Krisenmanagement: Axel Ohm und Patrick Rüther über Konzepte nach Corona

Patrick Rüther Axel Ohm Überquell

„Wir sehen keinen neuen Cocooning-Trend“

Axel Ohm & Patrick Rüther, Überquell (Hamburg), über Konzepte nach Corona

Welche langfristigen Auswirkungen wird die derzeitige Krise auf die Konzeption von Gastronomieobjekten und deren Angebot haben?

Aktuell kann kein Gastronom langfristig denken, denn die Krise ist für jeden Unternehmer existenzbedrohend. Vor wenigen Wochen hat es noch keiner für möglich gehalten, aber jetzt geht’s ums nackte Überleben. Unsere Gastronomie-Branche trifft es deshalb so heftig, weil aufgeschobene Käufe nicht nachgeholt werden können.

Wir wagen dennoch einen Ausblick auf die Zeit nach der Corona Pandemie: Die Grundbedürfnisse, eine Gastronomie zu besuchen, um andere Menschen kennenzulernen bzw. außerhalb des Haushalts zu treffen, sich durch Food & Beverages, Ausstattung, Design, Kunst inspirieren zu lassen und Gemütlichkeit zu spüren, werden noch bedeutender. Gleichzeitig wird das Kneipen- und Gastrosterben stärker zunehmen. Durch die steigende Arbeitslosigkeit bei gleichzeitig weniger Objekten und Einzelhandelsunternehmen verringert sich die Personalnot in der Gastronomie.

Die geringere Kaufkraft führt dazu, dass günstige Gastro-Economy-Konzepte überproportional wachsen. Allerdings werden auch authentische, individuelle regionale und faire Konzepte wachsen, der Besuch einer individuellen Gastronomie wird aber etwas Besonderes sein.

Die Konzeption von Gastronomieobjekten sollte das sich verändernde Urlaubsverhalten berücksichtigen, denn zukünftig wird es weniger Fernreisen und mehr Urlaub in Deutschlands Regionen geben.

Veränderte Bedürfnisse der Gäste bedeuten neue Chancen und Angebote für die Gastronomie, wie z.B. kuratierte On- & Offline-Angebote mit Tastingboxen bis zu Mobilitätsangeboten (Fahrradservice-Stationen).

Wie können sich Gastronomieobjekte in Zukunft für vergleichbare Szenarien wappnen? Wie macht man sich krisensicher?

Indem sie die Fixkosten geringhalten, flexible Miet-, Service- und Lieferverträge abschließen und zudem Versicherungsverträge, die Betriebsschließungen bei Pandemien beinhalten.

Welche Konsum-/Verhaltensänderungen der Gäste erwartet Ihr und wie stellt Ihr Euch darauf ein?

Die Kaufkraft und das Konsumverhalten werden sich verändern, daher müssen wir uns noch eindeutiger positionieren und klarmachen: Für diese Werte steht unser Team, unsere Brauerei und Marke. Das kannst Du von uns erwarten, lieber Gast. Das treibt uns als Gastgeber an.

Wird es zu einem länger anhaltenden Rückzug ins Private kommen? Müssen Intimität und Geborgenheit in Zukunft in der Gastronomie eine noch größere Rolle spielen?

Die Folgen von Corona und die Traumatisierung einiger Bevölkerungsgruppen werden noch lange zu spüren sein. Für diese Gruppe bedeutet es eher den Rückzug ins Private. Auf unsere Situation bezogen bedeutet es aber, dass wir als aktive Gastronomen immer den Austausch mit anderen Gastronomen und Brauern, Partnern, Lieferanten und Gästen suchen, Perspektiven entwickeln und uns inspirieren lassen wollen. Wir sehen keinen neuen Cocooning-Trend, sondern ein aufmerksameres Miteinander und eine Chance für Gastronomen und Brauer, als Gastgeber für die Straße, Stadtteil, Bezirk, Hood, Community, Stadt oder Region mehr Verantwortung zu übernehmen.

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