Interview: „Der Gastronomieumsatz wird explodieren!“

Andreas Herb, CEO von MBG am Schreibtisch

Interview mit Andreas W. Herb, CEO der MBG International Premium Brands GmbH

„Wenn diese verrückte Corona-Zeit vorbei ist, wird der Gastronomieumsatz explodieren. Das Bedürfnis der Konsumenten auszugehen war nie größer“

Wie ist die MBG Group in Sachen Marktausrichtung derzeit aufgestellt? Wie stark ist die Gastronomie- und Event-Ausrichtung?

Wären wir heute vor zehn Jahren in dieser Situation, stünden wir vor dem Aus. Insbesondere durch den Erfolg von effect energy und Salitos im Handel hat sich in dieser Zeit der Absatzanteil verschoben, so dass unser Gastronomie-Anteil aktuell nur noch bei unter 30 Prozent liegt. Schaut man sich allerdings das Portfolio genauer an und betrachtet z.B. die Partyspirituose Dos Mas, ist die Situation natürlich eine Katastrophe in der Gastronomie. Acqua Morelli wiederrum, welches es nur in der exklusiven Gastronomie gibt, hat dagegen überraschend gute Zahlen mit über 190 Prozent Wachstum zum Vorjahr – weil die Restaurantbesuche zugenommen haben. Bizarr ist das Bild bei unsere Export-Tochtergesellschaft. Während der Absatz auf Mallorca abgestürzt ist auf 24 Prozent des Jahres, verzeichnet Salitos auf dem spanischen Festland Rekordabsätze seit dem Lockdown Ende.

Was hat sich bei Ihnen durch Corona verändert?

Unser größtes Glück während der unsäglichen Corona-Zeit war im März der Einstieg in den Markt der Desinfektionsmittel mit der Marke Dr. Grimm Wiegand´s, mit der wir bis jetzt knapp 30 Millionen Euro Umsatz machen konnten. Leider konnten wir nur knapp 100 GFGH-Partner begeistern, umzusatteln und sich mit dem Thema zu beschäftigen – sie waren zu dieser Zeit teilweise in einem schwarzen Loch. So sind diese tollen Erträge auch in der Gastro aber vor allem leider auch außerhalb mit den klassischen Händlern oder mit großen Foodservice Lieferanten realisiert worden. Ich finde das sehr bedauerlich – denn in einer solchen Phase ist es aus meiner Sicht egal, womit der fehlende Ertrag gemacht wird, Hauptsache die Rechnungen können bezahlt werden und wie man so schön sagt, aus Steinen, die man dir in den Weg legt, kann man auch was Schönes bauen! Wir werden aber weiter dafür werben, dass unsere Gastro GFGHs sich mit dem Thema beschäftigen. Denn auch nach Corona wird Desinfektion ein Thema bleiben. Nach einer zwischenzeitlichen Flaute für Desinfektionsmittel ist der Markt jetzt wieder voll da. Wir haben ein breites Portfolio mit rund 40 Artikeln für die Gastronomie aufgelegt und wollen in dem Bereich aktiv bleiben, ich gehe davon aus, dass diese „Desiphobie“ nicht so schnell verschwinden wird.

Wie schätzen Sie die Marktentwicklung in der Gastronomie ein? Glauben Sie an die Zukunft der Branche?

Die Gastronomie wird wiederkommen, im Zuge der Förderung haben sich die Chancen so verbessert, dass viele überleben. Wir glauben an die Zukunft und zahlen auch derzeit noch aktiv Gastro-Neufinanzierungen aus bzw. begleiten finanziell eine Reihe sehr spannender Umbau/Renovierungsmaßnahmen im Club Bereich und in italienischen Restaurants.

Schon im April/Mail haben wir alle Gastronomie-Kunden mit Lieferverträgen informiert, dass wir keine Rückforderungen kapitalisieren, wenn die Absatzvereinbarungen von den Gastronomen nicht eingehalten werden können. So haben wir dokumentiert, dass wir diese Corona-Horror Show gemeinsam durchstehen werden. Ich bin gespannt, wie die großen Getränkekonzerne und die Brauereien damit umgehen. Hoffentlich verhalten sich die großen Brauer partnerschaftlicher als sie sich gegenüber dem GFGH verhalten haben. Denn dort wurde in vielen Fällen nach dem Lockdown die Rücknahme von Fassbier verweigert, was zu enormen Abschreibungen für die GFGH Partner geführt hat. Wenn alle den Hahn zudrehen, wird es eng. Jetzt ist es wichtig, dass so viele Gastronomie-Partner wie möglich überleben, denn wenn diese Zeit vorbei ist, wird der Gastronomieumsatz explodieren. Das Bedürfnis auszugehen, war noch nie so groß wie jetzt!

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