Interview: André Pintz... IN PARIS!

André Pintz: Paris war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte
Man muss nicht um den halbe Globus fliegen, um Neues zu entdecken.

Mit dem Jägermeister-Stipendium sechs Monate in Paris leben und arbeiten – für André Pintz, Stellvertretender Barchef des Steigenberger Grandhotel Handelshof Leipzig, wurde dieser Traum Realität...

André, wie geht es Dir in Paris?
Super! Ich habe im Vorfeld lange überlegt, welche Stadt ich mir für das Stipendium wünschen könnte, aber Paris war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Es ist eine wunderbare Stadt, die Menschen sind total entspannt, die Arbeit macht riesig Spaß und ich lerne und erlebe total viel. Es ist sehr schön!

Wenn man Deinen Blog verfolgt kann man sehen, dass Dein Leben ziemlich in Bewegung geraten ist, seit Du das Jägermeister-Stipendium begonnen hast...
Ja, ich komme in drei verschiedenen Bars zum Einsatz: Im „Candelaria“, wo ich aktuell arbeite, im „Glass“, in dem auch Christina Schneider arbeitet, und im „Mary Celeste“. Besonders spannend ist, dass ich hier die Möglichkeit habe, zu switchen, d.h. ich konnte in den ersten drei Monaten in allen drei Bars arbeiten und schauen, wo es mir für die letzten drei Monate am besten gefällt.

Wie unterscheidet sich die Pariser Bar-Szene von Deutschland?
In Paris und generell in Frankreich sind die Gäste noch nicht so anspruchsvoll und cocktailerfahren wie in Deutschland. Man spürt noch die Unwissenheit, wenn die Gäste die Barkarte lesen. Es werden viele Fragen gestellt in Bezug auf die Drinks und die Zutaten. Es gibt noch viel Erklärungsbedarf.
Man spürt aber auch, dass die Barszene wächst. Alle 14 Tage machen in Paris neue, unglaublich schöne Bars auf und es ist wahnsinnig spannend, das mitzuerleben.
Die Pariser Bars sind klein und es wird extrem viel produziert deshalb werden viele Sachen, insbesondere Spirituosen für die einzelnen Drinks vorgemixt. Und wenn es dann losgeht heißt es „Feuer frei“ und man setzt für einen Drink maximal noch drei Flaschen an, daran musste ich mich gewöhnen.
Im „Candelaria“ machen wir 18 Uhr die Tür auf, greifen zum Shaker und legen ihn erst wieder weg, wenn die Bar zu macht. Hier laufen zu 99 % nur Drinks und es ist alleine schon eine Erfahrung auch einmal an seine Grenzen zu kommen. Das macht großen Spaß und in Sachen Speed habe ich schon richtig zugelegt!

Was kannst Du selbst einbringen?
Wir tauschen uns sehr viel über aktuelle Drinks in Deutschland und Frankreich aus. Bei uns sind ja sehr klassische aromareiche Drinks mit starken, ausgeprägten Noten gefragt, was in Paris noch nicht der Fall ist. Hier kann ich viele Ideen einbringen. Beispielsweise das Mixen mit Jägermeister kannten die Kollegen hier überhaupt nicht. Aber sie freuen sich immer über Tipps und nehmen Ratschläge auch gerne an. Oft sind es Kleinigkeit, z.B. Kombinations- oder Dekorations-Ideen. Das ist ein Geben und Nehmen. Aber man ist hier extrem offen für neue Ideen, das ist sehr schön.

Was ist für Dich das Besondere am Jägermeister-Stipendium?
Die Vielfältigkeit, die neuen Eindrücke. Dass man einfach mal raus kommt und andere Sachen sieht. Ich habe gemerkt: Man muss nicht um den halbe Globus fliegen, um Neues zu entdecken. Man kann andere Kulturen, Barszenen und Gästekreise entdecken. Man erlebt ein absolut anderes Arbeiten. Aber man lernt auch zu schätzen, was man zuhause hat. Man merkt auch sehr deutlich, was wir in Deutschland für eine gute Barkultur haben.

Was war Deine Motivation mitzumachen? Was waren Deine Erwartungen?
Ich fand es einfach nur aufregend. Ich wollte schon immer in die weite Welt reisen um zu schauen, was passiert, wie man arbeitet. Und das ist auch eine Erfahrung, die jeder Barkeeper machen sollte. Und wenn es nur 14 Tage sind.
Dass ich durch das Jägermeister-Stipendium die Möglichkeit bekommen habe, sechs Monate im Ausland zu arbeiten und zu leben, ist spannend. In die Stadt integriert zu werden, hier Freunde zu finden, mit denen den Alltag zu verbringen, hier auch einige Hürden über winden zu müssen (z.B. in den ersten Wochen zu verstehen, wie eine französische Waschmaschine), täglich einkaufen zu gehen, ist etwas ganz Besonderes!

Mitte Dezember geht es wieder nach Hause. Kommst Du verändert zurück?
Ich denke ja. Ich werde hier in Paris, in einer Stadt, die eigentlich extrem stressig ist, auf jeden Fall ruhiger.

Hast Du dafür eine Erklärung?
Vielleicht weil ich hier komplett auf mich alleine gestellt bin und quasi von Null anfangen musste. Ich bin hier ja nicht der stellvertretende Barchef wie in Leipzig, sondern ein ganz normales Team-Mitglied. Ich kann mich einarbeiten und das Ganze recht entspannt von der hinteren Reihe aus beobachten. Ich kann mir meine Zeit nehmen. Dadurch dass ich ein halbes Jahr hier bin, habe ich auch viel Zeit, mir die Stadt anzuschauen und kann das sehr gelassen angehen.

Kannst Du schon sagen, was Dir dieses Programm bringt?
Einen wahnsinnig großen Schatz an neuen Ideen, an Inspiration, wie man arbeiten kann, wie man mit verschiedenen Produkten und Gästen umgehen kann. Eine Bereicherung für die komplette Arbeit, die man nicht missen möchte. Was man hier lernt, ist eine Erfahrung fürs Leben!
Meine Reiselust ist geweckt worden. Ich möchte gerne noch andere Länder besuchen und dort arbeiten. Und mein Selbstbewusstsein wurde gestärkt, ich habe gemerkt, dass es möglich ist, als Barprofi mit vorhandenem Wissen auch in einem fremden Umfeld zu bestehen.

Was wirst Du mit nach Hause nehmen?
Unter anderem verschiedene neue Aromakombinationen. Was ich hier sehr schön finde: Es wird sehr viel selbstgemacht. Es wird infusioniert, Sirup selbst gekocht, Liköre selbst gemacht. Gerade im Set up wird hier ganz viel Zeit investiert und sehr großen Wert auf Qualität gelegt. Wir fangen 1,5 bis 2 Stunden bevor die Bar aufmacht an, um alles vorzubereiten. Zusätzlich gibt es zweimal die Woche Extraschichten um Sirup zu kochen und Infusionen vorzubereiten.
Die Barkarten werden sehr oft geändert. Es sind gibt häufig nur kleine Menüs hier in der Stadt, maximal zehn bis zwölf Drinks, was die verrücktesten Hauscocktails sind. Die Klassiker findet man darauf im Gegensatz zu deutschen Barkarten nicht. Und das funktioniert super.
Ein tolles Erlebnis war für mich auch die Barkeeper-Olympiade in Paris. Hier gibt es von der Industrie aus nicht ganz so viele Workshops und Schulungsmaßnahmen, deshalb veranstalten die Barkeeper hier die Bartender Olympics mit verschiedenen Challenges um das beste Team von Paris zu küren. Eine Spaßveranstaltung, zu der auch Disziplinen wie der Wettlauf in einem Sumo-Anzug gehören. Man verbringt einen Tag zusammen und lernt neue Kollegen kennen, das ist wirklich wunderschön!

 

Mehr unter... http://andre.hubertusrat.de

Neuen Kommentar schreiben