Im Fokus: Thürer´s Choice

Thürer's Choice: R(h)um Check

Sechs Rums... die Sie kennen sollten!

Alexander Thürer, Spirituosen-Experte der fizzz, präsentiert seine Favourite Spirits. In dieser Ausgabe: Sipping Rums

Rum wird auf der ganzen Welt produziert, von Neufundland bis zu den Philippinen. Und dort, wo kein Zuckerrohr wächst, greift man auf importierte Melasse zurück. All das macht den naturgemäß sehr heterogenen, aber auch sehr unübersichtlichen Rum-Markt noch unüberschaubarer. Doch keine Sorge, mit diesen sechs ausgewählten Rums sind Sie auf der sicheren Seite.

 


 

Plantation St. Lucia 2003 Old Reserve, St. Lucia, 43. Vol. %

 

Lust auf was Spezielleres mit ordentlicher Kante? Dann hätte ich hier was! Von St. Lucia, der kleinen Insel südlich von Martinique, kommen zwar eher wenige Rums zu uns, doch dank der Plantation-Serie von Cognac Ferrand hat es diese Perle doch noch über den Teich geschafft. Auf St. Lucia aus diversen Pot-Still- und einem kleinen Teil Column-Still-Destillaten geblendet und vorgereift, wird er erst – wie alle Plantation-Rums – in Frankreich in Limousin-Eichenfässern von Cognac Ferrand vollendet. Das alles verleiht ihm ein kraftvolles, beeriges, leicht blumiges Bukett mit Aromen von Vanille, etwas Aprikose und Gewürzen. Und im Mund zeigt er richtig Charakter, ohne dabei unharmonisch zu sein. Ein wenig Tabak, exotisch fruchtig, etwas nussig, wenig Süße, ein Hauch Vanille und Röstaromen… Für alle, die es nicht so glattgebügelt wollen, eine echte Bereicherung!
www.cognacferrand.com


 

El Dorado 15 years Old, Guyana, 43 Vol. %

Wer schwere Rums mag, der wird irgendwann unweigerlich den Demerara-Rums verfallen. Zwar gibt es nur noch eine einzige Destille in Guyana, der Heimat dieses Rum-Stils, aber die Eigentümer, die Demerara Distillers Ltd, haben es immerhin verstanden, sich von den geschlossenen Konkurrenten die besten Anlagen unter den Nagel zu reißen. Daher finden sich hier u.a. noch alte, fast in Vergessenheit geratene, hölzerne Pot- und Coffey-Stills. Klar, dass diese Brennerei dann auch die unterschiedlichsten Rums hervorbringt, doch der El Dorado, der aus eben diesen letzten Stills ihrer Art stammt, kann ohne Zweifel als eines der Aushängeschilder bezeichnet werden, und das nicht nur, weil auf die Altersangabe von 15 Jahren hier Verlass ist. Schon in der Nase lockt er mit kandierter Frucht, Vanille und dunkler Schokolade, und im Mund schleudert er einem eine selten erlebte Aromenvielfalt entgegen. Angenehme Honigsüße, würzig, rund, etwas Eichenholz, trockene Früchte… was für ein Kracher!
www.haromex.com. www.theeldoradorum.com


 

Dos Maderas PX 5 + 5, Barbados, Guyana, Spanien, 40 Vol. % 

Von allem das Beste ist gerade gut genug! Aber keine Sorge, ich bin jetzt nicht etwa zum Snob mutiert. Dieser Satz schießt mir nur sofort in den Kopf, wenn ich an diesen Rum von Williams & Humbert denke. Richtig gehört, das berühmte spanische Brandy- und Sherry-Haus produziert auch Rums – und was für welche. Die Basis dieses Blends bilden Destillate aus Barbados und Guyana, wo sie die ersten fünf Jahre reifen. Danach geht es rüber nach Jerez, wo der Rum für drei Jahre in Palo-Cortado-Sherry- und zwei weitere Jahre in Pedro-Ximenez-Fässern vollendet wird. Das klingt schon richtig klasse, aber das, was am Ende bernsteinfarben ins Glas wandert, kann die Erwartungen fast noch toppen. Leichtem Karamell, angenehmer Honigsüße und natürlich Sherry folgen beim Trinken eine angenehme Würze, sanfte Röstaromen, gehaltvolle Sherry-Fassnoten und eine exotische Fruchtigkeit. Ein echter Volltreffer!
www.haromex.com, www.bodegas-williams-humbert.com


 

Appleton Estate Signature Blend, Jamaika, 40 Vol. %

Ach ja, Jamaika. Die Rum-Insel schlechthin! Selbst wer sich noch nie damit beschäftigt hat, wird Jamaika irgendwie mit Rum in Verbindung bringen. Und mit Gras rauchenden Rastafaris vielleicht. Behält man diese Gesellen im Kopf, so überrascht es wenig, dass jamaikanische Rums als eher schwer und körperreich gelten. Nun ist manch Einsteiger mit diesem Rumstil vielleicht erstmal überfordert. Zu schwer, zu komplex, nicht süß genug. Aber wer sich mal langsam an diese Materie und an die besseren Qualitäten jenseits des Rum & Coke herantasten möchte, der ist hier genau richtig. Preislich fair und klar unter 20 Euro öffnet der leicht süße, vanillige und ursprünglich als V/X bekannte Signature Blend mit klaren Melasse- und Trockenfruchtaromen eine Tür in die Welt der Heavy-Bodied-Rums, ohne einem gleich die Beine wegzutreten. Und wer ihn am Ende doch lieber in seine Coke kippen will, kann das ohne schlechtes Gewissen tun. 
www.campari-deutschland.comwww.appletonestate.com


 

Brugal 1888 Gran Reserva Familiar, Dominikanische Republik, 40 Vol. %

Ich hätte nie gedacht, einmal ein Fan der DomRep zu werden. Um die dortigen Pauschalreisebunker würde ich allerdings immer noch einen Bogen machen. Um die ansässigen Destillerien hingegen eher nicht, die mir als ein umso lohnenderes Ziel erscheinen. Wer die weite Reise jedoch scheut, der kann auch erstmal auf einen gustatorischen Trip gehen, z.B. mit dem Brugal 1888, einem exquisiten, aber dennoch bezahlbaren Jahrgangsrum, der 6 bis 8 Jahre in Ex-Bourbon-Fässern aus amerikanischer Weißeiche und 2 bis 4 Jahre in Ex-Sherry-Fässern lagert. In meinem Falle landete der 2010er im Glas, ein angenehm runder, karamelliger, aber dennoch würziger Rum mit Noten von getoastetem Holz, dunkler Schokolade und Toffee. Wunderbar für Leute, die es gerne etwas sanfter und doch charakterstark mögen.
www.beamsuntory.dewww.brugal-rum.com


 

Ron Barceló Premium Blend 30 Aniversario, Dominikanische Republik, 43 Vol. %

Weil es gerade so schön ist, bleiben wir doch einfach noch ein Weilchen. In der DomRep gibt es nämlich noch mehr zu entdecken, so etwa die Rums von Barceló, die sich schon bei der Herstellung von anderen Marken abheben, denn sie basieren nicht auf Melasse, sondern auf fermentiertem Zuckerrohrsaft. Und weil das ein besonderes Aroma verspricht, schöpfen wir mal aus den Vollen. Sicher, der Barceló Imperial für rund 30 Euro ist auch ein Guter, aber der Premium-Blend 30 Aniversario (nicht von der fetten 30 auf dem Etikett verwirren lassen, die verwendeten Rums lagen „lediglich“ 12 Jahre im Fass) für einen guten Hunderter mehr ist einfach eine Wucht. Nur die besten alten Imperial-Sorten schaffen es in diese Sonderabfüllung, die zum 30-jährigen Jubiläum des Barceló Imperial herausgebracht wurde. Weitere Besonderheit: er wird in Bordeauxfässern des Chateau d’Yquem gefinisht. All das verleiht ihm eine feine, karamellige Süße, einen vollen Körper und komplexe Noten von Vanille, getrockneten Früchten, etwas Holz und Würze sowie einen langen, geschmeidigen Nachklang. Versprechen eingelöst!
www.schwarze-schlichte.dewww.ron-barcelo.de


Über Thürer´s Choice:

Unser Spirituosen-Experte Alexander Thürer präsentiert in dieser Rubrik seine persönlichen "Favourite Spirits". Seine Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellt überdies kein Ranking dar. Für die Aufnahme in diese Auswahl ist kein Geld geflossen.

Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an thuerer@fizzz.de!

Kommentare

Gäääähnnnnn,
nichts anderes gefunden......
Da lohnt das Lesen nicht.

Alles Geschmackssache... 

Einige Marken kannte ich schon, aber der Rum aus Jamaika klingt schon beim Lesen umwerfend. Werden wir sicherlich mal probieren. Mein Freund mischt beim Backen auch lieber hochwertigen Rum in Teig als diesen Inländer. Mal sehen, wie der eine schmeckt, bin schon gespannt.

Wenn Sie ihn probiert haben, verraten Sie mir gerne Ihre Meinung dazu. Ist auf jeden Fall ein guter Allrounder. LG

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