie wehrt sich gegen die Vorwürfe. „Nichts davon ist wahr“, wird Holger Frey in dem Zeitungsbeitrag zitiert. Frey gehe davon aus, dass ein ehemaliger Mitarbeiter des Unternehmens, der fristlos entlassen worden sei, hinter der Kampagne stecke.

Leonhard Fromm kontaktiert auch die FIZZZ-Redaktion. Vielleicht weil er aus seiner früheren Tätigkeit für Gansloser weiß, dass es Geschäftsbeziehungen zwischen der Destillerie und dem herausgebenden Meininger Verlag gab. Holger Frey hat im Jahr 2012 seinen Black Gin in mehreren Anzeigen im Magazin FIZZZ beworben. Zudem nahm er als Sponsor bei der Branchenpreisverleihung FIZZZ Award im Mai 2012 teil. Die Rechnungen in Gesamthöhe von 18.611,60 Euro sind bis heute nicht beglichen. Die Sache liegt jetzt beim Inkassobüro.

Kommentare

Liebe FIZZ-Redaktion,

trifft es zu, dass Sie ein zugesagtes und gebuchtes Unternehmensportrait der Gansloser Destillerie nicht veröffentlicht haben und daher die Rechnung nicht bezahlt wurde?

Besten Gruß,
Markus Bartha

Lieber Herr Bartha,

Erstens: Das trifft nicht zu. Es wurde zu keiner Zeit ein Portrait über Gansloser gebucht beziehungsweise zugesagt 

Aber: Trifft es zu, dass Sie für die PR-Arbeit für Gansloser verantwortlich sind?

Zweitens: FIZZZ schreibt man mit drei "Z" ;-)

Besten Gruß,
Alexander Thürer
Redaktion FIZZZ

Sehr geehrter Herr Thürer

vielen Dank für Ihre Belehrung. FIZZZ - natürlich. Es ist schon irritierend: die Gansloser Destillerie bestätigte mir, dass Sie - also FIZZZ - im Rahmen von Anzeigenschaltungen auch ein Unternehmensportrait zugesagt haben, dieses aber nicht eingehalten haben.

Dann sollte man sich im Nachhinein nicht wundern, dass ein Teilbetrag nicht bezahlt wird. Auch Sie müssen Leistungen bringen.

Herzlich,
Ihr Medienberater Markus Bartha

P.S. Erfolgreich dürfen Sie bei dem von Ihnen zitierten Kollegen ruhig streichen.

Sehr geehrter Herr Medienberater Bartha,

die Gansloser Destillerie hat Ihnen bestätigt, dass FIZZZ dem Unternehmen ein Portrait im Magazin zugesagt hat? Interessant...

Dann wird Ihr Kunde (!) Gansloser ja sicherlich Unterlagen haben, die dies belegen können, oder? Bitte melden Sie sich erst wieder, wenn Sie statt abwegiger Behauptungen Fakten vorweisen können.  

Viel Spaß bei der Suche

Benjamin Brouer
Redaktion FIZZZ

 

 

 

...wer einmal,im Büro in Auendorf war, weiß, dass dort größte Unordnung herrscht...viel Spass beim Unterlagen suchen. Leider gehören wir auch zu den Geschädigten, und genau so, wie es hier beschrieben wurde, erging es uns auch! Mist verdammter, wie konnten wir nur darauf reinfallen......
Viele Grüße
Ralf Hokenmaier
GF der Werbeagentur Projekt E aus Bad Boll

Heute meldet sich mit der Mixology ein weiteres Fachmedium, das nach eigener Aussage auf ihren Rechnungen sitzen geblieben ist. Was nun, Herr Bartha? Da ist doch mal ein Medienberater gefragt, oder?

http://mixology.eu/aktuelles/shots/shots-83-genuss-in-deutschland-jahrgangs-champagner-fertigware-lugen-und-betrugen/

Meinten Sie den Error 404 zu dem Ihr Link führt?

Der Link funktioniert einwandfrei. Der Fehler liegt wohl bei Ihnen... versuchen Sie es doch nochmal :-)

I never heard about a brand of this name. Maybe its because I haven’t been into Gin. Anyways, the news was really shocking and I think its true what we hear about the distilleries these days. Its really pathetic.
http://www.googlechromesupportnow.com

This is wonderful information you shared. keep posting. http://www.eliteduilawyers.com/

Neuen Kommentar schreiben