Krisenmanagement: Wie steht es um das Foodtruck-Business?

Klaus P. Wünsch, Gründer Foodtrucks Deutschland (Foto: Ute Wünsch)

Klaus P. Wünsch, Gründer Foodtrucks Deutschland​, über Pioniergeist in der Krise und die Perspektiven nach Corona.  

 

Die Restaurants sind für Gäste geschlossen, Take-Away und Delivery jedoch bleiben erlaubt. An sich könnte das doch eine vergleichsweise gute Ausgangslage für die Foodtrucks sein...

Klaus P. Wünsch: Grundsätzlich ja. Und einige bieten das ja auch tatsächlich schon an, sogar als Gemeinschaft im Verbund mit verschiedenen Anbietern. Zum Beispiel in Nürnberg (Foodtrucks Franken Delivery Service) oder in Ostwestfalen (Haustür Gourmets) oder im Rhön-Kreis (Foodtruck Lieferdienst Rhön). Das ist allerdings kein leichtes Unterfangen: die Logistik aufbauen, das Dispozusammenspiel zwischen Produktion und Lieferung auf die Reihe bekommen, die Abrechnung unter den Trucks, etc. Das sind natürlich im Vergleich zum „normalen Footrucken“ ziemlich viele Zusatzaufgaben, die geleistet werden müssen. Aber… trotz allem überhaupt noch die Möglichkeit, ein Geschäft, wenn auch im kleineren Umfang, zu machen. Aber was mich hierbei am positivsten stimmt, ist die Geschwindigkeit, mit der diese Konzepte aus dem sprichwörtlichen Boden gestampft wurden. Hut ab. Foodtruck Pioniergeist 2.0.

Was sind die größten Probleme, die das Geschäft behindern?

Naja, wie in den anderen Gastrobereichen auch. Ins Mittagsgeschäft fahren tatsächlich noch viele Foodtrucks, die vorher auch schon dieses Business bedient haben. Die Bereiche Events, Veranstaltungen und Catering sind allerdings gänzlich weggebrochen. Und im verbliebenen Mittagsgeschäft sind durch die Thematik Home Office natürlich auch nicht mehr alle bisherigen Kunden vertreten. Was zu einem spürbaren Umsatzrückgang geführt hat. Aber dennoch, es wird rausgefahren, so lange es sich noch einigermaßen rechnet und lohnt.

Welche Ratschläge hast du, um die momentane Zeit zu überbrücken?

Wir versuchen natürlich in erster Linie Mut und Optimismus zu verbreiten, auch wenn es manchmal noch so ausweglos erscheint. Tipps sind natürlich Lieferdienst bzw. Take Away, hier können wir gerne die Erfahrungen aus Nürnberg weitergeben. Oder für diejenigen, die bisher kein Mittagsgeschäft hatten, dieses anzutesten und einfach mal rauszufahren. Oder einfach die Zeit zu nutzen, um das Konzept auf den Prüfstand zu stellen, neue Rezepte auszuprobieren. Am Ende macht natürlich alles nur so weit Sinn, so lange man ein wenig Geld verdient und nicht am Ende des Tages auch noch zusätzliche Kosten produziert.

Was glaubst du, wie werden die langfristigen Folgen der Krise für die Foodtruck-Szene aussehen?

Wenn wir das wüssten, dann wären wir um einiges schlauer. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Ich denke, dass es für die Übergangszeit gerade bei den Ein-Mann-Unternehmen eine notgedrungene Mischung geben wird: selbständig plus angestellt. Zumindest ist man dann pflichtversichert und kann etwas durchschnaufen. Viele suchen sich bereits einen Aushilfsjob oder eine Festanstellung und warten auf den „Neustart“. Und dann muss man eben sehen…

Wird sich das Konsumverhalten langfristig ändern – wird es danach eher leichter oder schwieriger für die Foodtrucks?

Ich glaube, dass sich die Rückbesinnung auf Regionalität in ganz vielen Lebenslagen auch auf die Foodtrucks positiv auswirken wird. Foodtrucks stehen für echtes, ehrliches Essen. Eingekauft bei regionalen Kleinbetrieben um’s Eck. Das hat sich bisher schon ausgezahlt und wird in der Zukunft auch noch eine viel größere Rolle spielen. Das ist Wahnsinn, was man diesbezüglich bereits jetzt in der Krise beobachten kann. Fans und Kunden kaufen Gutscheine, oder sammeln Bestellungen und bestellen dann gesammelt zur Lieferung oder Abholung. Oder spenden und unterstützen ihre Lieblinge. Die Solidarität pro Foodtruck in ganz Deutschland ist wirklich sehr groß. Das ist in der Flut an Negativmeldungen wirklich schön zu sehen. Wir haben dafür auch einen Hashtag ins Leben gerufen: #wearefoodtrucks. Yes, we are Foodtrucks!

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