Interview: Gerhard Lürzer, Lürzer Alm Obertauern

Gerhard Lürzer, Lürzer Alm Obertauern

Die Väter des Après-Ski

Hinter der Marke Lürzer stehen die Brüder Gerhard, Heribert und Harald Lürzer aus Obertauern im Salzburger Land, die ihr Unternehmen in 25 Jahren zu einem lokalen Gastro-Imperium mit einem Jahresumsatz von mehr als 20 Mio. € ausgebaut haben. Zum Betriebsmix gehören zwei Hütten (Edelweissalm, Lürzer Alm), ein Fresh-Quick-Casual-Konzept (Mundwerk), eine Bar (People), acht Schirmbars, drei Hotelbetriebe, ein Sport- und Modehaus (Freudenhaus), eine Skischule/-verleih, und ein Taxiunternehmen.

Die Lürzer Alm gilt als "Mutter des Après-Ski". Stimmt das wirklich oder ist das nur ein Marketing-Gag?
Ich denke schon, dass wir die ersten waren, die den Après-Ski in der heutigen Form zumindest in Österreich populär gemacht haben. Bis in die Achtziger hieß das Party-machen nach dem Wintersport mit Live-Musik ja noch "Fünf-Uhr-Tee". Damals kam die Musik noch von einer Live-Kapelle. Die Lürzer Alm war 1986 die erste, die einen DJ zum Après-Ski engagiert hatte. Das war damals eine Sensation und für uns ein Versuch, Geld einzusparen, denn um die Kosten für die Live-Kapelle reinzuholen, musste man Eintritt nehmen. Früher hat eine Liveband im Monat 100.000 Schilling gekostet, plus Unterkunft und Verpflegung, ein DJ kostete dagegen nur 30.000 Schilling, plus einfacher Unterkunft. Ehrlich gesagt, vermisse ich die Livemusik trotzdem ein bisschen. Aber es stimmt, die Lürzer Alm gilt auch  bei den Kollegen aus Vorarlberg und Tirol als "Mutter des Après-Ski" und ist für viele eine Institution.

Werden die Après-Ski-Partys wilder?
Nein. Ich bin jetzt seit über 20 Jahren im Geschäft, viel hat sich nicht geändert. Zwischendurch gab es mal musikalisch einen Techno-Trend und einen Drift in Richtung Ibiza und "Café del Mar", aber so richtig gut kam das bei den Gästen nicht an. Die meisten wollen in den Alpen die übliche Partymusik hören, also mehr die Ballermann-Kommerz-Schiene.

Und die Trinkgewohnheiten?
Na ja, die verändern sich schon je nach Trend in der Getränke-Industrie. Früher trank man Obstler, der ist heute fast gar nicht gefragt, dafür sind Szene-Drinks wie "Flying Hirsch" der Renner. Wir verkaufen im Jahr 120.000 Jägermeister und bis zu 100.000 Dosen Red Bull. Red Bull funktioniert im Verkauf ohnehin sehr gut. Aber Bier ist immer noch der Top-Seller bei uns. Wir verkaufen im Unternehmen 3.000 Hektoliter pro Saison.

Sie decken mit Ihren Gastrobetrieben nahezu die gesamte Bandbreite ab. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Das Spannende an unserem Unternehmen ist vielleicht, dass wir den Gast in seinem kompletten Tagesablauf begleiten. Wir wollen ihn nicht direkt lenken, aber er kann mit uns vom Frühstück über Mittagessen und Après-Ski bis zum Abendessen und der Party danach bis vier Uhr in der Früh unterwegs sein – also rund um die Uhr und immer wieder in den verschiedensten Locations mit den verschiedensten Szenen.

Man hört öfters, dass das Interesse am Wintersport abnimmt. Können Sie das bestätigen?
Nein, absolut nicht. Berge und Natur sind extrem spannend geworden. Schon rein modisch ist Wintersport sehr trendy und cool. 

Interview: Nathalie Kopsa 

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