Interview: Mit 150.000 € in den Miesen!

Marian Krause über den steinigen Weg zur eigenen Bar.

Marian Krause über den steinigen Weg zur eigenen Bar

Interview: Benjamin Brouër 

Mit der Bar „The Grid“ hat Marian Krause Köln ein weiteres Bar-Highlight geschenkt. Doch ehe sich die Türen im Herbst 2018 auf der belebten Friesenstraße öffnen konnten, galt es einige Unwägbarkeiten zu umschiffen.


FIZZZ: Du hast Deine eigene Bar „The Grid“ in Köln eröffnet, obwohl du eigentlich gar nicht Barbetreiber werden wolltest.
Marian Krause: Ja, mit dem, was wir in meiner Firma Shake Kings machen, also mit Barkursen, Consulting für Gastronomen und Unternehmen und Caterings, war ich eigentlich sehr glücklich.

FIZZZ: Warum dann doch?
Krause: Der Eigentümer des Hauses, in dem heute die Bar „The Grid“ zu finden ist, hatte mich beauftragt, ein Konzept für die Gastronomiefläche zu erstellen, da diese seit längerer Zeit nicht lief. Im Mai und Juni 2017 haben wir das Konzept geschrieben und im Juli dann samt Interior-Entwurf, Corporate Design und Finanzplanung vorgestellt. Damit war die Sache eigentlich erledigt.

FIZZZ: Eigentlich…
Krause: Ja, genau, denn zwei Monate später hat sich der Hauseigentümer wieder gemeldet und gefragt, ob ich die Bar nicht auch selbst betreiben wolle. Ich habe echt mit mir gerungen und die Entscheidung letztlich an ein paar wichtige Eckpunkte geknüpft: die Finanzierungsfrage, die Absicherung, die Rollen und Funktionen der Leute, inhaltliche Fragen und das Personal. 

FIZZZ: Wie sah die Finanzierung aus?
Krause: Mit dem Getränkespezialisten Fako-M haben wir einen Finanzierungspartner gefunden, der einen Großteil des Invests übernommen hat und mit dem wir einen Getränkeliefervertrag abgeschlossen haben. Der Vermieter hat seinerseits direkte Investitionen in die Immobilie getätigt, etwa im Bereich Trockenbau, bei der Lüftungsanlage, der Elektrik etc. Einen anderen Teil haben wir über Darlehen finanziert. 

FIZZZ: Wer war außer Dir noch an der Bar beteiligt?
Krause: Wir waren zu dritt in der Gesellschaft. Außer mir waren das noch Dirk Kels und Stefan Deisenroth, die ein Designbüro haben und sich hauptsächlich um die Materialien, das Corporate Design, Interieur, Logo etc. gekümmert haben. Ich wiederum war für den gastronomischen Ablauf, das Personal, das Drinkkonzept, den Thekenbau etc. zuständig. Zusätzlich habe ich noch die Organisation auf der Baustelle übernommen.

FIZZZ: Wann fingen die Probleme an?
Krause: Eigentlich schon mit dem Umbau. Anfang 2018 haben wir angefangen, bis die wichtigsten Sachen erledigt waren, war allerdings Ende Juni. Ursprünglich wollten wir aber schon Ende April, Anfang Mai eröffnen. Da hinkten wir dem Zeitplan also bereits hinterher. Ein wesentliches Problem war die Produktion des Mobiliars, vieles davon Prototypen, das hat deutlich länger gedauert. Beispielsweise der Tresen aus Epoxidharz ist unglaublich aufwändig herzustellen. Dazu kamen unzuverlässige Handwerker unseres Trockenbauunternehmens. Zusagen wurden einfach nicht eingehalten.

FIZZZ: Was waren die Folgen?
Krause: Durch die Verzögerung hatten wir bereits zwei Monate länger Personalkosten abzudecken. Und der Umbau, insbesondere Interieur und Trockenbau, ist 120 bis 150 Prozent teurer geworden, als ursprünglich veranschlagt. Im Juni 2018 ist das dann alles bei mir gebündelt auf dem Tisch gelandet. Da habe ich das erste Mal gedacht: Oh, das wird hier richtig knapp. Ehrlich gesagt war es so, dass wir das gar nicht mehr stemmen konnten. Wir hatten ein Liquidationsloch von 150.000 Euro.

FIZZZ: Wie habt Ihr Euch aus dieser Lage befreit? 
Krause: Es gab drei Optionen. Option eins: Wir lassen die Sache in die Insolvenz laufen und haften für unsere selbstschuldnerischen Bürgschaften und Gesellschaftsanteile. Option zwei: Wir verkaufen kurzfristig. Option drei: Wir finanzieren nach – durch Banken oder Investoren – und wir verhandeln nach. Durch Stundung, Ratenzahlung und Nachverhandlung konnten wir die Summe schon einmal um knapp 40.000 Euro reduzieren. Parallel sind wir auf die Suche nach Investoren gegangen und haben als erstes bei unserem Vermieter angeklopft. Der war aber seinerzeit bewusst nicht in die Gesellschaft eingestiegen, weil er Vermieter bleiben und kein Gastronom werden wollte. 

FIZZZ: Wie war die Reaktion?
Krause: Anfangs nicht besonders begeistert. Er teilte mir mit, dass er schlechte Erfahrungen damit gemacht habe, wenn mehr als eine Person in der Gesellschaft sitzt. Dazu kam der schlechte finanzielle Stand des Unternehmens. Also hat er Bedingungen daran geknüpft, dass er Gesellschafteranteile erwirbt und finanziell einsteigt. Eine Bedingung war, dass die anderen beiden Gesellschafter aus der GmbH austreten und ihre Gesellschaftsanteile verkaufen müssen. Auf geschäftlicher und auch privater Ebene natürlich eine bedauernswerte Entscheidung, aber wenn man sich in solch ein Business stürzt, muss man sich im Klaren sein, dass so etwas passieren kann. Der Vorteil: Durch die neue Struktur können Entscheidungen jetzt viel schneller getroffen werden.

FIZZZ: Was gab es noch für Bedingungen?
Krause: Um die neue Gesellschaft zu stabilisieren, haben wir Teile der Dienstleistung, die bis dato bei Shake Kings angesiedelt waren, verlagern müssen.

FIZZZ: Du hast also Dein Main-Business für die neue Bar beschneiden müssen?
Krause: Gewissermaßen ja, der Umsatz aus den Dienstleistungen fehlt dem Unternehmen Shake Kings tatsächlich. Geschäftlich gesehen war der Schritt aber absolut sinnvoll, denn der Catering-Part hatte mit der Ausrichtung von Shake Kings als Schulungsinstitut für Aus- und Weiterbildungen und Entwicklung von Konzepten wenig zu tun. Nun können wir Shake Kings sogar staatlich anerkennen lassen. So ist aus dem vermeintlichen Nachteil sogar ein Vorteil geworden.

FIZZZ: Und dann ging es weiter…
Krause: Ja, unsere Mieten wurden erst einmal solange gestundet, bis wir die Fixkosten erreicht haben. Und im Juli 2018 haben wir dann tatsächlich zunächst soft, im Oktober offiziell eröffnet. 

FIZZZ: Welche Lehren hast Du aus der Zeit gezogen?
Krause: Ehe man mit der Umbauphase beginnt, sollte man so viel wie möglich vorgeplant haben. Bei uns ist vieles erst im Umbauprozess entstanden. Das war ein wesentlicher Fehler. Zudem sollte man den Zeitplan absolut realistisch einschätzen. Die zwei Monate Personalkosten etwa hätte man sich durch genauere Überlegungen sparen können. Wenn wir das zeitliche Management insgesamt früher geplant hätten, wären wir mit der ursprünglichen Investitionssumme von 350.000 Euro vermutlich auch hingekommen. 

FIZZZ: Bereust Du Deine Entscheidung, die Bar doch gemacht zu haben?
Krause: Nein, auf keinen Fall, mir macht es richtig viel Spaß. Wenn man sieht, in welch’ kurzer Zeit man wie viel geschafft hat, wie viel wir dazugelernt haben und wie gut sich die Bar entwickelt… Also, ich würde das immer wieder machen, vielleicht ein bisschen überlegter.