Krisenmanagement: Stephan Hinz über Bars in der Krise und was jetzt zu tun ist

Stephan Hinz

„Die Konzerne müssten jetzt gesammelt die Gastronomie unterstützen“

Bar-Profi Stephan Hinz (Cocktailkunst, Hinzself, Little Link) über die Corona-Krise, die Rolle der Industrie und Cocktails zum Abholen.  

Die Bars trifft es in der momentanen Situation besonders hart, wurde doch bereits vor ein paar Tagen die komplette Schließung angeordnet – im Gegensatz zu Restaurants, die zumindest noch eingeschränkt öffnen dürfen. Wie beurteilst du dieses Vorgehen?
Einheitliche Regelungen für alle Betriebe deutschlandweit wären für alle besser. Auch die Restaurantbesitzer können momentan nicht vernünftig planen. Viele fordern daher selbst die komplette Schließung. Natürlich müsste hierfür ein finanzieller Ausgleich von Seiten des Staates her.

Viele Bars fürchten um ihr Fortbestehen. Aus deiner Erfahrung: Wie lange kann eine Bar eine solche Situation überstehen? Wie groß sind die finanziellen Polster?
Das ist von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich. Aber gerade die kleineren Betriebe leben von Monat zu Monat und haben keine Rücklagen. Eine längere Auszeit werden diese Unternehmen ohne weitreichende finanzielle Unterstützung nicht überstehen.

Welche Direktmaßnahmen habt Ihr nach Bekanntwerden der Schließung getroffen? Welche Regelungen habt Ihr beispielsweise mit dem Personal vereinbart?
Wir haben schon mehrere Wochen vor der Schließung Gespräche mit der Bank zu eventuellen Finanzierungsmöglichkeiten geführt, falls sich die Lage verschärft. Als die Schließung abzusehen war, haben wir im Team gemeinsam einen Maßnahmenplan erstellt. Zurzeit bieten wir einen Abhol- und Lieferservice für Cocktails an, um den entstandenen Schaden zumindest minimal zu begrenzen. Ich plane aber, das komplette Personal zu halten.

Es wird empfohlen, den Zustand der Bar bei Schließung genau zu dokumentieren und fortan wichtige Parameter, also weiterlaufende Kosten, festzuhalten. Was habt Ihr gemacht?
Das sind einige Punkte. Wir haben intern eine lange Checkliste erstellt. Gerne stellen wir diese Liste auch unseren Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung.
>> HIer geht's zur Checkliste für Barbetriebe zu Schließung und Kosteneinsparung 

Welche finanziellen Lösungen seitens des Staates würden Euch wirklich helfen? Wie seid Ihr über geplante (oder beschlossene) Maßnahmen informiert?  
Die Informationslage ist dürftig. Updates erfolgen immer noch in kleinen Häppchen. Das erzeugt Unruhe und macht die Planung schwierig. Helfen würde die Übernahme von Fixkosten, Lohnkosten, Sozialabgaben und Steuern, so lange der Betrieb nicht mehr möglich ist.

Gibt es bereits Signale aus der Zulieferindustrie, besonders der Spirituosenindustrie, der Barbranche zu helfen? Wie könnten Vereinbarungen aussehen?
Hier passiert erstaunlich wenig. Die Industrie scheint noch nicht begriffen zu haben, dass sie gerade einen riesigen Teil ihrer Kunden verlieren könnten. Die Konzerne müssten jetzt gesammelt die Gastronomie unterstützen, auch über Unternehmensgrenzen hinweg. Vereinbarungen müssen individuell abgesprochen werden. Jetzt hilft direkte finanzielle Unterstützung, wenn der Betrieb wieder losgeht, können Rabatte helfen, die entstandenen Verluste langsam wieder auszugleichen.

Restaurants können zumindest noch versuchen, das Liefergeschäft zu verstärken. Was bleibt den Kneipen und Bars? Siehst du alternative Einnahmequellen?
Weder bei Restaurants noch bei Bars kann das Liefergeschäft den normalen Betrieb ansatzweise ausgleichen. Das ist eine Notlösung, die nicht für längere Zeit tragbar ist.

Wie geht man mit der zeitlichen Ungewissheit der Maßnahme um? Wie kalkulierst du intern die Situation?  
Neben der Bar betrifft die Situation natürlich auch unser Agentur- und Produktionsgeschäft. Den täglichen Betrieb planen wir hier von Woche zu Woche. Daneben haben wir einen langfristigen Plan, falls die Krise bis zum Sommer andauert. Aber die Ungewissheit macht die Umsetzung mühsam.

Welche Schlussfolgerungen muss die gesamte Gastrobranche aus der momentanen Situation ziehen? Kann man sich, wie kann man sich vor solch einer Notlage besser schützen?
Die Gastronomie ist ein extrem personalabhängiges Geschäftsfeld mit wenigen Rücklagen und darum besonders anfällig. Wirksamen Schutz kann die Gastronomie nicht unabhängig von anderen Branchen erreichen. Aber die Gastronomie könnte sich besser vernetzen, um politische Forderungen wie die Mehrwertsteuersenkung effizienter durchzusetzen und so langfristig finanziell etwas Stabilität zu gewinnen.

 


Not macht erfinderisch: Cocktails für die Quarantäne aus dem "Little Link", Köln

Stephan Hinz und sein Team reagierten schnell und kreativ auf die Auswirkungen des Corona-Virus. Mit seiner Firma Cocktailkunst und seiner Bar Little Link bietet er genussbewussten Kölnerinnen und Kölnern seit Mitte März eine hochwertige Alternative zu Getränken aus dem Supermarkt und bringt mehr Lebensqualität in die eigenen vier Wände. Wer möchte, kann die preisgekrönten Drinks aus dem "Little Link" ab sofort vorbestellen und fertig verpackt abholen oder sich liefern lassen. Auf Wunsch ist auch eine kontaktlose Lieferung möglich, bei der die Pakete einfach vor der Haustür abgestellt werden. Höchste Hygienestandards sind bei der Zubereitung natürlich selbstverständlich. Kunden aus der Nachbarschaft können sich ihre Getränke auch ganz spontan abholen, die Abfüllung erfolgt direkt am Fenster der Bar in den eigenen Becher. Das Sortiment reicht dabei von edlen Klassikern wie Negroni und Manhattan bis zu innovativen Eigenkreationen mit Gewürzen und Kräutern.

Aktuelle Infos zum Cocktailgenuss zuhause gibt es in auf der neuen Website: www.littlelink.de