Undercover: Amrit, Berlin

Undercover: Amrit, Berlin
Undercover: Amrit, Berlin
Undercover: Amrit, Berlin
Undercover: Amrit, Berlin

Lob oder Tadel? Begeisterung oder Ernüchterung? Champ oder Loser? fizzz testet undercover:

Amrit, Berlin

Indische Küche in Berlin liegt ja gerade im Trend. Neue Restaurants wie das „Bombay Café Bunty’s“, der noble „India Club“ im „Hotel Adlon“ oder das Streetfood-Restaurant-Konzept „Chutnify“ sind angetreten, um zu zeigen: Es muss nicht immer das vielzitierte geschmackliche Einerlei sein. Heute sind wir aber zu Gast in einem der Dickschiffe der indischen Gastronomie in Berlin, dem „Amrit“. Vier Restaurants hat die Kette mittlerweile, angefangen 1996 in der Oranienstraße in Kreuzberg. Wir besuchen das Outlet direkt am Potsdamer Platz. Riesig ist die Restaurantfläche, im typischen „Amrit“-Stil mit vielen Lampen, panasiatischen Deko-Elementen, Figuren und Ornamenten gefüllt. Der Service besteht nominell aus einer ganzen Armada schwarz gekleideten Personals – und ist wirklich freundlich, dafür ist das Haus stadtbekannt. Riesige Tabletts werden an uns vorbeigeschleppt, Essen bringen im „Amrit“ ist körperliche Schwerstarbeit.

Wir bestellen Samosas, gefüllt mit Kartoffeln, Erbsen, Rosinen und Mandeln zum Start (5,90 €). Ist ganz ordentlich, und der Eisbergsalat dazu sieht nett aus. Doch dabei bleibt es auch – konnte je ein Eisbergsalat die Geschmacksknospen kitzeln? Der große Salat, den es dann zu den Hauptspeisen gibt, sieht noch netter aus, doch: wieder verdammter Jammer. Was können das vegetarische „Taj Mahal Kofte“ (11,60 €), Kartoffel-Dumplings mit Hüttenkäse und Cashew, sowie das besonders lang gegarte Lamm? Kurz: Wenig. Ein Aroma ist praktisch nicht vorhanden, das Spiel der Würzungen, das diese Küche ausmacht, findet heute offensichtlich auf einem anderen Platz statt. Fast fühlt man sich wie Louis de Funès in „Brust oder Keule“: Wo ist der Geschmackssinn geblieben? Ganz bewusst haben wir keine der mit drei Chilischoten ausgelobten Speisen bestellt, denn Schärfe allein macht noch keine Aromatik. Das kriegt „unser Inder“ um die Ecke im Kiez besser hin. Was bleibt, ist eine wiederum freundliche Verabschiedung und die Frage: Wollen es die vielen (touristischen) Gäste hier vielleicht einfach genau so, wie es ist?

Fazit:
Vorne macht das „Amrit“ seine Sache gut, hinten – Geschmackssache.

+++

Amrit Potsdamer Platz
Ebertstraße 14
10117 Berlin
Tel. 030 22488288
www.amrit.de

Kurz und knapp:

Ja: Gastfreundschaft
Nein: Geschmacksintensität
Nächstes Mal: in vier, fünf Jahren