Kommentar: Im Brigadenfeuer

Im Brigadenfeuer

Kürzlich hatte ich die Ehre, im Restaurant eines sehr angesehenen 5-Sterne-Hotels zu Mittag zu essen, was mir wieder einmal die Vorzüge der gut gemachten Trendgastronomie vor Augen geführt hat. Aufmarsch der Service-Brigade. An der Spitze dieses „kleinsten militärischen Großverbands des Heeres“ (Wikipedia) vorwegschreitend: die Anführerin mit herrischem Blick und Klemmbrett unterm Arm. Generalstabsmäßig schreitet die Brigade jede Position der abrupt zum Verstummen gekommenen Tafel ab. „Vorspeise? Hauptspeise? Dessert?“ Ich ziehe den Kopf ein und versuche durch möglichst unkomplizierte, zackige Antwort dem drohenden Beschuss zu entkommen. Während ich mich frage, ob die Brigadenuniform nun eher CCCP-Stil der 70er oder Kuba-Stil der 90er entlehnt ist (ist wahrscheinlich dasselbe), zieht die Truppe im Gleichmarsch ab, um das Klemmbrett samt Bestellungen ohne Verzug an die Küchenbrigade weiterzureichen. Die Maschinerie setzt sich in Bewegung, die Truppenleistung ist ohne Tadel – leider allerdings auch ohne jegliche Emotion. Die Schlacht ist vorbei, draußen beginnen wir wieder zu sprechen.

Benjamin Brouër
Stv. Chefredakteur
brouer@fizzz.de

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