Kommentar: Thürers Attacke

Thürers Attacke

Wenn der Seppl Lobby macht

Wer mehr Geld hat, muss auch mehr Steuern zahlen. So weit, so fair. In der Gastronomie jedoch sieht die Sache ein wenig anders aus. Kann man sich hier als Gast nämlich einen Stuhl und einen Porzellanteller leisten, um sein Essen dekadent im Sitzen zu verspeisen, zahlt man 19 Prozent Mehrwertsteuer. Stopft man es sich aber im Stehen vor der Tür in den Schlund, sind es nur sieben. So richtig einleuchten wollte das zwar noch nie, die zahllosen Fast- Food-Ketten und Imbisse jedoch freut das immerhin schon so lange, dass jetzt sogar der Branchendino DEHOGA erkennt, dass man hier mal was ändern müsste. Die Lösung? Eine Online-Petition! Die notwendigen 50.000 Stimmen hat man quasi sicher – obwohl man mal wieder nichts Besseres weiß, als den Kampf gegen das Restaurantsterben mit aufs Tablett zu packen. Wie das Ganze mit dem Vorsatz zusammenpasst, Steuerersparnisse an den Gast weiterzugeben, wird dann ebenso wenig aufgelöst, wie das Paradox, nach dem eine Steuersenkung angeblich Verpackungsmüll vermeiden soll, ohne diesen teurer zu machen. Das versteht man wohl nur in Bayern.

Alexander Thürer
Redaktion fizzz
thuerer@fizzz.de