Kommentar: Wo sind die Profis?

Jörg Kalinke, Bartender & Autor

Der Beruf des Restaurantfachmanns bzw. der -fachfrau wird in den kommenden Jahren auslaufen. Überhaupt ist das Hotelfachgewerbe in einigen Städten sehr schwierig zu besetzen. Quereinsteiger bereichern immer einmal wieder die Branche, aber das sollte in einem soliden Ausbildungsgefüge nicht das Ziel sein. Kurz: Guter Nachwuchs ist schwierig zu finden.

Das liegt an zwei Faktoren: Erstens werden die Anforderungen durch mangelnde schulische Ausbildung und elterliche Erziehung schlicht nicht mehr erfüllt, und zweitens genießt das Gastgewerbe in Deutschland einen dermaßen schlechten Ruf, dass einem Ausbilder regelrecht schlecht werden muss. Wer seinem Vorgesetzten und Ausbilder auf eine Frage mit einem dummdreisten „WAS?“ antwortet, ist entweder mit dem ICE durch die Kinderstube gerast oder bekommt es in seiner Umgebung eben so vorgelebt. Vor allem kann ein Gast dann kein goeth’sches Zitat von eben dieser Servicekraft erwarten.

Etikette und Respekt sind zu Fremdwörtern geworden. Alte Werte, ohne die eine Gastronomie nicht funktionieren kann.

Jörg Kalinke
Bartender & Autor
kolumne@fizzz.de

Kommentare

Es ist leider so, dass die Hoga-Branche im DGB-Ranking der Top-25-Ausbildungsberufen seit Jahren Schlusslicht ist - in Sachen Arbeitszeiten, Vergütung und Karriereoptionen schätzen junge Menschen viele andere Branchen als weitaus attraktiver ein. Dabei sind Werte wie Etikette und Respekt, das zeigen aktuelle Jugendstudien (und auch Jean George Ploners Statement im Beitrag "Motivation" in der aktuellen Ausgabe - der "Generation Y" alles andere als unwichtig. Es sind seiner Meinung nach Menschen, die Werte lieben und gewinnen wollen. Mann muss sie nur gewinnen lassen können. Muss daher nicht die Branche selbst dafür sorgen, ihren schlechten Ruf loszuwerden und für junge Menschen wieder attraktiv zu werden?

Das sehe ich - sorry Jörg - ähnlich. Es ist sicherlich falsch, die Schuld immer nur bei den Bewerbern und dem "ungebildeten" Nachwuchs zu suchen. Ich will mir zwar gar nicht nicht vorstellen, was sich Arbeitgebern oftmals für ein Bild des Jammers bietet, wenn sie in die Reihen der potenziellen Nachwuchskräfte blicken.

ABER: Wer gute Leute will, muss diesen auch etwas bieten. Es muss ein beiderseitiges Geben und Nehmen sein. Herablassende Nachwuchsarbeit nach "Gutsherrenart" tut sich heute keiner mehr an, schon gar nicht, wenn er die Wahl hat.

Ich erlebe die Situation gerade am eigenen Leib. Grundsätzlich gebe ich euch beiden vollkommen Recht: Die Branche schwächelt enorm, wenn es um die Nachwuchsarbeit geht. Aber der Ausbildungsbetrieb erfährt die mangelnde Lobby-Arbeit (ich möchte jetzt keinem Verband DIREKT ans Bein pinkeln) lässt Bewerber in die die beiden Ausbildungsberufe kommen, die als Bodensatz nur sehr freundlich beschrieben sind: Mangelnde Umgangsformen sind hier nur die spitze des Eisberges. Sicher gibt es junge Menschen, die eine hervorragende Umgangsform haben, aber diese bewerben sich eben leider oftmals nicht in der Gastronomie.

Ausbildung muß Spaß machen und Leidenschaft wecken, aber dem Auszubildenden muss auch klar sein, das er oder sie ja etwas lernen möchte, also sind Fragen und immer wieder Fragen nötig. Fragt mein Team!

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