Krisenmanagement: Was macht jetzt ... Vanessa Koch?

Was macht jetzt Vanessa Koch

Was machen die Gastronomen in der Corona-Krise? Welche Maßnahmen haben sie ergreifen müssen? Wie geht's weiter? Vanessa Koch setzt mit ihrem „Hans im Glück“ auf umfangreichen Lieferservice – und Teamwork!

Vanessa Koch hat sich 2019 mit ihrem „Hans im Glück Burgergrill“ in Oldenburg selbstständig gemacht und arbeitet auch als Moderatorin und Coach mit Schwerpunkt Mitarbeiter-Training. Alle drei Bereiche sind eingebrochen, doch Vanessa ist trotz der angespannten Lage voller Tatendrang – sie hat kurz vor unserem Gespräch eine sehr erfreuliche Nachricht erhalten: Den Zuschlag für zwei kostenlose E-Roller, die von ihrem regionalen Energieversorger zur Verfügung gestellt werden. Die größte Freude daran ist für sie, zwei Mitarbeiter zusätzlich in das Lieferteam integrieren zu können, statt sie in die Kurzarbeit schicken zu müssen.

Gutes Timing: Lieferservice frisch aufgebaut

Ein Glücksfall, denn vier Monate vor dem Shut Down hat sie einen Lieferservice in Zusammenarbeit mit Lieferando als „own delivery“ Standort aufgebaut, der jetzt die wichtigste Säule ihrer Aktivitäten bildet. Anfangs war es schwierig, sie musste Fahrer engagieren (Studenten auf 450 Euro Basis), weil Lieferando in ihrer Region keine eigenen Fahrer hatte, die Bestellungen koordinieren und vieles mehr. „Das war am Anfang schrecklich, aber nach drei Wochen hatten wir das Konzept für uns optimiert“, berichtet Vanessa. Ihren alten Fiat 500 hat sie mit „Hans im Glück Oldenburg“ branden lassen und zusammen mit ihrem ebenfalls betagten Fahrrad als Lieferfahrzeug zum Einsatz gebracht.

Eineinhalb Wochen vor der staatlich angeordneten Restaurantschließung hatte sie bereits Flyer gedruckt und jedem Kunden mit der Rechnung mitgegeben. Inhalt: Wir liefern jetzt auch und sind jeden Tag von 17 bis 22 Uhr für Euch da! Nun ist ihr Lieferservice auf zwei Plattformen erreichbar: Über Lieferando und direkt über den Restaurantkontakt. „Der Minimalumsatz deckt nicht die Kosten, aber es bringt Liquidität. Wir machen aus der Situation das Allerbeste!“

Offen und klar kommunizieren ist ein Muss! 

Als professioneller Team-Coach weiß Vanessa aber auch um die Bedeutung der Mitarbeiterkommunikation, gerade jetzt: „Vor dem Shut Down habe ich eine Personalversammlung einberufen und meinen Mitarbeitern erklärt, dass auch ich Kurzarbeit beantragen muss. Aber das Gute daran ist, dass wir durch die Kurzarbeit niemanden entlassen müssen und niemanden entlassen werden. Man muss das den Mitarbeitern schon genauestens erklären! Wir Chefs beschäftigen uns mit dem Thema sehr intensiv, überrumpeln die Mitarbeiter aber schnell damit. Wir haben alles schriftlich zusammengefasst, inklusive Einverständniserklärung. Nach der Personalversammlung haben wir Einzelgespräche angeboten und mein Steuerberater hatte ein nachvollziehbares Rechenbeispiel vorbereitet. Bei den Einzelgesprächen haben sich zwei Mitarbeiter, die finanziell nicht auf den Job angewiesen sind, sogar kostenlos als Fahrer zur Verfügung gestellt. Sie sagten: „Wir wollen Dir helfen, Du bist immer für uns da.“ Und das bin ich auch: Bei mir gibt es bei Notfällen ein zinsloses Darlehen in Höhe von bis zu 1.000 Euro, in der Erkältungszeit koche ich Ingwerwasser mit Zitronensaft und Honig und kümmere mich um meine Mitarbeiter, das geben sie jetzt zurück.“

„Wir sind nur noch in einer kleinen Gruppe im Lokal, immer von 17 bis 22 Uhr mit einem Koch und zwei bis drei Fahrern, meine Betriebsleiterin oder ich koordinieren das. Um mit allen in Verbindung zu bleiben und ermutigende Nachrichten zu vermitteln, habe ich eine WhatsApp-Gruppe eröffnet. Das Team soll mitbekommen, was los ist und wie es uns geht. Das Wir-Gefühl muss unbedingt bestehen bleiben. Nähe vermitteln wir jetzt virtuell, sie sollen wissen, dass wir, wenn alles vorbei ist, mit dem gleichen Team weiterarbeiten wollen.“

Viele Vorteile als Franchisenehmer

Ist es jetzt von Vorteil, Franchisenehmer zu sein? „Zu 100 Prozent ja, denn es gibt Dinge, an die auch ich nicht denke, oder die für mich sehr aufwändig wären: Beispielsweise ein Zusatz zum Arbeitsvertrag für Mitarbeiter, die, während das Restaurant geschlossen ist, im Supermarkt arbeiten möchten. Damit haben sie die Sicherheit, ihren Arbeitsplatz hier nicht zu verlieren und ein 70 Tage ruhendes Arbeitsverhältnis beantragen zu können, nicht in Kurzarbeit zu fallen und im Supermarkt Vollgas geben können. Der Franchisegeber bietet uns einen Warenkorb an Annehmlichkeiten in der Krise, auf den wir zugreifen können. Insbesondere für junge Franchisenehmer mit weniger Erfahrung ist das ein großer Vorteil.“

Im Anschluss an unser Gespräch ging Vanessa die beiden E-Roller abholen: „Jetzt kann ich zwei Mitarbeiter mehr einsetzen, sie werden Spaß haben an den neuen Rollern und wir haben eine höhere Lieferkapazität!“