Craftbier - wohin geht's?

BraufactuM TalkandTaste 2018. Copyright: Anna Lena Schiller
BraufactuM TalkandTaste 2018. Foto: Dirk Lässig
BraufactuM TalkandTaste 2018. Foto: Dirk Lässig
BraufactuM TalkandTaste 2018. Foto: Dirk Lässig
BraufactuM TalkandTaste 2018. Foto: Dirk Lässig

Das neue Veranstaltungsformat BraufactuM Talk & Taste feierte Anfang Dezember in Berlin Premiere. Brauer, Journalisten und weitere Experten diskutierten auf Einladung von BraufactuM die bisherige Entwicklung und die Zukunft der deutschen Craftbier-Landschaft.

In der von Bloggerin und Biersommelière Mareike Hasenbeck moderierten Talkrunde waren sich Brauer, Journalisten sowie Experten einig: Das Craftbier-Glas ist schon halb voll. In acht Jahren Craft Bier Entwicklung in Deutschland ist ein recht guter Start gelungen – es muss aber noch einiges passieren, um jetzt auch in der Mitte der Gesellschaft anzukommen. Die wichtigste Essenz der Runde: „Mit der Freude am Entdecken neuer Biere und den damit verbundenen Geschmackserlebnissen hat der Craftbier-Markt eine gute Perspektive, sich für die kommenden Jahre als fester und relevanter Bestandteil des deutschen Biermarktes zu etablieren.“

Neben den beiden Journalisten Dr. Brenda Strohmaier (WELT) und Benjamin Brouer (FIZZZ) hat BraufactuM Geschäftsführer Dr. Marc Rauschmann den Brauer Oliver Lemke (Handwerksbrauerei Lemke) und die Craft Bier Experten Martin John (Gourmetbier-Galerie) sowie Peter Eichhorn (kulinarischer Berichterstatter und Autor) eingeladen. „Wir sehen uns als Impulsgeber der deutschen Craft Bier Bewegung,“ so Dr. Marc Rauschmann. „Wir sind mit dem Thema Craft Bier hier in Deutschland in den vergangenen acht Jahren schon gut gestartet, allerdings ist es noch ein Weg, wirklich bei der Mehrheit der Konsumenten anzukommen. Mit Talk & Taste wollen wir diesen Weg begleiten, indem wir einmal jährlich Experten an einen Tisch bringen und gemeinsam kontrovers diskutieren.“
 
Neben Aspekten wie „Herkunft“ wurde auch zu Themen wie „Qualität“, „Orientierung im vielfältigen Craft Bier Markt“ sowie „Gastronomie“ leidenschaftlich gestritten und dazu Thesen aufgestellt. Die Ergebnisse finden sich auch zusammengefasst in der Illustration.
 
Oliver Lemke (Gründer der Handwerksbrauerei Lemke) lag besonders das Thema Qualität am Herzen: „Der Tenor muss sich ändern: statt Stories wie „Taxifahrer wird Brauer“ brauchen wir Geschichten über die Produkte selbst. Wenn wir uns auf die Craftbiere konzentrieren, geben wir auch den Leuten das nötige Know-How um Qualität beurteilen und vor allem genießen zu können.“
 
Ein wesentlicher Teil der Diskussion drehte sich um die Frage, wie es das Craftbier in Zukunft noch stärker schaffen kann, nicht nur die eingefleischten Bier-Nerds, sondern eine breitere Zielgruppe zu erreichen. Dr. Marc Rauschmann (Braumeister & Geschäftsführer BraufactuM) dazu: „Die deutsche Craftbier-Szene ist inzwischen in der guten Normalität angekommen. Wir brauchen keine Craftbier-Revolution, sondern müssen weiter die Craftbiere in den bestehenden Markt integrieren und so immer mehr Verbraucher ansprechen und begeistern. Die Kunst für uns Brauer liegt darin, sowohl leichter zugängliche als auch ausgefallene Bierstile immer mit konstant hoher Qualität und Trinkfreude zu brauen. So holen wir immer mehr Konsumenten ab und sind als Marke der verlässliche Begleiter auf dem spannenden Weg in die Biervielfalt.“ Dr. Brenda Strohmaier, Redakteurin im Stil-Ressort der WELT & Trend-Expertin, ergänzte: „Wir brauchen mehr Leute wie Steffen Marx von Giesinger Bräu, der es schafft, tolles Bier auch für die größere Masse zu brauen. Zugleich muss es Craftbier-Brauern gelingen, ihre Produkte in noch mehr Sterneküchen auf die Karte zu bringen. Es gibt also wie immer nicht nur einen einzigen Weg in die Zukunft, sondern ganz viele.“ 
 
Dass dieser Weg ein eingenständiger sein muss, lässt sich als weiteres Fazit der Diskussion festhalten. Während die Pionierphase des Craftbiers in Deutschand stark vom Blick in die USA geprägt war, müsse es nun mehr und mehr darum gehen, eine eigene Identität zu entwickelt, was Benjamin Brouer (stv. Chefredakteur FIZZZ, Redakteur Meiningers CRAFT und Biersommelier) unterstrich: „Was mich nervt ist, dass immer der Vergleich zu der Entwicklung in den USA gezogen wird. Wir müssen auf uns schauen und sehen, was wir hier in Deutschland für tolle Biere brauen. Die deutschen Craftbier-Brauer müssen ihren eigenen Weg finden und mit ihrer eigenen Handschrift überzeugen.“