Kommentar: Es lebe das Handwerk?

Kommentar Alexander Thürer, Redaktion fizzz

Können Sie sich noch an den letzten großen Trend in Sachen Spirituose erinnern? Na? Richtig, Super-Ultra-Premium musste alles sein. Heute ruft das höchstens noch ein müdes Gähnen hervor, denn wer jetzt etwas auf sich oder sein Produkt hält, der schreibt „Handcrafted“ drauf. Handwerklich hergestellt ist das Zauberwort, das die Herzen und Geldbeutel der Kunden öffnet.

Mir stellen sich da allerdings zwei Fragen: Wie viele Me-too-Produkte verkraftet dieser Handmade-Trend noch – egal ob im Spirituosen- oder Biersegment? Und: Taugt das überhaupt als Qualitätsmerkmal? Bei Bier trifft das sicherlich am ehesten zu, entfachen die vielen „neuen“ Sorten doch zurecht eine wahre Bier-Euphorie. Doch bei der Spirituose bin ich da skeptischer. Nur weil man seinen Sprit in einer kleinen Brennblase im Hinterhof einer Großstadt zusammenrührt, heißt das noch lange nicht, dass man bei den hohen Qualitätsstandards der Big-Player mithalten kann. Viel mehr als ein Hauch Revoluzzertum bleibt nach der mit der ersten Flaschen gestillten Neugier oftmals leider nicht – und das schadet dem Craft-Image, bevor es überhaupt so richtig Fahrt aufnehmen kann.

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