Kommentar: Keine Selbstverständlichkeit!

Alexander Thürer: Keine Selbstverständlichkeit!

Von Trinkgeldern, Neidpusteln und der Freiheit "Nein" zu sagen

Waren Sie schon mal in den USA essen? Dann haben Sie als Deutscher bei gut 20 Prozent Trinkgeld zusätzlich zur Rechnung sicher mal kurz geschluckt. Das Tolle ist: Bei solchen Trinkgeldsummen bekommen Servicekräfte hierzulande regelmäßig dicke Neidpusteln. Das Argument: Üppiges Trinkgeld sollte doch verdammt noch mal selbstverständlich sein, sichert es der Servicekraft schließlich nicht nur einen gewissen Lebensstandard, sondern ist es doch vor allem Anerkennung der Leistung!

Recht habt ihr! Ich belohne gerne gute Seviceleistungen. Aber erstens bekommen Kellner in den USA, anders als in Deutschland, meist einen geringen Grundlohn und leben zum großen Teil vom Tip. Und zweitens will ich als Gast die Freiheit haben, einen schlechten Service nicht auch noch durch einen Zwangsobolus belohnen zu müssen. Anerkennung? Gerne, wenn es denn auch etwas anzuerkennen gibt! Geht mir die Entspannung wegen einer miesen Kellnerleistung flöten, muss das Trinkgeld auch mal ausfallen dürfen, auch wenn die Mundwinkel der Servicekraft dann noch weiter nach unten rutschen.

Alexander Thürer
Redaktion Fizzz
thuerer@fizzz.de

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