Interview: Cyril Camus über den fünftgrößten Cognac-Produzenten

Cyril Camus

Das 1863 gegründete Haus Cognac Camus ist heute fünftgrößter Cognac-Produzent und davon als Einziger in Familienbesitz. Er wird in fünfter Generation von Cyril Camus (geb. 1971) geleitet.

Interview: Ute Schalberger

Wie schafft es ein Familienunternehmen in der internationalen Konkurrenz auf Platz 5 der Cognac-Produzenten?
Cyril Camus: Mit 153 Jahren ist unser Familienunternehmen 100 Jahre jünger als die anderen Cognac-Brennereien, die in den Ursprüngen Händler waren. Meine Familie kam ursprünglich aus dem Weinbau, erst später wurden sie Cognac-Händler. Das bedeutet wir waren immer unabhängig und konnten den Cognac kreieren, den wir lieben. Und diese Leidenschaft für unser Produkt ist noch heute unser Schlüssel zum Erfolg. Unser Schwerpunkt liegt bei den höherwertigen Cognacs, zu 85 Prozent machen wir VSOP-Qualitäten und darüber. Unsere Mitbewerber hingegen sind stark industrialisiert.

Was macht Cognac Camus aus?
Cyril Camus: Uns ist die Authentizität unserer Produkte wichtig und wir sind überzeugt von der Verbindung von Ursprung/Terroir und Genuss. Bestes Beispiel ist unser ‚Borderies XO‘, ein Cognac, der zu 100 % aus den Trauben unseres kleinsten Cru Borderies besteht. Es ist ein handwerkliches, sehr ausdrucksstarkes Produkt und kein anderer Produzent macht dies. Wir haben auch eine Île De Ré-Serie, der einzige Cognac aus den Trauben der Île De Ré. Wir finden, Cognac soll nicht langweilen und daher bieten wir immer etwas Neues an, etwas das andere nicht machen.

Was sind Ihre Favoriten?
Cyril Camus: Als Aperitiv trinke ich gern den ‚Île De Ré‘ auf Eis. Ich mag die etwas salzige, holzige und rauchige Note. Nach dem Essen schenke ich mir gern einen ‚Borderies‘ ein. Er ist sehr floral, elegant und ausgewogen. Er passt zu allen Speisen und ist ein sehr genussvoller Cognac. Auch unser Baby, den ‚Extra Dark & Intense‘ trinke ich gern pur und genieße die Würze, Frucht und Röstaromen.

Leider ist Cognac etwas aus der Mode gekommen. Junge Leute trinken lieber Gin oder Whisky. Was macht Cognac Camus, um die Trinkgewohnheiten zu ändern?
Cyril Camus: Die Cognactrinker sind gar nicht so alt, sie sind durchschnittlich zwischen 30 und 50 Jahre alt, und trinken ihren Cognac vor allem nach dem Essen. Auch in Bars und Nightclubs wird er gern getrunken. Doch in der Tat möchten wir den Kreis der Cognac-Liebhaber erweitern und führen in den USA, Großbritannien, Frankreich, Belgien und Deutschland Projekte zur Redynamisierung durch. Neben Cognac auf Eis gibt es hervorragende Cognac-Cocktails. Die klassischen Cocktails waren übrigens früher auch sehr häufig auf Cognac-Basis. Mit besten Zutaten und hochwertigem Cognac gelingen Cocktails, die das Know-how aufzeigen und Neugierde bzw. Lust auf Neues anregen. Das verjüngt das Cognac-Image und wahrt gleichzeitig den qualitativen Stellenwert.

www.camus.fr

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