Krisenmanagement: Was macht jetzt… Ralf Rüller?

Blickt dieser Tage sorgenvoll in die Zeitung und Zukunft: Ralf Rüller, Gründer der Specialty-Coffee-Marke "The Barn"

Was machen die Gastronomen in der Corona-Krise? Welche Maßnahmen haben sie ergreifen müssen? Wie geht's weiter?
Ralf Rüller über seine neun Cafés in Berlin, Kaffee für Krankenhäuser und was sein Unternehmen von Adidas unterscheidet.

Wie stellt sich die Situation aktuell für "The Barn" dar?
Ralf Rüller: Wie für alle anderen auch: schlecht. Wir haben alle neun Cafés geschlossen, noch bevor das offiziell angeordnet wurde. Es fühlte sich einfach richtig an, hier einen Beitrag zu leisten. Unsere Teams haben das auch so gesehen und die Entscheidung gerne mitgetroffen. Die Stimmung war wirklich sehr gut, obwohl es für alle sehr große Einschneidungen geben wird. Die größte Belastung sind die Mieten sowie die Löhne und Sozialabgaben, die für März noch auf uns zukommen werden.

Was hast Du auf welchen Wegen noch an Umsatz retten können?
Im Moment läuft alles online. Das ist allerdings in der Dimension recht überschaubar und somit nicht die rettende Lebensader. Wir arbeiten verstärkt an Vernetzungen. Das Positive in dieser schwierigen Situation ist die Kraft, die jetzt in den Communities entsteht. Hier haben wir auch viel Unterstützung z.B. durch Gutscheinverkäufe gesehen. Wichtig ist es, jetzt nicht mit Dumping-Preisen um sich zu schlagen und auf einmal aus der Not heraus, heftig zu diskontieren. Das erwartet unsere Community nicht, es ist auch keine wirkliche Hilfe, wenn die Margen für unser Rest-Geschäft auch noch wegbrechen. 

Wir haben Produkte entwickelt, wie z.B. unsere Home Office Bohnen Box  Diese Überraschungsbox enthält 4x 250g Kaffeebohnen für alle, die zuhause arbeiten. Die Tüten kommen aus den Retail-Beständen unserer Cafés und sind somit auch nicht super frisch - aber immer noch mega lecker auf unserer Geschmacks-Skala. Wir haben auch humanitäre Projekte ins Leben gerufen, wie z.B. Kaffee für Hospitale Hier können unsere Kunden online virtuelle Kaffeetassen kaufen, die wir in Kaffeebohnen umrechnen. Die liefern wir jeden Montag an die Ärzte und Pfleger der Charité und des Unfall-Krankenhaus Berlin aus. Schließlich müssen diese gut koffeieniert bleiben!

Was kann der Verkauf von Röstkaffee auffangen?
Der B2B-Bereich ist ja quasi über Nacht weggebrochen, obschon wir international breit aufgestellt sind und manche Regionen weniger betroffen sind. Es gibt einige, wenige B2B Kunden, die einen neuen Zugang zu Lieferservices oder den Online-Handel gefunden haben. Mit diesen arbeiten wir eng zusammen. Ein langjähriger Kunde von uns in London hat einen Food-Delivery-Service gestartet und seine täglichen Servings damit fast verdoppelt. Das hätte dort niemand erwartet. Mit Sorge schauen wir auch auf unsere Rohkaffee-Lager und es fällt schwer, für die neue Saison eine Prognose abzugeben. Wer in diese Glaskugel schaut und etwas vorhersagen kann: Bitte Info an mich.

Welche Regelungen hast Du mit Deinem Personal getroffen?
95% unserer Mitarbeiter sind im Kurzarbeiter-Geld. Wir wollten hier niemanden entlassen, auch wenn der Einschnitt sehr hoch ist für alle. Ich habe vor einer Woche einen virtuellen Tip-Jar gestartet, das war wichtig für die Moral. Es sind aber auch schon 1.500 Euro gespendet worden. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein, tut aber der Seele gut.

Was werdet Ihr voraussichtlich an finanzieller Unterstützung bekommen? Auf welchen Wegen?
Es gibt keine Unterstützung für alle, die mehr als 10 Mitarbeiter haben. Liquiditätshilfen sind nur eine kurzfristige Verlagerung des Problems. Es ist ja nicht so, dass nach der Krise auf einmal doppelt soviel Kaffee getrunken wird, um den Konsum nachzuholen. Und ich würde sagen, dass nur Firmen wie Adidas oder H&M so starke Rechtsabteilung haben, dass sie einen Mietverzicht durchsetzen können.

Wir müssen also jetzt Umsätze generieren und die Kosten so niedrig wie möglich halten. Kauft also bitte alle unseren Kaffee online - wir haben den besten der Hauptstadt. Unser Kaffee-Abo ist ein wirklich guter Deal. 

Wie wird es nach dieser Zeit weitergehen? 
Die Zeit nach Corona wird ganz klar anders aussehen. Die Rezession wird tief greifen, der Tourismus wird lange ausbleiben und das ist für uns in Berlin ein ganz wichtiger Faktor. Meine persönliche Hoffnung ist, dass wir als Gesellschaft und Menschen wieder stärker zueinander finden. 

https://thebarn.de/


Kaffee für die Berliner Hospitale spenden!
Mit „Kaffee für Hospitale“ hat Ralf Rüller eine humanitäre Initiative in der Krisenzeit ins Leben gerufen. "Es ist von hoher Bedeutung, jetzt diejenigen zu unterstützen, die am dringendsten gebraucht werden: Ärzte und Pflegepersonal", sagt Rüller.
Und so geht's: Jeder kann online 10, 30 oder 50 virtuelle Kaffeetassen für das Personal der Charité und des Unfallkrankenhaus Berlin spenden. Jeden Montag liefert das Team von "The Barn" die Kaffeebohnen in die beiden Krankenhäuser, damit das Personal in dieser harten Zeit gut koffeiniert bleibt.

>> Zur Aktion "Kaffee für Hospitale"