Interview: Franz Schwaiger über 25 Jahre Segafredo Deutschland

Franz Schwaiger, Geschäftsführer Segafredo Zanetti Deutschland

"Es war eine Pionierarbeit"

Franz Schwaiger, Geschäftsführer Segafredo Zanetti Deutschland, über Cappuccino ohne Espresso, Kaffee ohne Zigarette und 25 bewegte Jahre als Botschafter italienischer Caffè-Kultur.

fizzz: Herzlichen Glückwunsch zum 25-jährigen Jubiläum in Deutschland. Sie sind von Anbeginn dabei. Wie wird man zum Botschafter italienischer Caffè-Kultur?

Franz Schwaiger: Massimo Zanetti, der Gründer und Firmeninhaber von Segafredo Zanetti, hat damals entschieden, eine eigene Firma in Deutschland zu gründen. Deutschland war schließlich der erste Auslandsmarkt, auf dem Segafredo verkauft worden ist. Also haben sie einen Vertriebsmann gesucht, der in München bei null starten und Gastronomiekunden akquirieren sollte, um so langsam den Markt zu erobern. Bewusst wurde der Weg gewählt, den Zugang über die Gastronomie zu erschließen.

fizzz: Wie waren die Anfänge zu Beginn der neunziger Jahre?

Franz Schwaiger: Deutschland ist ja historisch gesehen ein Filterkaffeeland. Zu der Zeit waren Espresso und Cappuccino für die meisten Leute noch etwas Exotisches. Sehr verdächtig waren immer die Getränkekarten, auf denen zwar ein Cappuccino, aber merkwürdigerweise kein Espresso zu finden war. Im Endeffekt war der „Cappuccino“ dann ein Filterkaffee mit Sahne. Espressomaschinen gab es nur ganz wenige in Deutschland, im urbanen Bereich noch eher, im ländlichen Bereich überhaupt nicht. Ich denke, da haben wir Pionierarbeit geleistet und einen Trend mit initiiert.

fizzz: Wie hat sich das Geschäft das Geschäft mit den Espresso-Bars entwickelt?

Franz Schwaiger: Die allererste Bar eröffnete hier in München in der Residenzstraße, und, da bin ich wirklich stolz drauf: die Bar läuft nach 25 Jahren immer noch erfolgreich. Die Bars waren von Anfang an ein wichtiger Botschafter, ein gutes Marketingtool für die Marke insgesamt. Über die Gastronomie haben wir den Endverbraucher erreicht und es letztlich auch in den Handel geschafft.

Es war außerdem ein sehr glücklicher Umstand, dass wir sehr früh mit der Mitropa zusammen das Espressobar-Konzept an deutschen Bahnhöfen umsetzen konnten. Zunächst 1994 in Frankfurt, dann sehr bald auch in Berlin am Bahnhof Zoo. Über das Outlet hat die gesamte Fachpresse berichtet, denn wir machten damals auf einer Nettofläche von zwölf Quadratmetern einen durchschnittlichen Tagesumsatz von über 2.000 Euro. Das hat uns sehr dabei geholfen, dass das Konzept national bekannt geworden ist und in die Expansion gehen konnte. Heute gibt es 85 Segafredo-Espressobars in Deutschland, die alle auf Franchisebasis geführt werden.

fizzz: Wie haben sich die Bars in den 25 Jahren verändert?

Franz Schwaiger: Zunächst hat sich natürlich die Zielgruppe enorm erweitert. Zugleich ist auch der Qualitätsanspruch der Gäste stark gestiegen. Eine große Herausforderung für die Gastronomie insgesamt und die Franchise-Bars im Besonderen ist die Tatsache, dass es heute viele Convenience-Produkte gibt, mit denen man zu Hause recht einfach einen ordentlichen Kaffee zubereiten kann. Wenn ich als Konsument in die Gastronomie gehe und viel Geld für einen Espresso oder einen Cappuccino bezahle, sollte dieser tunlichst besser schmecken als zu Hause.

fizzz: Wie haben Sie auf diesen gestiegenen Qualitätsanspruch reagiert?

Franz Schwaiger: Unsere ersten Partner, die wir gefunden haben, waren allesamt Kaffee-Freaks. Aber mit der beginnenden Filialisierung über die Mitropa stieg die Notwendigkeit, die Qualität zu sichern. Deshalb haben wir sehr früh, vor mittlerweile 13 Jahren, die Scuola di Barista eingeführt, in der wir Barista-Trainings durchführen und unsere Franchisepartner ausbilden. Zum einen in den mittlerweile vier Schulungsbars in München, Köln, Hamburg und Berlin, zum andern direkt vor Ort in den Espressobars. Die Prüfung, die wir von unseren Franchisepartnern verlangen, müssen übrigens auch alle unsere Außendienst-Mitarbeiter ablegen.

fizzz: Was ist der beste Platz für eine Segafredo-Espressobar?

Franz Schwaiger: Wir brauchen natürlich viel Frequenz. Innerstädtische Lauflagen und Bahnhöfe sind daher gute Standorte. Und auch Shopping-Center. Früher war ein Laden innerhalb eines Einkaufszentrums allerdings einfacher zu belegen.

fizzz: Wieso?

Franz Schwaiger: Wegen des Nichtraucherschutzgesetzes müssen wir bei der Standortwahl im Einkaufscenter heute stärker darauf achten, dass die Raucher ins Freie gehen können. Und Raucher sind schließlich meist treue Kaffeetrinker. Bei Innenstadtlagen ist das nicht ganz so entscheidend, denn da kommt der Umsatz allein über die Frequenzabschöpfung.

fizzz: Welche Herausforderungen gibt es noch beim Franchise-Geschäft zu bewältigen?

Franz Schwaiger: Es wird immer schwieriger, gute, wirtschaftlich vertretbare Standorte zu finden. Die Mieten in den Innenstädten sind wirklich explodiert in den letzten Jahren. Mir liegen Angebote aus der Münchener Innenstadt mit wirklichen Traumlagen vor. Wenn ich für einen Laden allerdings 30.000 Euro Miete zahlen muss, dann kann das nicht funktionieren. So viel Kaffee kann man gar nicht verkaufen. Wir haben unseren selbstständigen Franchisepartnern gegenüber eine Verantwortung und können sie nicht ins offene Messer laufen lassen. Deshalb lehnen wir weit mehr Standort-Angebote ab, als wir annehmen. Einen passenden Standort zu finden, und dazu noch den Franchisepartner, der liquide ist und den gewissen Sportsgeist mitbringt, wird immer seltener.

fizzz: Wie wichtig ist in dem Zusammenhang ein ergänzendes Angebot jenseits des Kaffees?

Franz Schwaiger: Unglaublich wichtig. Es reicht längst nicht mehr aus, einen perfekten Kaffee zu machen. Um den Durchschnittsbon zu erhöhen und noch mehr Konsumenten in den Laden zu holen, braucht der Betreiber heute ein ergänzendes Food-Konzept. Schon allein deswegen, weil die Konkurrenz und damit die allgemeine Verfügbarkeit von Espresso enorm zugenommen hat.

fizzz: Apropos Konkurrenz. Wie stark spüren Sie die neue Welle an kleinen spezialisierten Coffee-Bars, die teilweise auch selber rösten?

Franz Schwaiger: Wir spüren diese Entwicklung schon, aber ich finde, sie tut dem gesamten Marktsegment nur gut. Der Unterschied zu uns ist: Bei Segafredo steht eine bekannte Marke mit unglaublich großer Kaffeekompetenz dahinter, und wir können unseren Gastronomie-Kunden nachweisen, dass so eine Marke hilft, mehr Kaffee an den Endverbraucher zu verkaufen. Uns geht es zudem um die authentisch-italienische Bar und die italienische Kaffeekultur. Diese Positionierung als italienische Espresso-Bar, auch in Abgrenzung zu anderen Café-Konzepten, war damals wichtig und ist es heute immer noch.

fizzz: Wie wichtig ist Erneuerung, wie wichtig sind Trends bei Segafredo?

Franz Schwaiger: Ein Trend, den wir bereits im letzten Jahr sehr erfolgreich eingeführt haben, ist der Crema caffè, eine cremige, eisgekühlte Form des italienischen Caffè-Genusses. Ein Trend sind natürlich auch die Kapsellösungen, die wir ebenfalls anbieten, sogar kompostierbar. Wir sind im Laufe der Zeit vom reinen Espressospezialisten zum Gesamtanbieter für alle möglichen Kaffeelösungen geworden. Das sind alles wichtige Dinge, um als Lieferant für die Gastronomie Kaffee-Kompetenz zu beweisen. Doch für den Gast zählt allein die Frage: Schmeckt der Kaffee oder schmeckt er nicht? Das ist seit 25 Jahren gleich geblieben.

www.segafredo.de

Kommentare

gern versuche ich mein Glück und schnell eure Seite geteilt

Neuen Kommentar schreiben