Im Fokus: Thürer´s Choice

Thürer´s Choice

BOOZE CHECK

Alexander Thürer, Spirituosen-Experte der fizzz, präsentiert seine „Favourite Spirits“. Dieses Mal im Fokus: Neues aus dem Schnapsregal. Was es diesmal in die Auswahl geschafft hat? Ein bisschen destillierter Wein, ein Totgeglaubter, eine Melassebombe, zwei Raucher und ein selbsbewusster Ami. Na, schon gespannt?


Revolte Rum, 41,5 Vol. %

Zugegeben, die Größe der deutschen Zuckerrohrplantagen bewegt sich eher in der Dimension eines Blumenkastens. Angesichts des immer gefragteren Rums musste es aber einfach irgendwann dazu kommen, dass jemand mit einem deutschen Rum um die Ecke kommt. Aber warum auch nicht, hat es doch schon abstrusere Ideen gegeben als das Zusammenführen von deutscher Brennkunst und importierter Melasse. Dass diese Idee sogar ziemlich gut ist, beweist nun der weiße Revolte Rum aus Westhofen bei Worms. Schon in der Nase ist er irre spannend. Enorm fruchtig, etwas Banane, mit einer begleitenden Note, die an Schwarztee und etwas Tabak erinnert. Im Mund tritt das etwas zurück, es wird weicher, die Früchte etwas reifer und der Alkohol kommt am Ende doch noch mal aus der Ecke. Macht aber nix, das gehört so! Fazit: Da könnte sich manch klassischer Rum eine Scheibe abschneiden.

www.facebook.com/revolterum


Birds Weissbrand, 42,2 Vol. %

Ich besitze zwar keinen Ohrensessel und auch keinen Kamin, Weinbrände mag ich aber trotzdem ganz gern. Und noch lieber mag ich sie, wenn sie sich so gar nicht in alte Raster pressen lassen wollen. So wie der Birds, ein Destillat aus Riesling von der Mosel, gepimpt mit 12 Botanicals aus aller Welt. Mehr verrät die Flasche nicht. Klar wird nur: Ein Eau-de-Vie ist das nicht, und eine Deklarierung als Gin fällt auch aus. Egal, muss ja nicht immer alles in Schubladen passen. Aber schmecken muss es – und das tut es.

Fruchtige Orange, etwas Nelke, leicht pfeffrig, viel Anis, leichte Süße, etwas krautig und leicht bitterer Abgang – insgesamt erinnert mich der Stoff irgendwie an Weihnachten. Als Gin-Alternative im Fizz dreht der sich aber rund ums Jahr. Probierenswert!

www.birds-weissbrand.de


Eagle Rare Kentucky Straight Bourbon, 45 Vol. %

Ich gebe zu, lange Zeit stand ich Bourbons eher skeptisch gegenüber. Zu übel waren die Erinnerungen an die mit Billigcola und noch billigerem US-Fusel begangenen Jugendsünden. Damals waren eben andere Dinge wichtig (Hust). Aber man wird ja nie zu alt, seine Meinung zu ändern, und was aktuell an neuen Bourbons zu uns schwappt, ist aller Ehren wert. Zu diesen Weltbildzurechtrückern zählt auch der Eagle Rare, gerade auch deshalb, weil er preislich Bodenhaftung beweist – und das trotz seiner zehn Jahre auf dem Buckel.

Kraftvoll mit viel Karamell, etwas krautig, angenehm süß und eine Spur Rauch und Eichenholz im Abgang – Kentucky rockt! Und das nicht nur pur. Einen Eagle Rare Sour als Starter, und man könnte glatt vergessen, dass es noch was anderes als Bourbon-Drinks gibt.

www.eaglerare.com


Benromach 15 Years Old, 43 Vol. %

Alle, die es schick finden, über NAS- oder Flavour-Led-Whiskys zu maulen, dürfte bei dem Wort Benromach ein verklärtes Lächeln über das gramzerfurchte Gesicht huschen. Mittlerweile ist es nämlich eher selten geworden, einen neuen Schotten am Markt zu begrüßen, der noch ordentlich Alter mitbringt. Anders Benromach, dieser Fahnenhochhalter aus der Speyside, der seinem Kernprodukt, dem 10-Jährigen, nun einen ebenso sanft getorften wie gelungenen 15er hinterherschiebt.

Selten habe ich einen derart ausgewogenen und tiefgängigen Dram im Glas gehabt. Leichter Rauch – immerhin nicht gerade alltäglich in dieser Region – etwas Vanille, Karamell, Beerenfrüchte, schöne Süße, eine feine Sherrynote… kurz: ein fabelhafter Whisky, der zeigt, dass es auch mit Alter noch funktioniert. Als All-Day-Dram aber fast zu schade.

www.benromach.com


Tesla Sljivo, 42 Vol. %

Ach ja, der Sliwowitz. Ende der Achtziger stieß ich zum ersten Mal auf ihn, damals noch im ehemaligen Jugoslawien, und die lustigen Gesellschaften, die den Pflaumenbrand auf Dampferfahrten in der prallen Mittelmeersonne in sich hineinschaukelten, waren eben genau das: verdammt lustig. Lange nichts mehr von dir gehört, alter Knabe. Lag wohl an deinem miesen Ruf hierzulande. Mit dem soll jetzt aber Schluss sein, denn Boris und Josie Markic sowie Christian Kunz haben dem Sliwowitz zusammen mit der Frankfurter Bargröße Branimir Hrkac neues Leben eingehaucht.

Und was für welches! Die pralle Zwetschge springt regelrecht aus dem Glas und hat zudem noch dezenten Zimt im Gepäck. Das macht Lust auf mehr – und auch im Mund geht der Spaß weiter: viel Pflaume, etwas bitter-süß und ein ordentlicher Bumms von den 42 Prozent. Ein starkes Comeback eines Totgeglaubten!

www.teslasljivo.com


Octomore 07.3, 63 Vol. %

Wahrscheinlich werden mir jetzt nicht wenige Barmanager den Vogel zeigen, immerhin kostet ein Fläschchen des neuen Octomore stolze 220 Euro. Aber was soll’s, manchmal heißt es: „Augen zu und durch“. Der Stoff, für den ich mich hier so weit aus dem Fenster lehne, ist aber auch ein echter Kracher – zumindest für Leute, die darauf stehen, ihre Geschmacksknospen ab und zu mal backpfeifenmäßig aufzumischen. Zwar ist der monströs gepeatete, 5-jährige Whisky in erster Linie genau das: ein Glas voll Torf mit echtem „Hallo-Wach-Effekt“. Doch dahinter verbirgt sich ein unerwartet breites Aromenspektrum.

Salzig-süß, trotz seiner 63 Prozent verhältnismäßig sanft im Mund, etwas fruchtig-malzig, leicht holzig und mit viel Rauch hinten raus – sicherlich nicht Everybody’s Darling, für mich aber eine der spannendsten Neuheiten.

www.bruichladdich.com


 

Über Thürer´s Choice:

Unser Spirituosen-Experte Alexander Thürer präsentiert in dieser Rubrik seine persönlichen "Favourite Spirits". Seine Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellt überdies kein Ranking dar. Für die Aufnahme in diese Auswahl ist kein Geld geflossen.

Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an thuerer@fizzz.de!

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