Interview: „The Ardmore will sich neu positionieren“

Alistair Longwell, Distillery Manager bei The Ardmore
Die Destillerie in den schottischen Highlands bewahrt ihr traditionelles Herstellungsverfahren seit ihrer Gründung 1898 und trocknet ihre Gerste ausschließlich mit eigenem Highland Torf
The Ardmore Legacy ist das neue Kernstück der Marke The Ardmore

Alistair Longwell, Distillery Manager bei The Ardmore, über die Rolle der Marke im Single-Malt-Markt, die neue Qualität The Ardmore Legacy, Zukunftspläne und was es mit Ardlair auf sich hat.

fizzz: Die meisten Single Malt-Marken bieten eine Reihe von unterschiedlichen Whiskys an. Allerdings gibt es auf dem deutschen Markt nur einen einzigen von The Ardmore. Warum?

Longwell: The Ardmore Legacy ist das neue Kernstück der Marke The Ardmore. Die Marke will sich neu positionieren und weniger Kenner als vielmehr Whisky-Entdecker ansprechen, die in die Welt torfig-rauchiger Malt Whiskys einsteigen wollen. Aufgabe von The Ardmore Legacy ist es dabei, The Ardmore als eine Kernmarke innerhalb der Single Malt-Kategorie zu etablieren.

fizzz: Wenn der Konsument also mit dem Ardmore Legacy die Welt der torfigen Whiskys entdeckt, muss er dann anschließend nicht zwangsläufig zu einer anderen Marke wechseln, da es aktuell ja nur diese eine Qualität zu kaufen gibt?

Longwell: Generell probieren sich Konsumenten durch das Angebot verschiedener Single Malt Marken, je nach Geschmack, Anlass und Bedürfnis. Mit dem Single Malt Angebot von Beam Suntory gibt es vier unterschiedliche Marken, die die Konsumenten – egal, ob es sich dabei um Neueinsteiger oder Kenner handelt – mit auf eine Reise des torfigen Geschmacks nehmen können: vom leicht torfigen The Ardmore und der einzigartigen Milde des Connemara, bis hin zu dem perfekt abgestimmten Bowmore und dem stark torfigen Laphroaig. 

Ab 2015 wird The Ardmore außerdem eine Reihe von neuen Qualitäten auf den Markt bringen, die es den Käufern ermöglichen, weitere Nuancen von The Ardmore kennen zu lernen.

fizzz: Der neue The Ardmore Legacy ersetzt nun seinen Vorgänger, den Traditional Cask. Welche Geschichte steckt hinter dieser Veränderung? Und was ist der Unterschied zwischen dem The Ardmore Legacy und dem Traditional Cask?

The Ardmore Legacy ist eine besondere Vermählung aus separat gereiftem torfigen Ardmore und nicht torfigem Ardlair. Durch dieses Zusammenspiel entsteht ein süßlich-torfiger Highland Malt Whisky, der einen vollmundigen, aber leicht zugänglichen Einstieg in die Gruppe der torfigen Single Malt Whiskys bietet.

Einige werden sich jetzt fragen, was ist Ardlair? Im Jahr 2000 kam es in dem mit Kohle befeuerten Ardmore Still House zu einem Brand. Daher entschieden wir uns für eine sicherere Methode der indirekten Befeuerung (die EU-Gesetzgebung hatte uns ohnehin dazu verpflichtet, dies bis zum Jahre 2006 zu tun). Bevor die Befeuerung mittels Kohle gänzlich abgeschafft wurde, stellten wir während einer sechsmonatigen Testphase sicher, dass wir die durch direkte Befeuerung erzeugte Qualität der Whiskys nachbilden und beibehalten können.

Zwei der The Ardmore Pot Stills (ein Wash und ein Spirit) waren mit einem Dampfkessel verbunden und Experimente wurden mittels eines „heißen“ und eines zweiten kühlenden Kondensators (auch bekannt als „Unterkühler“) durchgeführt. Diese Kombination eines zusätzlichen Kupferkontakts mit einem innovativen Kondensatorsystem bildete die Kupfererosion nach, die normalerweise in den unteren Regionen der Pot Stills, welche den direkten Flammen ausgesetzt waren, entstand. Dabei wurde sichergestellt, dass die Qualität der Whiskys auch bei indirekter Befeuerung erhalten bleibt.

Eigentlich war das Projekt für eine Dauer von sechs Monaten angesetzt, jedoch kamen wir schon nach viereinhalb Monaten zu einer effizienten Lösung. Dies erlaubte die Frage, welche weiteren Experimente wir in den sechs verbleibenden Wochen durchführen könnten.

Die Antwort darauf war, zum ersten Mal puren (nicht torfigen) Malt in der The Ardmore Destillerie herzustellen. Dieser süßliche Spirit aus den Highlands, welcher der Phoenix aus dem Feuer des Ardmore Still Houses war, sollte den Namen „Ardlair“ erhalten, benannt nach den antiken, massiven Felsen, welche auf der Südseite der Brennerei herausragen. Ardlair ist sowohl bei unserem eigenen Blender als auch bei anderen aus der Branche als „Blending Malt“ hoch angesehen. Dies ist auch anhand der großen Nachfrage zu erkennen, momentan stellen wir beinahe zwei Millionen Liter pro Jahr her. Er wurde jedoch noch nie zuvor als „Single Malt“ verkauft.

fizzz: Wie viele andere Whiskys ist The Ardmore Legacy Whisky ohne Altersangabe. Können Sie trotzdem etwas über die Herstellung und die Reifung erzählen? Wie alt sind die Whiskys?

Longwell: Wie bereits oben erwähnt, ist The Ardmore Legacy eine einzigartige Vermählung aus separat gereiften torfigem Ardmore und nicht torfigem Ardlair. Durch dieses Zusammenspiel entsteht ein süßlich-torfiger Highland Malt Whisky, der einen vollmundigen, aber leicht zugänglichen Einstieg in die Gruppe der torfigen Single Malt Whiskys bietet.

Bei dem The Ardmore Legacy vereinen wir nicht nur verschiedene vollmundige Whiskys verschiedenen Reifegrades, sondern wir kombinieren separat gereiften Ardmore und Ardlair, um den einzigartigen, süßen und torfigen Geschmack zu kreieren. Solch eine Liebe zum Detail erschwert es eine genaue Reifedauer auf dem Etikett anzugeben und wir lassen lieber den Geschmack des The Ardmore Legacy für sich sprechen.

fizzz: Über Jahre hinweg wurde dem Konsumenten vermittelt, dass das Alter ein Zeichen von Qualität sei. Nun heißt es, das Alter sei nicht wichtig. Wie kann man dem Konsumenten dies erklären?

Longwell: Das Alter eines Whiskys ist nicht unbedingt ein Zeichen von Qualität oder Konsistenz und steht auch nicht stellvertretend für den Geschmack. Die wahre Kunst der Herstellung eines stimmigen, vollmundigen Whiskys besteht darin, alle Mittel, die einem Brennmeister zur Verfügung stehen, zu nutzen; und dies schließt die Verwendung einer Reihe von älteren Malt Whiskys ein. Zudem trägt zur Qualität eines Whiskys auch die Lagerung in den verschiedenen Fasstypen bei und dessen Zusammenspiel mit dem Holz, statt nur die Länge der Lagerung.

The Ardmore wird im Laufe der nächsten ein oder zwei Jahre einige ältere Varianten herausbringen. Aber wie schon unsere Gründer werden wir die Ursprünge unseres Unternehmens beibehalten und immer versuchen, den vollen Geschmack zu liefern.

fizzz: Vor kurzem verkündete Jim Beam, den Jim Beam Kentucky Dram herausbringen zu wollen, ein Whisky, der einen Bourbon mit einem Single Malt vereint. Was denken Sie darüber? Können Sie sich vorstellen bei The Ardmore etwas Ähnliches zu produzieren?

Longwell: Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. 

Neuen Kommentar schreiben