Kommentar: Pro Mindestlohn

Brouërs Corner: Pro Mindestlohn

Der DEHOGA läuft seit Monaten gegen den gesetzlichen Mindestlohn Sturm. Der Branchenverband ordert zahlreiche Ausnahmeregelungen und Staffelungen – manches eher, anderes weniger nachzuvollziehen. Im Kern läuft die Argumentation aber auf das Übliche hinaus: „Mindestlöhne gefährden Arbeitsplätze.” Ein Totschlagargument, mit dem noch jede sinnvolle Neuerung totgeredet wurde.

In der Gastronomie zu arbeiten, ist häufig hart: Arbeiten in Schichten, oft abends oder nachts, am Wochenende. Überstunden, oftmals unbezahlt, gehören zum Standard. Um auch in Zukunft geeignete Kräfte für unsere Branche gewinnen zu können, ist eine angemessene Mindestbezahlung absolut notwendig. Die Gastronomie darf nicht zum Niedriglohnsektor verkommen! Statt der oben genannten DEHOGA-Formel zu folgen, vertraue ich auf folgende Gleichung: Angemessene Bezahlung gleich engagierte Mitarbeiter gleich bessere Leistung gleich zufriedene Gäste. Gleich: Guter Umsatz für den Gastronomen. Hoffentlich geht die Rechnung auf!

Benjamin Brouër
Stv. Chefredakteur
Brouer@fizzz.de

Kommentare

In der Gastronomie müsste dringend was passieren.
Was ich in den letzten 10 Jahren Gastro-Odysee erlebt habe, ist aus Arbeitnehmersicht komplett unakzeptabel. Die meisten, die dort arbeiten haben aber leider nicht wirklich eine andere Wahl und lassen entsprechend viel mit sich machen. Ich hatte vor meinem letzten Jobwechesl keinen Bock mehr auf 30-40% Schwarzgeldlohn und daher habe ich mal in die Systemgastro reingeschnuppert und dafür dann ähnliches erlebt, wie Wallraff bei BurgerKing. Warum ist es erlaubt das Menschen in Deutschland 7,55 brutto (Manteltarif Systemgastronomie) pro Stunde verdienen? Warum ist es in Deutschland erlaubt, das 60 % der Mitarbeiter in einem Unternehmen Teilzeitverträge bekommen obwohl sie mehr als Vollzeit arbeiten müssen? Der Arbeitgeber spart dadurch ein Viertel des Urlaubsgeldes. Arbeitsunfähigkeitsbescheinigngen werden in den Müll geworfen - Wer zahlt einen Aushilfen denn Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder Urlaubsgeld? Das ist die total Ausnahme! Festangestellte bekommen keine Feiertage vergütet und auch keinen Freizeitausgleich. Überstunden? Kostenlos! Urlaubsgeld? 0! Jederzeit verfügbar, erreichbar sein, in der Freizeit herzitiert werden mit Drohung von Abmahnung, wenn man keine gute Ausrede hat. 13 Stundenschichten! 60 Stundenwochen! Azubis im 5SterneHotel arbeiten 11 oder 13 Stunden am Stück, müssen morgens wieder ran, dürfen sich aber nur 8 Stunden aufschreiben und müssen das abzeichnen, man würde ich ja sonst strafbar machen. Unterschreibt einer nicht - gibts Konsequenzen - Ausschluss vom Trinkgeld, Zuteilung der übelsten Schichten oder minderwertigen Aufgaben bis hin zur Abmahnung. Alles selber erlebt!!! Ich möchte in dieser Branche nicht mehr arbeiten! echt nicht!

Schlimm finde ich auch das der oft unerbittliche Gast schön darüber hinwegsieht und die Augen verschließt. Vermutlich liegt das darin begründet das es nur noch die Hälfte der Gastro-Betriebe gäbe und er für eine Tasse Kaffee über 5,00 EUR zahlen müsste, wenn in der Gastro die gleichen Bedingungen herrschen würden, wie in der Industrie oder im ÖD.

Trinkgeld? Wird in der klassischen Gastro immer weniger. es gibts immer mehr Gäste denen es nicht im geringsten peinlich ist, sich 10cent rausgeben zu lassen. Bei ec Zahlung denken viele, sind sie eh ausm Schneider. Banketts, feiern, Hochzeiten überweisen später. Tringkgeld wird vergessen!
In der Systemgastro machtb das Trinkgeld bei einem festangestellten im Monat ca. 40 EUR aus. Bruttolohn 1100,00.

Hallo Chris,

vielen Dank für deinen Bericht. Echt erschreckend, was da teilweise in unserer Branche abgeht. Wir bleiben am Thema dran.

Beste Grüße, B. Brouer

Einen ganz interessanten Artikel dazu habe ich auch auf http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2014-07/30889206-mindestlohn... gefunden. Es bleibt abzuwarten, zu welcher Entscheidung man hier am Ende kommen wird. Ich werde das Thema auf jeden Fall weiter verfolgen.

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