Krisenmanagement: Was macht jetzt… Markus Bauer?

Markus Bauer, MAHAVI Group, Foto: Anne Kaiser Photography

Vom Großreinemachen, Micro-Darlehen für die Mitarbeiter und einer Absage an den Lieferdienst. So geht Markus Bauer mit der MAHAVI Group durch die Krise.

Gerade erst haben wir ihn für unsere April-Ausgabe zum Thema Zukunft des mobilen Gastro-Business und zum Foodtruck Festival Fürstenfeldbruck interviewt. Nun, ein paar Wochen später, geht es auf einmal um viel mehr – es geht um die Zukunft der Gastronomie und natürlich auch um die Zukunft seiner MAHAVI Group, die er als einer von drei Geschäftsführern leitet. Nicht weniger als sieben eigene Läden, davon einer, der gerade erst im Aufbau ist, sind von der Corona-Krise betroffen, und das diesjährige Foodtruck Festival steht ebenfalls auf wackligen Füßen.

Wie stellt sich die Situation aktuell für Euch dar, Markus?
Markus Bauer: Wir haben alle Läden geschlossen und arbeiten in der MAHAVI vom Homeoffice aus. Es gibt ein Kernteam, bestehend aus der Geschäftsleitung sowie den Stellvertretern, der Personalleitung und dem Controlling, welches alle Themen abwickelt. Aktuell haben wir noch Auftragskundengeschäft für neue Bauvorhaben und planen und bauen gerade unser neues Wirtshaus Marthabräu.

Wir nutzen die Zeit, um alle unsere Sommer- und Ganzjahresbetriebe zu reinigen und zu überarbeiten. Jeder Laden bekommt ein Rundum-Cleaning-Paket. Zudem haben wir unser Headoffice auf den Kopf gestellt und haben gerade Zeit, neue Strukturen und Themen zu bearbeiten. Gewissermaßen reinigen wir uns auf diesem Wege auch selbst und können dann gut vorbereitet ins Geschäft starten. Wir stellen uns so gut auf, dass wir „nur“ noch aufsperren müssen, wenn es wieder losgeht. Parallel läuft die gesamte Media- und Social-Media-Kampagne für alle Läden weiter. Wir versuchen damit unseren Gästen ein positives Gefühl zu übermitteln.

Wir stecken unsere Köpfe nicht in den Sand, sondern arbeiten an neuen Themen und Ideen, denn wir glauben, dass die Gastrolandschaft nach dieser Zeit eine andere sein wird. Auf diese Herausforderung stellen wir uns ein.

Was habt Ihr noch an Umsatz retten können? Habt Ihr alternative Lösungen, etwa in Form eines Lieferdienstes, gefunden?
Wir haben hier konsequent geschlossen und uns von der bayrischen Regelung, die am Anfang noch Öffnungszeiten von 6 bis 15 Uhr erlaubte, nicht blenden lassen. Um gut durch diese Phase zu kommen, geht es nur mit einer konsequenten Linie und Ausrichtung. To-go oder einen Lieferservice bieten wir bewusst nicht an, wir haben alle Themen durchgerechnet und festgestellt, dass dies für uns keinen Sinn macht. Zudem halten wir es für nicht verantwortungsvoll, die Menschen mit Essen „to go“ zu uns an die Ausgabe zu locken. Es heißt ja nicht umsonst, dass die Menschen zu Hause bleiben sollen. Einen eigenen Lieferdienst auf die Beine zu stellen, rentiert sich zu 100% nicht. Die Menschen sind momentan so sensibel, dass wir davon Abstand nehmen, jetzt mit Rabatten und To-Go versuchen, Umsätze zu generieren. Wenn die Kollegen ehrlich rechnen, dann rentiert sich der Aufwand nicht und sie verbrennen noch mehr an Geld. Unsere alternative Lösung ist, dass wir uns gut aufstellen und jetzt ganz behutsam Situation für Situation betrachten.

Welche Regelungen habt Ihr mit Eurem Personal treffen können bzw. müssen?
Wir haben mit unserem Personal sehr offen, ehrlich und herzlich gesprochen. Erst im Team in den einzelnen Läden und dann mit jedem einzelnen. Wir haben an die Mitarbeiter kleine Selbstauskünftsbögen verteilt, so dass jeder Hilfen bei uns beantragen kann. Alle Mitarbeiter haben wir zu 100% und ganz konsequent in Kurzarbeit geschickt. Sollten Mitarbeiter mit dem Budget des Kurzarbeitergeldes nicht zurechtkommen, dann können diese sich auf Basis der Selbstauskunft bei uns melden und wir unterstützen dann mit Micro-Darlehen. Uns ist es unheimlich wichtig, dass wir keine Mitarbeiter verlieren und dass wir unser Team gut durch diese Zeit bringen. Dafür geben wir alles. Wir haben auch die Mitarbeiter, die wir für unser neues Wirtshaus eingestellt haben, behalten, auch wenn sich die Eröffnung verschiebt. Als Zeichen, dass wir sie da sind – auch in schweren Zeiten. Das Schönste ist, dass unser gesamtes Team voll hinter uns steht und uns moralisch, seelisch und mit toller Energie unterstützt.

Was werdet Ihr voraussichtlich an finanzieller Unterstützung bekommen? Auf welchen Wegen?
Vorausgeschickt ein dickes Kompliment an unser Kernteam und an unsere Steuerkanzlei! Wir haben alle Themen und Kanäle angezapft. Wir waren die ersten, die sich die Umsatzsteuer für jeden Laden und jede Firma zurückgeholt haben. Wir haben sofort die Soforthilfe in Anspruch genommen und diese auch schon bekommen. Zudem pflegen wir seit Jahren einen sehr intensiven und transparenten Kontakt zu unserer Bank, so dass diese uns sehr gut begleitet. Wir haben einen Konsolidierungsplan für unsere Firmen und Betriebe aufgestellt und die finanziellen Hilfen in drei Phasen aufgeteilt. März bis Juni, Juli bis September, Oktober bis Dezember und dann eine Fortführungsprognose für 2021 entwickelt. Mit den Unterlagen und unserem Plan haben wir das erste KfW-Darlehen auf den Weg gebracht. Zu den Konditionen, wie es die Regierung versprochen hat. Zudem informieren uns täglich auf verschiedensten Kanälen. Unsere Vermieter sind zudem sehr kulant und erlassen uns die Mieten/Pachten.

Wie viel Zeit lässt sich so überbrücken?
Wir planen bis zum Ende des Jahres. Alles andere ist unrealistisch, denn alles was jetzt gestundet, erlassen und beantragt werden kann, muss ja alles wieder refinanziert werden. Da geht unser Plan schon bis 2022. Wir haben im Unternehmen das Motto #wirpackendas ausgerufen. Und genau das ist unsere Motivation. Wir schaffen das alle gemeinsam.

Wie wird es danach weitergehen? 
Aufsperren, ehrliches Geschäft machen, gute Gastgeber sein, seine Stammgäste und sein Personal pflegen, wertschätzend und dankbar sein, gute Qualität produzieren und gut wirtschaften! So wie vorher auch. Eines aber ist klar: Wir brauchen in unserer Branche unbedingt die 7% Mehrwertsteuer, sonst lassen sich die Themen schwer refinanzieren. Dafür kämpfen wir hier in Bayern mit dem DEHOGA Seite an Seite. Wenn wir das hinbekommen, dann hat die Gastronomie eine große Chance.

Wie sind die Aussichten für Euer Foodtruck Festival, das am 27. und 28. Juni stattfinden soll?
Momentan planen wir noch regulär. Unsere Partner und Trucks sind alle dabei. Aber parallel recherchieren wir gerade einen Ausweichtermin, sicher ist sicher. Und wenn es wegen der Gesundheits- und Sicherheitslage dieses Jahr nichts wird, dann freuen wir uns umso mehr auf 2021. Wir lassen uns von dieser Krise nicht unterkriegen, denn unsere Aufgabe als Gastronomen und Unternehmer ist es, für unsere Gäste da zu sein, nicht die Welt in Angst und Schrecken zu versetzen.

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