Interview: Innovation im Handel

Metro Interview NX-Food

Metro AG: „Wir helfen Gründern dabei, auf den Markt zu kommen“

Erst wenn die Verfügbarkeit stimmt, können Produktinnovationen ihre Dynamik entfalten. Welchen Einfluss nimmt der Handel? Ein Interview mit Fabio Ziemßen, Director Food Innovation bei der Metro AG.

Wie wichtig sind F&B-Trends für Ihre Sortimentsgestaltung?

Fabio Ziemßen: Für uns haben Trends eine besondere Bedeutung. NX-Food ist der METRO-Hub für innovative Lebensmittellösungen und -Konzepte, wir beschäftigen uns mit den Mega- und Microtrends auf internationaler Ebene. Dabei agieren wir vor allem in gesättigten Märkten, in denen man sich heute viel intensiver als früher mit dem Thema Food und Ernährung beschäftigt. Als Vollsortimenter möchten wir die unabhängige Gastronomie partnerschaftlich dabei unterstützen, Zugang zu diesen neuen Entwicklungen zu bekommen. Dabei geht es beispielsweise um vegane Produkte wie den Beyond Meat-Burger oder Neuheiten aus dem Bereich der alternativen Proteinquellen. Diese Themen spielen global eine sehr wichtige Rolle, auch weil sie auf Megatrends wie etwa die wachsende Weltbevölkerung und den damit einhergehenden steigenden Nahrungsmittelbedarf einzahlen.

Beim Thema Food-Innovationen sind Sie sehr aktiv, was sind Ihre neuesten Projekte?

Fabio Ziemßen: Viele neue Ideen kommen aus der Start-up Szene, diese Kontakte sind für uns sehr wichtig. Daher ist das Community-Management ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit. Online geschieht das beispielsweise in Form unseres NX-Food-Blogs, offline unterstützen wir Events der Start-up Szene und organisieren auch selbst Veranstaltungen wie unser Meetup „Rising Spoon“. So helfen wir Gründern dabei, auf den Markt zu kommen, sichtbar zu werden und sie mit Gastronomen zu verbinden.

Wie knüpfen Sie diese Kontakte? Finden Sie die Anbieter oder kommen die Start-ups auf Sie zu?

Fabio Ziemßen: Derzeit freuen wir uns, dass viele Gründer auf uns zukommen, weil sie sehen, dass wir uns sehr früh mit aktuellen Themen beschäftigen. Ein Beispiel ist das Vertical Farming des Start-up-Unternehmens Infarm. Die Kollegen haben ihre Lösung in Deutschland als erstes bei uns getestet. Dabei handelt es sich um den Anbau von Salaten und Kräutern im Markt, für Restaurants gibt es mittlerweile auch weitere Anbieter. Wenn wir aber bestimmte Food-Trends identifizieren, wie z.B. veganen Fisch, dann suchen wir auch proaktiv den Kontakt zu Gründern in diesem Bereich, um mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Und wie sind Sie im Getränkesegment aufgestellt?

Fabio Ziemßen: Getränke sind für uns ebenfalls ein sehr wichtiges Element. Wir suchen Produkte, die besonders und innovativ sind, wie z.B. Blütenrein, ein Sirup, der aus rotem Basilikum hergestellt wird und Potenzial zum Trendgetränk hat. Oder das alkoholfreie Craftbier Uwe. Auf unserem Event „Rising Spoon“, bei dem wir Gastronomen mit neuen Produkten zusammenbringen, ist das Interesse an neuen Getränken immer wieder sehr groß.

Wie früh steigen Sie im Regal bei Trendprodukten ein?

Fabio Ziemßen: Recht früh. Da wir die internationalen Märkte beobachten und analysieren, können wir auf Trendentwicklungen schließen und schnell reagieren. Die Bewerber aus diesem Segment – inzwischen sind das über 600 Unternehmen – bekommen eine dreimonatige Testlistung bei ausgewählten Vertriebspartnern wie METRO oder Eurowings. Wenn das erfolgreich ist, helfen wir beim nationalen Rollout.

Sind Trendprodukte für Sie eher Image- oder Absatz-relevant?

Fabio Ziemßen: Es ist eine gesunde Mischung. Neue Produkte bringen Vielfalt in die Märkte und das Sortiment des Gastronomen, aber natürlich müssen sie auch auf Nachfrage treffen.

Wie wichtig ist Exklusivität dabei für Sie?

Fabio Ziemßen: Exklusivität fordern wir nicht. Allerdings haben wir festgestellt, dass eine sehr enge Bindung entsteht, wenn man sehr früh mit einem Unternehmen zusammenarbeitet. Oft möchten sich die Gründer erst einmal auf einen Partner konzentrieren, bevor sie sich dem Markt öffnen. Wir sind auch der Meinung, dass wir den Unternehmen mit einer Einschränkung keinen Gefallen tun würden, denn mit je mehr Handelspartnern sie zusammenarbeiten, desto erfolgreicher können sie werden.

Sind auch Beteiligungen an den Start-ups möglich?

Fabio Ziemßen: Das ist denkbar. Wir können über unsere Einheit LeadX Capital auch in Food-Start-ups investieren. Allerdings erst in einer etwas späteren Phase, wenn die Unternehmen einen Umsatz von mehr als einer Million Euro erzielen.

metroag.de

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