Krisenmanagement: Support, Support! Initiativen in Krisenzeiten

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Die Gastronomie macht derzeit die denkbar größte Krise durch und kämpft ums Überleben. Allerorten entstehen kreative Ideen, wie die Betriebe nicht ganz ausbluten. Eine Übersicht.

Besonders hart treffen die Auswirkungen des Coronavirus die Getränkegastronomie. „Gerade kleine und mittelgroße Betriebe verfügen nicht über die Rücklagen, um diese Krise alleine zu überstehen“, sagt Stephan Hinz, Kölner Barbetreiber (Little Link), Consulter und Produktentwickler. „Aber gemeinsam können wir diese Situation ändern!“ Mit seiner Firma Cocktailkunst hat er kurzerhand die Initiative BARBACK ins Leben gerufen: eine Plattform, um bedürftigen Unternehmen aus der Getränkegastronomie die dringend benötigte finanzielle Hilfe zukommen zu lassen und sie beim Neustart nach der Schließung zu unterstützen – so lautet der Claim auch „We bring the bar back to life!“

Über BARBACK haben Gäste und Unternehmen die Möglichkeit, für einen Gastronomiebetrieb ihrer Wahl zu spenden. Unter dem Motto „Das Glas ist halbvoll!“ möchte Hinz Hoffnung für einen Neubeginn schaffen. Jeder gelistete Betrieb gibt vorab transparent die benötigte Summe für die laufenden Kosten und Verbindlichkeiten an. Der aktuelle Spendenstand ist abrufbar. Für Spenden und weitere Unterstützung werden daher auch nur Betriebe zugelassen, die ihre Informationen bereitstellen. Große Systemgastronomen oder Hotelketten werden mit BARBACK nicht gefördert. Unterstützt wird BARBACK von zahlreichen Partnern aus der Getränkeindustrie, die unternehmensübergreifend die Vielfalt der deutschen Gastronomie erhalten möchten.

Die Plattform soll in Kürze freigeschaltet werden. Updates gibt es hier bei www.fizzz.de oder über die Facebook-Seite von Stephan Hinz.

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Ganz frisch online gegangen ist eine weitere Hilfsaktion für die Barszene: Hinter der Non-Profit-Initiative „Support your local bar!“ (SYLB) steht ein breites Bündnis aus Industrie, Agenturen und Medien, darunter die FIZZZ und MIXOLOGY. Das Ziel: unkomplizierte Soforthilfe für BarbetreiberInnen und ihre Teams. Der Gedanke: Supporter unterstützen mit einem Klick per Paypal ihre Lieblingsbars. SYLB stellt die Plattform zur Verfügung und verbreitet sie durch ihre starke Reichweite innerhalb der Szene sowie beim Endverbraucher. Also jenen, die ansonsten in der Bar sitzen würden. Sie sollen ihre bedrohten Lieblingsorte mit einem virtuellen Trinkgeld von zu Hause aus unterstützen.

Alle Infos auf der Facebook-Seite, hier geht's zur Registrierung für Betriebe.

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Die eigene Existenz retten und dabei noch anderen Menschen helfen – dieses Ziel verfolgen die Kitchen Guerilla mit ihrer Aktion #SoliKüche. In der #SoliKüche bereitet das Hamburger Team einzeln verpackte Essens-Pakete für Wohnungslose und Bedürftige zu – darin ist je eine vollwertige Mahlzeit sowie frisches Obst enthalten. „Einige unserer sehr solidarischen Kunden stellen uns dafür Ressourcen zur Verfügung“, erklären Onur und Koral Elci. „So können wir zumindest noch einige unserer Mitarbeiter beschäftigen.“ Mittlerweile wurde die Aktion erweitert und die Essens-Pakete aus der #SoliKüche stehen offiziell zum Verkauf. Ein kleiner Betrag vom Verkaufspreis geht direkt an die Kitchen Guerilla. „Damit wollen wir in keiner Weise Profit generieren. Es geht darum, unsere Existenz zu sichern und Arbeitsplätze zu erhalten.“

Für 7 Euro kann jeder ein Essens-Paket aus der #SoliKüche über den Shop auf der Website www.kitchenguerilla.com ordern. Die Mahlzeiten werden dann an Initiativen für Wohnungslose und Bedürftige weitergegeben, die wiederum dafür sorgen, dass eine kontaktlose Übergabe stattfindet. Transparenz ist den Hamburgern dabei sehr wichtig: So soll wöchentlich offengelegt werden, wie viele Essens-Pakete verkauft wurden und wo konkret sie hingeliefert worden sind. Aktuelle Infos dazu gibt es auf der Facebook-Seite der Kitchen Guerilla.

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Umsätze generieren trotz geschlossenem Betrieb – das bietet der Kölner Ticketanbieter ticket.io an. Unkompliziert können Unternehmen Gutscheine erstellen, die man online anbietet. Nach Wiedereröffnung des Betriebs werden diese dann eingelöst. Zudem gibt es die Möglichkeit, mit einem Charity-Ticket zu spenden und Trinkgelder für die Mitarbeiter zu geben. „Diese Gutscheine schenken Vorfreude auf die Zeit nach der Krise“, sagt Initiator Jochen Gasser. Mit an Bord ist der Branchenverband DEHOGA NRW, der das Angebot unterstützt und seinen Mitgliedern empfiehlt. Der Shop kann ohne Vorkenntnisse ganz einfach angelegt und bedient werden. Die Shop-Links können auf der Website und den Social-Media-Kanälen frei eingesetzt werden. Mit dem eigenen Shop kann der Betreiber alle möglichen Angebote erstellen: seien es Produkte oder klassische Wertgutscheine. Kosten entstehen für den Anbieter nicht, da der Unterstützer eine geringe Gebühr zahlt. Die Gutscheine werden per Mail oder auch per Post verschickt. Mit dem Smartphone und der ticket.io-App checkt der Gastronom die Gültigkeit des Tickets.

Infos für...
Gastro: https://bit.ly/dehogagastro
Hotel: https://bit.ly/dehogahotel
Club: https://bit.ly/gutscheinshopclub

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Eigentlich würde Mario Lorek mit seinem Projekt „Gott & die Welt“ gerade ganzheitliche Seminare, Workshops, Kochkurse und Tastings geben. Nun nutzt er seine Erfahrungen aus 20 Jahren Gastronomie, um ideenreich die Krise zu überbrücken. So setzte er mit Unterstützung von Experten kurzerhand einen Online Shop auf, mit dem er seine eigentlichen Gäste, Freunde und Bekannte dazu anregen wollte, ihn mit dem Kauf von Produkten weiterhin finanziell zu unterstützen. „Schnell war mir klar, dass der Online-Shop auch für alle anderen Gastronomen interessant wäre, die keine Möglichkeit haben Produkte online zu verkaufen“, so Mario Lorek.

Auf www.supportyourgastwirt.com/shop/ können Kunden jetzt Gastronomen unterstützen, indem sie Produkte kaufen und im Warenkorb den individuellen Gutschein Code des Gastronomen verwenden. Die Gastronomen haben so die Möglichkeit, ihre Gäste dazu zu bewegen, T-Shirts, Pullover, Postkarten oder einen Limettenlikör zu kaufen, um sie finanziell zu unterstützen. Der Gastronom bekommt so seinen Anteil. Abgerechnet wird zwei Mal die Woche, somit ist sofort Umsatz in der Kasse. Auf der Seite gibt es außerdem die Möglichkeit, seinen „Lieblingswirt“ mit einer frei wählbaren Spende zu unterstützen. Jeder Gastronom bekommt seinen eigenen Paypal Spenden Button und direkt über das Geld verfügen. Das Einbinden des Gastronomen auf der Website ist kostenlos!

Weitere Infos auf der Facebook-Seite „GASTRO AFTER CORONA“ 

Infos für Kunden:

Infos für Gastronomen:

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Ähnliche Möglichkeiten bietet auch die Internetseite stoyl.de (für „save the ones you love“). Dort können Gastro-Gutscheine sowohl angeboten als auch erworben werden. Entwickelt wurde die Plattform von der Firma NwBiz. Die Betreiber der Seite geben an, nur einen kleinen Anteil des Umsatzes zur Deckung der Kosten einzubehalten. Aktuell umfasst das Angebote Gastronomien aus Hamburg und Hannover.

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Für die Restaurants ist die Abholung und Lieferung von Speisen momentan die einzige Möglichkeit, Umsatz zu machen. Was Gastronomen dafür brauchen, ist Software, Hardware und Services, um rasch ihr Außer-Haus-Geschäft auf die Beine stellen zu können. Damit das schnell und unkompliziert funktioniert, stehlt der Ahauser Softwarehersteller Tobit.Software diese jetzt mit dem Projekt „Ronomie“ (die Gastronomie ohne Gast) kostenfrei zur Verfügung, und zwar so lange, bis die Kunden wieder Gäste sein dürfen!

Melden können sich Gastronomen auf www.ronomie.org. Tobit-Mitarbeiter unterstützen dann bei der Einrichtung des Shops als digitale Speisekarte, der Übermittlung der Bestellungen auf unterschiedliche Endgeräte und bei der Anbindung an ein zentrales Payment-System.

Ihr habt weitere Beispiele oder Tipps? Schreibt uns über redaktion@fizzz.de!