Im Fokus: So gelingt Innovation!

So gelingt Innovation!

Neues schaffen!

Wie heißt es so treffend: „Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.“ Doch wie schafft man es, zwischen den alltäglichen Aufgaben die Augen offen zu halten für neue Ideen? Wie funktioniert Innovation? Wir haben drei Experten um ihre Tipps gebeten.
Interviews: Jan-Peter Wulf

 

 

 

 

„Zur Innovation wird eine Idee, wenn sie erfolgreich bei den Gästen angekommen ist.“
Stephan Hinz, Köln
Preisgekrönter Bartender, Gastronom und Consulter www.cocktailkunst.de

Häufig fehlt es am Verständnis dafür, wann eine Idee in welchen Rahmen passt und umsetzbar ist. Unsere Aufgabe ist es, im Gespräch mit dem Gastronomen herauszufinden, ob es sich lohnt, sie langfristig zu verfolgen und welche Schritte notwendig sind, um vom jetzigen Betrieb Stück für Stück zum angestrebten Ziel zu gelangen. Qualität muss nicht innovativ sein. Aber: Wenn man gute Lösungen findet und langfristig überragende Qualität liefert, werden die Methoden früher oder später auch von anderen Betrieben übernommen. So entstehen manchmal ganz unabsichtlich Innovationen. Mit kurzfristigen Trends haben Innovationen meist überhaupt nichts zu tun. Sie überzeugen durch langfristige Ergebnisse, Trends zielen auf den bloßen Effekt ab.

Das Gesamtbild muss stimmen: Es ist kaum möglich, in einem gastronomischen Betrieb nur einen Aspekt von vielen erfolgreich zu verändern. Möchte eine Kneipe zusätzlich Cocktails anbieten, bringt es nichts, nur die Getränkekarte zu erweitern und das Personal zu schulen. Aus einer Schanktheke kann man nicht einfach eine Cocktailstation machen. Hier müssen Aspekte wie geänderte Müllentsorgung, Bevorratung, Arbeitsergonomie usw. bedacht werden. Inspiration kommt in jeder Branche aus Bereichen außerhalb der eigenen Nische: Wenn man sich immer nur in seinem eigenen Sektor umsieht, dreht sich die Szene nur noch um sich selbst. Für die Eigenkreationen in meiner Bar „Little Link“ haben wir zum Beispiel viele Ideen aus der Parfümerie oder Küche übernommen. Genauso kann die Idee für ein neues Getränk aber ein bestimmtes Design oder eine gelungene Geschichte sein. Ein Gespräch mit einem Architekten oder einem Sportler kann mich als Bartender dabei zum Beispiel weiter bringen, als immer nur die gleichen Konzepte zu variieren. Im Consulting geht es deshalb oft darum, dem Kunden eine neue Perspektive auf seinen Betrieb zu zeigen und vorhandene Alleinstellungsmerkmale auszubauen.

 

 

„Zuhören, anschauen, ausprobieren, Spaß an Veränderungen und neuen Dingen haben: das Erfolgsrezept für neue Ideen.“
Eva-Miriam Bliem-Gerstner, Berlin
Beraterin für Hotel, Tourismus und Gastronomie www.buero-gerstner.com

Neue Ideen generiert man, indem man mit offenen Augen unterwegs ist, ob in der eigenen Stadt, in anderen Städten und Ländern. Man muss sich (fort)bilden: Magazine und Zeitungen aller Branchen lesen, Trends verfolgen, Wettbewerber anschauen, Vorbilder suchen, Netzwerke knüpfen, Messen besuchen, mit Menschen sprechen. Die Hotel- und Gastrobranche vereint so viele unterschiedliche Bereiche, da kann man aus dem Vollen schöpfen: Architektur und Design, Inneneinrichtung und Lifestyle, Essen und Trinken, Mode und Musik, Kunst und Kultur, Dienstleistung und Handwerk – die Liste ist unendlich fortzuführen.

Warum dann nicht dort überall nachschauen, wie die Dinge funktionieren, was dort gerade neu und angesagt ist, und wie in diesen Bereichen mit Problemen umgegangen wird? Lassen Sie sich konstruktive Kritik und sinnvolle Anmerkungen durch den Kopf gehen. Denken Sie intensiv darüber nach, kombinieren Sie sie mit Erfahrungswerten, holen Sie sich eventuell Rat von einem Experten mit ins Boot – und starten Sie dann den Innovationsprozess. Die Idee muss passend für die Unternehmung gemacht werden – oder die Unternehmung muss passend gemacht werden für die Idee. Beides ist viel Arbeit auf dem Papier und hinter den Kulissen. Probleme müssen aufgezeigt, Schwächen in Stärken umgewandelt und Zweifler aus den eigenen Reihen zu Mitstreitern gemacht werden. Die Teams müssen an die neuen Aufgaben herangeführt und Mitarbeiter geschult werden. Die Innovation muss erklärt und auch ihre Hintergründe müssen verständlich gemacht werden: Alle müssen an einem Strang ziehen. Je größer der Betrieb ist, desto öfter muss manchmal die Urspungs-Innovation nochmals verbessert, angepasst oder korrigiert werden, da die Arbeitsabläufe in der Praxis teils doch anders funktionieren als auf dem Papier dargestellt. Innovationen sind desto einfacher und schneller eingeführt, je kleiner das Team ist und je flexibler es handeln kann.

 

„Wir haben den ausgeprägten Wunsch, Neues zu schaffen. Der Verlust der Neugier wäre das Ende unserer Leidenschaften.“
Roland Koch, Bremen
Multi-Gastronom und Präsident des „Leaders Club Germany“ www.gastroconsulting.de

Wenn nichts Neues passiert, liegt es oft an den Menschen, die das zu verantworten haben. Es gibt eben Menschen, die offener für Innovationen sind und die, die sagen „das haben wir schon immer so gemacht“. Dann bremsen die sogenannten „versteckten Innovationsbarrieren“ die Einführung von neuen Ideen, Produkten oder Dienstleistungen. Um Innovation positiv voranzutreiben, müssen alle Abteilungen und Fachbereiche offen für Innovation und Veränderung sein. Grundsätzlich halten wir nicht allzu viel von Incentives oder Arbeitsgruppen zum Thema Innovation nach dem Motto: „Jetzt denken wir mal drei Tage über Innovation nach und danach nicht mehr.“

Vielmehr sind Mitdenken und damit auch mögliche Innovationen fest in unserer Unternehmenskultur verankert. In unseren Werten und Prinzipien, die jedem Mitarbeiter vom Spüler bis zum Geschäftsführer bekannt sind, werden ausdrücklich alle Teammitglieder zum Mitdenken und Mithandeln aufgefordert. Wir binden unsere Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse mit ein. Sie geben konstruktive Rückmeldung an uns und sparen nicht mit Anregungen oder Kritik. Wer partout nicht mitdenken, sondern nur abarbeiten will, gehört nicht in unser Team. Wir betreiben Trendforschung und –management und konnten hieraus auch einige Innovationen für unsere Unternehmensgruppe ableiten und implementieren. Allerdings gibt es auch Trends, die für unsere Konzepte gänzlich irrelevant sind. Innovationen können auch völlig trendunabhängig sein. Wir wollen langfristig überlegene Ergebnisse. Sinnvolles Wachsen, initiiert und begleitet von guten Köpfen, Ideen und Gelegenheiten, ist das, was uns erfolgreich macht. Die meisten Newcomer rennen mit ihrer Idee los, ohne nachzudenken und die Risiken zu begrenzen. Die Wichtigkeit einer professionellen Finanzverwaltung oder auch juristischen Beratung wird zum Beispiel nicht erkannt. Daher überleben leider viele neue Betriebe die ersten Jahre nicht. So gibt es viele Ideen, von denen man leider nie etwas erfährt. Mit der „Leaders Club Concepts GmbH“ fördern wir den gastronomischen Nachwuchs und Innovation in der Branche durch Beratung und Finanzierung marktfähiger Startups.

 


Quick-Check: Fünf Innovations-Tipps unserer Experten

1. Inspiration gibt es überall, auch und gerade außerhalb der eigenen Branche.

2. Innovation ist nicht gleich Trend.

3. Innovation ist ein fortwährender Beobachtungs- und Implementierungsprozess.

4. Mitarbeiter müssen integriert, überzeugt und dazu aufgefordert werden, Ideen zu entwickeln.

5. Innovationen müssen auf ihre Tauglichkeit für den Betrieb und ggfs. auf die Betriebsgröße angepasst werden.


 

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