Kommentar: Brouërs Corner

Mut zur Kritik

Kürzlich war ich in einem Caféhaus zu Gast. Es war an sich ein angenehmer Besuch: Atmosphäre authentisch, Kuchen sehr frisch und lecker, Service aufmerksam und freundlich. Und der Cappuccino? Eine absolute Katastrophe. Zu heiß, zu bitter, zu sonst was. In einem Caféhaus, wohlgemerkt. Woran lag’s? Offensichtlich an den zu dunkel gerösteten Standardbohnen, zudem an der Überextraktion des Kaffees – und nicht zuletzt an der mangelnden Fähigkeit Milch aufzuschäumen. Kurz: Ein Komplettversagen in der eigentlich zu erwartenden Kernkompetenz. Da habe ich mich gefragt: Warum betreibt man ein Caféhaus, wenn man keine Ahnung von Kaffee hat? Und warum hält sich der Laden seit einer gefühlten Ewigkeit? Die Antwort auf die zweite Frage habe ich mir im Prinzip selbst geliefert, und zwar indem ich schwieg, die mangelnde Qualität nicht kritisierte. Aus Bequemlichkeit? Aus Höflichkeit und um das freundliche Personal nicht zu brüskieren? Vermutlich. Aber damit ist niemandem geholfen. Um die Qualität in der Gastronomie zu verbessern, braucht es offene Kritik von mündigen Gästen. Beim nächsten Mal, versprochen! 
 
Benjamin Brouër 
Stv. Chefredakteur
brouer@fizzz.de