Interview: Jeff Maisel und Thomas Wenk über das Projekt „Liebesbier“

Jeff Maisel und Thomas Wenk
 Jeff Maisel, Andrea Bauernfeind, Ute und Thomas Wenk

Das Projekt „Liebesbier“

Über gastronomische Leidenschaft, die Brauerei als Partner und den wohl außergewöhnlichsten Biergarten Deutschlands - Jeff Maisel und Thomas Wenk aus Bayreuth im Interview

Kneipe 4.0 als Erlebnisgastronomie – das ist das neue Gemeinschaftsprojekt von Brauer Jeff Maisel und den Gastronomen Thomas Wenk, Ute Wenk und Andrea Bauernfeind. Im Mittelpunkt des Konzeptes stehen die Themen Bier und Handwerk. Das Soft-Opening soll Ende Januar 2016 starten.

 

Was könnt Ihr uns über Euer neues Gastronomieobjekt erzählen, wie ist der Stand der Dinge?

Jeff Maisel: „Das ,Liebesbierʻ wird in der alten Brauerei Maisel entstehen, in der auch das umfangreiche Maisel’s Brauereimuseum beherbergt ist. Dort Gastronomie zu verwirklichen, ist ein lang gehegter Wunsch meiner Familie und für mich ist es die Verwirklichung eines Traumes. Mit Thomas Wenk habe ich einen Gastronomen gefunden, der die Offenheit und das Gefühl dafür mitbringt, so etwas umzusetzen. Wir werden als Gesamtkonzeption eine funktionsfähige Brauerei mit einem 25 hl Sudwerk haben, die ‚Maisel & Friends Brauwerkstatt‘. Diese ist von Gastronomie umgeben. Die Themen Manufaktur und Handwerk werden ganz groß gespielt. Die Gäste werden von den meisten Tischen aus direkt auf das Sudhaus oder die Holzfassreifung blicken können und so den Brauern bei ihrer Arbeit zusehen. Wir werden bestimmte Biere in 30 x 200-Liter-Holzfässern reifen lassen, vor denen der Gast wie in einem Weinkeller sitzen und aus denen er Verkostungsproben bekommen kann. Direkt im ‚Liebesbier‘ wird es eine eigene Bäckerei geben, in der das Brot, Treberkekse usw. für die Gastronomie frisch zubereitet werden. Das Thema Bier steht natürlich im Fokus. Neben 21 Bierhähnen soll es weitere 60 bis 80 Flaschenbiere geben: Typisch fränkische, klassisch bayerische und moderne Edel- und Craftbiere. Natürlich werden es nicht nur eigene Biere sein, sondern auch Spezialitäten von befreundeten Brauern. Wichtig ist uns, dass wir den Gästen eine schöne Vielfalt anbieten können. Mit den Spezialitäten von „Maisel & Friends“ wollen wir das Bier-Thema untermauern. Schließlich sind das die Biere, die direkt vor den Augen der Gäste kreiert werden. Der Kern des gesamten Konzeptes ist das Handwerk, das gilt auch für die Auswahl der Spirituosen, die alle handwerklich hergestellt sind, zum Teil in der eigenen kleinen Brennerei. Als Wasser wird ausschließlich unser Brauwasser aus dem Fichtelgebirge verkauft, zudem werden wir damit die angebotenen Limonaden selbst herstellen. Auch bei den Speisen wird auf höchste Qualität geachtet und alle Produkte kommen direkt aus der Region. Es wird keinen Lieferanten geben, den wir nicht persönlich kennen. Die Gastronomiefläche wird knapp 280 Innenplätze und 300 Außenplätze bieten, ein weiterer Saal für Veranstaltungen bietet Platz für 160 Personen, und in die ‚Alte Abfüllerei‘, jetzt Museumsgastronomie, passen noch einmal 100 Leute hinein. Das ist eine Größenordnung, die erst einmal gespielt werden muss.“

Thomas Wenk: „Seit zwei Jahren sind wir intensiv daran, dieses Projekt zu planen, und Anfang Februar 2016 soll eröffnet werden. Wir planen, 25 Festangestellte und zusätzlich 50 Aushilfen einzustellen. Vorgesehen sind Öffnungszeiten ab 11 Uhr am Vormittag bis nachts um ein Uhr. Wir planen ein Soft-Opening und werden die Gastronomie in den ersten Wochen nur abends öffnen, danach wird auf Ganztagesgastronomie ausgeweitet.“

 

Wie funktioniert Eure Zusammenarbeit und wie sollte die Zusammenarbeit zwischen Brauerei und Gastronom heute aussehen?

Thomas Wenk: „Ich habe hier in Bayreuth schon mehrere Betriebe eröffnet und hatte eigentlich immer Bauherren, die mir in gewissem Umfang und im Hinblick auf eine zukünftige Rendite bauliche Vorgaben gemacht haben. Meist gab es eine Standard-Ausstattung, meine Herausforderung war dann, sie so anzupassen, dass sie irgendwie zu meinem Konzept passt. In diesem Fall ist das anders: Für Jeff Maisel selbst ist das ‚Liebesbier‘ ein Herzensprojekt, denn es entsteht in dem Teil der Brauerei, in dem sein Urgroßvater schon Bier gebraut hat. Direkt integriert ist auch die neue ‚Maisel & Friends Brauwerkstatt‘, wo Jeff seine tollen Biespezialitäten brauen wird. Deshalb ist es bei unserem Projekt ‚Liebesbier‘ eine völlig andere Zusammenarbeit. Bei Details gibt es schon manchmal Meinungsverschiedenheiten, doch in 95 Prozent der Fälle sind wir uns einig, dass wir hier etwas Besonderes schaffen wollen und nicht auf Standardausstattungen zurückgreifen möchten. Hier zählt Qualität. Zumal das eigentlich mein letztes Projekt sein soll, das ich umsetze, denn mehr Kapazität habe ich als Gastronom nicht. Demzufolge soll es ein absolutes Highlight werden – auch für mich!“

Jeff Maisel: „Wichtig ist, dass beide Seiten Verständnis dafür haben, was in der Gastronomie und in der Brauerei wichtig ist. Dieses Verständnis habe ich in unserer zehnjährigen Zusammenarbeit bekommen. Ich sehe die enge Zusammenarbeit mit Thomas Wenk auch als Know-how-Transfer. Ich kann mit jedem Kunden, mit dem ich national oder international zusammenarbeite, ins ‚Liebesbier‘ gehen und über alle anstehenden Probleme sprechen. Ich verkaufe nicht nur mein Bier, sondern kenne auch die Probleme und Sorgen, die Gastronomen heute haben. Im ‚Liebesbier‘ werden wir erproben, wie man mit ungewöhnlich vielen (21) Bierhähnen umgehen muss und welche Schwierigkeiten auftreten können. Ich kann mit meinen Kunden auch über Personalprobleme oder Beleuchtungskonzepte sprechen. Dann merken sie, dass wir ihnen nicht nur Bier verkaufen möchten – wir bemühen uns um eine echte Partnerschaft.

Thomas Wenk: „Das geht so weit, dass sich Jeff Maisel verpflichtet hat, Partner in der gastronomischen Gesellschaft zu sein. Er ist also Mit-Gastronom und das ist für mich auch wichtig, weil ich im Gegenzug bei baulichen Fragen mit eingebunden bin. So ist jeder über beide Bereiche informiert, und das ist ein riesen Vorteil.“

Jeff Maisel: „Die Preisverhandlungen muss man von dieser Partnerschaft natürlich etwas trennen. Ich will den Betrieb als Brauerei weder subventionieren noch will ich die Abhängigkeit ausnutzen und hohe Bierpreise fordern. Dafür verstehe ich jetzt auch die gastronomischen Probleme. Ob man heute mit Bier in der Gastronomie Geld verdienen kann, dazu haben Thomas und ich sicherlich kontroverse Meinungen. Wenn wir uns nicht einig sind, geht es dann auch Mal ans Eingemachte. Doch das funktioniert, weil wir uns schon so lange kennen – auch von der wirtschaftlichen Seite.“

Thomas Wenk: „Wir dringen ja jetzt auch in ein anderes Bier-Segment vor: Craftbier ist im Einkauf teurer und ich muss aufpassen, dass ich gastronomisch nicht in ein Preissegment komme, von dem jeder sagt: In den Laden brauchst Du gar nicht zu gehen, der ist zu teuer. Bei der vorliegenden Kostenstruktur mit dieser Größe und dem Personalaufwand, ist es schwierig, einen vernünftigen Aufschlag zu kalkulieren. Ich bin gespannt, ob es bei einer extremen Bierlastigkeit so funktioniert, wie wir uns das vorstellen.“

Jeff Maisel: „Natürlich muss ich als Bauherr und Familienunternehmer auch auf eine vernünftige Rendite schauen, aber für mich ist das ein besonderes Projekt, das passen muss und auch sehr detailverliebt sein wird. Ich weiß auch, dass ich mit Thomas Wenk einen Partner habe, der das par excellence macht. Neben dem Thema Handwerk und Genuss ist uns auch der seelische Genuss sehr wichtig: Wir werden Künstler einbeziehen und das Thema Street-Art einbauen, um den Menschen Gastronomie insgesamt als ein Kunstwerk zu zeigen und ein Gesamterlebnis zu bieten. Ich hoffe, dass wir das rüberbringen können!“

 

Wie muss die Kneipe 4.0 heute aussehen? Was sind die Bedürfnisse der Gäste?

Thomas Wenk: „Für mich bedeutet das: weg von dieser verstaubten Bier-Gastronomie, die wir über Jahrhunderte in Franken hatten, die sehr traditionell war, hin zur modernen Gastronomie, wo man zeigen kann, dass Bier in der Zwischenzeit auch ein hippes Getränk sein kann und dass man damit ganz andere Leute anspricht als noch vor zehn Jahren. Das läuft über das Ambiente, das läuft über Craftbier, weil es sowohl optisch wie geschmacklich einfach jung ist, das läuft sicherlich auch über die Speisen. In unserem Fall ist eine internationale Küche mit heimischen Produkten geplant. So einfache Dinge wie Fish & Chips werden wir regional spielen mit Lachsforellen aus unserer Nachbarschaft, die in Bierteig ausgebacken werden. Der Bierteig wird natürlich mit unserem Bier gemacht. Dann haben wir handgeschnittene Kartoffelecken und einen guten Dip dazu. Das ist ein tolles internationales Gericht mit heimischen Produkten. So wollen wir auch mit dem Thema Burger und Steaks umgehen. Wir haben einen sensationellen Steakofen für Dry Aged Steaks, in dem wir natürlich nur regionales Fleisch zubereiten werden. Wir kennen unsere Bauern und werden das auch unseren Gästen erzählen: Alle Lieferanten werden mit uns fotografiert, die Bilder hängen wir auf und bringen sie in unser Magazin. Ehrlichkeit und Qualität sind für uns superwichtig.“

Jeff Maisel: „Die Gastronomie hat sich wegbewegt von dem Prinzip: Ich kann gut kochen und deshalb kommen die Leute. Erfolgreiche Gastronomie ist heute ein ganzheitliches Erlebniskonzept. Dazu gehören Design und Küche, aber auch Ehrlichkeit und Authentizität. Konzepte wie Enchilada oder L´Osteria sind so erfolgreich, weil sie ein besonderes Gefühl vermitteln. Die Gäste sollen sich bei uns entspannen können. Wir haben eine große Rundum-Bar, an der man sitzen und chillen kann, wir haben ein großes offenes Kaminfeuer im Lounge-Bereich, aber eben auch schwere Ledersessel, in denen ich sitzen und mein Steak oder die regionale Küche genießen kann. Das Thema Handwerk und Bier wird überall zu spüren und zu sehen sein. Wir werden dort unser Bier brauen, und das wird man sogar riechen können. Die Gäste können bei uns Entschleunigung vom hektischen Alltag bekommen und ihre Zeit bei uns einfach nur genießen.“

Thomas Wenk: „Ganz besonders wird unser außergewöhnlicher und moderner Biergarten werden. Unsere Grundidee dabei: Der so genannte Gastrogarten ist wie ein Restaurant mit verschiedenen Räumen aufgebaut. Momentan gestalten wir einen Outdoor-Bereich auf mehreren Ebenen. Du gehst in den ersten Raum, der mit einer kleinen Mauer oder Hecke umrandet ist, kommst über zwei Stufen nach oben in den nächsten Raum, der komplett anders gestaltet ist, dann kommst Du in einen dritten Raum mit wieder anderer Möblierung, von dort aus wieder zwei Stufen nach unten in einen Lounge-Bereich und nochmal eine Station tiefer zu einer Feuerschale. Wie legen eine große Wasserfläche an, ein zwei Meter tiefes Becken, in dem heimische Fische schwimmen, die wir mit verarbeiten werden und es wird dort eine Bar geben. Es wird ein besonderer Gastrogarten werden, auch mit Liegeflächen, denn die Gäste sollen hier Entschleunigung finden. Und das Thema Feuer wird sich mit Gasfackeln am Eingangsbereich, Feuerschale im Garten und einem großen Grillblock durch die Gestaltung ziehen.

In den USA ist mir oft aufgefallen, dass man sich dort auch sehr stark um die Kinder kümmert. Wir werden ja eher ein erwachsenes Konzept sein, aber wir werden unsere Feuertreppe aus einem höher gelegenen Saal in eine Rutsche umwandeln. Die Kinder können also in den Garten rutschen, wo noch Schaukel, Sandkasten, Kletterwand stehen. Das Ganze ist mit Zaun und Hecke so abgetrennt, dass sie nicht weg können. Während die Eltern die Gastronomie genießen, können die Kinder an schönen Tagen draußen spielen - auch das ist für die Ganzheitlichkeit des Konzeptes sehr wichtig.

Jeder grillt gerne, aber keiner hat Lust einzukaufen und den Grill vorzubereiten. Also wird es einen großen Grillblock geben, an dem wir Fleisch, Salate und Getränke bereitstellen, die Gäste aber selbst grillen können und auch dort wieder den Erlebnis- und Handwerks-Charakter zu finden. Dafür wird es verschiedene Pakete geben, z.B. für eine Geburtstagsfeier. Dort können die Leute mit zehn, zwölf Leuten grillen und haben keine Arbeit damit.“

 

Ist das Projekt der Startschuss für weitere, ähnliche Gastronomieobjekte?

Jeff Maisel: „Wir konzentrieren uns erst einmal auf das eine Objekt. Natürlich schmeichelt es uns, wenn wir gefragt werden, ob wir es nicht vervielfältigen wollen. Aber das ist nicht mein Weg. Heutzutage denken Gastronomen ja schon über die Multiplikation nach, wenn sie gerade einmal einen einzigen Betrieb erfolgreich eröffnet haben. Das ist zu schnell. In seiner jetzigen Konzeption und durch die Integration in die bestehende Brauerei mit Brauereimuseum ist das Projekt einzigartig und nicht auf Multiplikation ausgelegt. Die Marke ,Liebesbier´ gehört aber der WBM Gastro GmbH, und wenn es sich irgendwann einmal anbietet, könnte man über Franchising nachdenken. Das würde aber sicherlich ganz anders aussehen. Wir machen jetzt erst einmal das eine Objekt, und wenn es funktioniert, werden wir sehen, ob der Herr Wenk noch etwas zusätzlich machen will!“

Kommentare

Das Liebesbier gibt es schon seit vielen Jahren als Erotikbier von der Brauerei Lang....und war für uns ein großes Highlight :-)...mal sehen wie das Liebesbier dann ankommt

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