Krisenmanagement: Was sagen Experten?

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Gastronomie im Krisenmanagement

Die Gastronomie-Experten Ingo Wessel, Pierre Nierhaus und Thomas Aurich geben Tipps im Umgang mit der Corona-Krise.

Das rät Ingo Wessel (hospitality development):

1. Immer richtig und so auch besonders hier: Gemeinsam geht es viel besser, Alleingänge greifen zu kurz. Das Team, die Besten und Treuesten und am besten alle, zusammenholen und die Situation offen beschreiben. Alle einladen, etwas beizutragen, was sie jetzt kurzfristig machen würden – wo können wir für unseren Betrieb anpacken und was verändern, was gleich greift? Man wird erstaunt sein, wie viel und auch Unerwartetes, Gutes und Spannendes von den eigenen Leuten kommt – und gemeinsam fühlt es sich stärker an!

2. Das notwendige Vorgehen mit Überstundenabbau, vorgezogenem Urlaub, Teilzeit, Kurzarbeit mit den Leistungsträgern besprechen – nicht nur von oben herab in Panik-Modus entscheiden. Viele werden in den nächsten Tagen und Wochen auch mehr Zeit brauchen für Betreuung von Kindern, Älteren, Kranken, für die private Lebensführung. Wichtig erscheint mir, die Leute mitzunehmen dabei.

3. Es wird Liquidität kosten, wenn die Umsätze so einbrechen und die festen Kosten so schnell nicht zu reduzieren sind. Gleich offen mit der Hausbank sprechen und die Ausweitung des Dispo vereinbaren. Die Banken haben von der EZB und den Behörden ausdrücklich Rückendeckung für einfache ausgeweitete Unternehmerkredite. Lieber gleich und offen, als bald mit dem Rücken zur Wand agieren müssen.


Das rät Pierre Nierhaus (Pierre Nierhaus Consulting):

Wir können aktuell nichts daran ändern, dass die Nachfrage dramatisch einbricht, daher empfehle ich jetzt diese Zeit bewusst zu nutzen – für Kurzarbeit, Mitarbeiter-Urlaub, aber auch strategische Themen:

Jetzt haben Sie die Zeit, um Zukunftsprojekte vorzubereiten, Ihre Digitalisierung verbessern, zu renovieren, den Betrieb in Ordnung zu bringen. Wenn Mitarbeiter im Betrieb bleiben, beziehen Sie sie in Planungsgespräche mit ein oder organisieren Sie Schulungsmaßnahmen.

Und: Immer mehr Menschen arbeiten jetzt im Homeoffice, liefern Sie auch nach Hause, jetzt haben Sie vielleicht die Kapazität dazu!

Bleiben Sie mit Ihren Gästen weiter in Verbindung – auch wenn es zu Schließungen kommt. Mit allen digitalen Mitteln; Newsletter, Facebook, aber machen Sie keine Werbeveranstaltung daraus, sondern ein „sympathisches Teilen der Situation“.

Und halten Sie Kontakt zu Ihren Mitarbeitern, telefonisch, per Mail etc. Auch hier gibt es viele Sorgen im Alltag – oft kann der Chef als erfahrener Unternehmer mit Rat oder sogar Tat helfen. Das bindet – auch für die Zeit nach der Krise!

„Am Ende wird alles gut! Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.“ Altes Zitat, benutzt von John Lennon


Das rät Thomas Aurich (Gastronom und Gastronomiesachverständiger):

Sprechen Sie mit Ihrem Banker bevor es Probleme gibt und stellen Sie schnell Liquidität her, z.B. indem Sie eine alte Grundschuld aufleben lassen. Ich schätze, dass 2-3 Monate überbrückt werden müssen. Mit steigenden Temperaturen entspannt sich die Lage hoffentlich. Betriebe mit Terrassengeschäft sind im Vorteil.“