Interview: David Cordoba, Global Brand Ambassador Bacardi

David Cordoba, Global Brand Ambassador Bacardi Rum
David Cordoba, Global Brand Ambassador Bacardi Rum
David Cordoba, Global Brand Ambassador Bacardi Rum

David Cordoba über Passion, Argentinien und den Traum eines jeden Bartenders

Er ist einer der besten Barkeeper, die Lateinamerika je hervorgebracht hat und repräsentiert mittlerweile Bacardi Superior als Global Brand Ambassador auf der ganzen Welt. Doch der in Buenos Aires geborene David Cordoba hatte anfangs wenig mit dem Barbusiness am Hut. Der studierte Werbefachmann arbeitete erst einige Jahre als Communications Manager, bevor er seine Passion für die Bar entdeckte.

 

Wie kam es dazu, dass Sie ihren Job damals an den Nagel hängten und hinter den Tresen wechselten?

Nun, ganz neu war mir das natürlich alles nicht, schließlich habe ich während meines Studiums schon in diversen Bars und Nachtclubs gejobbt. Und die Bar war schon immer ein Ort, an dem ich Spaß hatte. Aber verliebt habe ich mich in diese Thematik erst, als ich eines Abends mit einigen Kollegen in einer Speakeasy-Bar hängen blieb.

Es war wunderbar, das Backboard voller Flaschen, hervorragende Drinks und ein kompetentes Barteam. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Ich habe mich sofort wohl gefühlt und wollte mehr Zeit dort verbringen. Ich fragte den Inhaber, ob ich dort arbeiten könnte – erst einmal umsonst – es war damals ja noch so eine Art Hobby für mich. Wenn du jemanden nach einem Job fragst, der dich nicht brauchen kann, bekommst du ihn nie. Bietest du ihm an, erst einmal umsonst zu arbeiten um zu lernen, ist das was anderes. Und ich wollte lernen.

 

Wie ging es dann weiter?

Ich wurde Teil des vierköpfigen Bar-Teams und wir wurden richtig gute Freunde. Aber nachdem alle andere Jobs gefunden hatten war ich der Einzige, der noch dort arbeitete. Also zog ich weiter und dachte daran, es nochmal als Grafikdesigner zu probieren. Ich glaube es war im Juli 2004, als ich mich entscheiden musste: Mache ich als Grafiker oder Werbe-Profi weiter, oder steige ich voll ins Bar-Business ein? Ich begann an Wettbewerben teilzunehmen, gewann ein paar davon und plötzlich war das Leben hinter der Bar einfach spannender. Also sagte ich mir: „Weißt du was? Das mit der Werbung ist vorbei!“ Von da an widmete ich jeden Tag meines Lebens dem Ziel, immer besser zu werden und immer bessere Sachen zu machen.

 

Sie hatten bisher nie eine eigene Bar. Ist das vielleicht ein Traum für die Zukunft?

Ich habe schon oft Bars geleitet, aber eben immer für jemand anderen. Ich war ein paar Mal kurz davor in Asien eine eigene aufzumachen, aber ich konnte mich damals mit meinen Investoren nicht einigen. Aber ich habe mir das fest vorgenommen, vielleicht sogar schon nächstes Jahr.

 

Vielleicht in Ihrer Heimat Argentinien, oder doch lieber wo anders?

London wäre eine Möglichkeit. Aber Argentinien ist ein eher schwieriges Pflaster, sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Es ist ein wunderschönes Land mit einer tollen Kultur, aber es ist auch verrückt. Wie als wenn man in einen Pool ohne Wasser springt.

 

Wie ist es generell um die Bar-Szene in Argentinien bestellt?

Sie wächst und wird besser und besser. Aber es ist schwer zu sagen, wie es weitergeht. Denn anders als in anderen Ländern, setzen sich die Bartender zu selten zusammen, um Erfahrungen und Know-how auszutauschen. Aber wenn sie es schaffen, eine Gemeinschaft zu bilden, werden sie durch die Decke gehen! Ein Problem ist auch die Verfügbarkeit der Spirituosen. Was woanders Standard ist, ist dort oft nur schwer zu bekommen, da der Import extrem teuer ist.

 

Machen die Bartender in Argentinien dann aus der Not eine Tugend und entwickeln ihren eigenen Stil?

Nun, der Stil in Argentinien ist ein bisschen so, wie in den U.S.A. Aber es wird viel mit Wermut gemacht, es gibt also eine Art Aperitivo-Kultur. Viele Cocktails werden mit Amaro gemixt, da gibt es einen enormen Zuwachs an Rezepten. Was gerade auch sehr angesagt ist, ist Fernet Branca. Rum oder Cachaҫa ist interessanter Weise in Argentinien lange nicht so stark, wie im Rest Lateinamerikas oder der Karibik.

 

Als Brand Ambassador reisen Sie um die ganze Welt um Bacardi zu promoten. Warum ist da gerade die Bacardi Legacy so wichtig für Sie?

Ich habe die letzten fünf Jahre damit verbracht, diesen Wettbewerb zu pushen. Ich betreibe dieses Programm weltweit, und das mache ich mit ein etwas Unterstützung aus dem Büro fast allein. Für mich ist es ein bedeutender Teil meiner Arbeit und es ist die beste Möglichkeit für Bacardi, etwas für die Bartender-Community zu tun. Wir wollen eine Plattform für sie schaffen, die es ihnen ermöglicht, besser zu werden. Du kannst an vielen Wettbewerben teilnehmen, aber die Bacardi Legacy Cocktail Competition ist im Gegensatz zu anderen Challenges offen für jede Marke. Du hast einen guten Drink? Wir probieren ihn! Du musst nicht der beste Bartender der Welt sein, du musst nur einen wirklich guten Drink drauf haben!

 

Aus Ihrer Sicht: Welche nationale Barkultur ist momentan die am stärksten, am höchsten entwickelte?

Mit großem Abstand die in U.K. Dort hast du einfach Einflüsse aus den unterschiedlichsten Kulturen: die französische, die italienische, die japanische. Du hast Leute, die in Fünf-Sterne-Hotels mixen und dabei mehr Geld verdienen als ich, die um den ganzen Globus reisen und sich dabei die unterschiedlichsten Techniken aneignen, um sie dann in ihrem eigenen Business umzusetzen.

Bartender in U.K. zu sein heißt: Du arbeitest mehr als jemals zuvor in deinem Leben, aber du verdienst dabei eine Menge Geld. Natürlich gibt es in anderen Ländern auch jede Menge Potenzial. Bestes Beispiel: Paris. Vor fünf Jahren war dort gar nichts los, und jetzt? Unglaublich, was da in den letzten drei Jahren passiert ist. Die Bar-Szene hat sich fantastisch entwickelt, eben weil sie in sich selbst investiert hat, etwa durch Barshows oder Seminare. Und in Moskau haben wir ein ganz ähnliches Bild. Oder rund um Sydney! Da gibt es phänomenale Bars!

 

​Eine letzte Frage: Was ist Ihr persönlicher Lieblingsdrink?

Am liebsten trinke ich einen Daiquiri. Da könnte ich jetzt eine halbe Stunde drüber sprechen. Ein einfacher Drink mit vier Elementen – Eis, Rum, Zuckersirup und Limettensaft – den du überall finden kannst. Das Interessante daran ist aber die Story dahinter. Wichtig ist nicht, wer den Drink kreiert hat, sondern dass er es geschafft hat, über viele Jahrzehnte hinweg aktuell zu bleiben. Und das ist es doch, wovon jeder Bartender träumt: einen Drink zu erfinden, der über eine so lange Zeit auf der ganzen Welt getrunken wird. Vielleicht hat man den Bartender vergessen, aber nicht sein Rezept, sein Vermächtnis.

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