Wege zum Restart: The Holy Cross Brewing Society, Frankfurt

Carla Lutz, The Holy Cross Brewing Society, Frankfurt

Wann und wie geht es weiter mit der Gastronomie? Wie bereiten sich die Betreiber auf die "neue Normalität" vor? Wir haben nachgefragt bei... Carla Lutz, The Holy Cross Brewing Society, Frankfurt.

Das „The Holy Cross Brewing Society“ am Frankfurter Fischerplätzchen hat sich seit gut viereinhalb Jahren als fester Anlaufpunkt für die Specialty-Coffee-Fans der Mainmetropole etabliert. Aktuell läuft der Betrieb natürlich nur sehr eingeschränkt. Zwei Wochen, zu Beginn des Shutdowns Mitte März, hatte das Café komplett geschlossen, seit dem 4. April bietet Carla Lutz mit ihrem Team einen To-Go-Verkauf an. "Das läuft einigermaßen gut, solange das Wetter mitspielt", sagt sie. Die Planungen für die Zeit nach dem Shutdown laufen derweil bereits an und werden auch für das "Holy Cross" einiges an Veränderungen mit sich bringen.  

Wenn die Gastronomie wiedereröffnen darf, wird sie dies unter starken Hygiene- und Abstandsregeln tun müssen. Wie bereitet Ihr Euch darauf vor? Was habt Ihr für Pläne/Lösungen für diese Situation?

Carla Lutz: Aktuell haben wir unsere Cateringmaschine direkt an der Tür stehen. Wir nutzen dafür unsere mobile Cateringtheke, die hintereinander gestellt einen Abstand von 1,50 Meter ergibt. Für die Gäste stehen Desinfektionsmittel bereit (für das Team natürlich auch). Das Team trägt Schutzmasken und bekommt auch Handschuhe gestellt. Alle Bestellungen werden dem Gast nicht direkt in die Hand gegeben, sondern auf einem Tablett abgestellt. Das Gleiche mit dem Bargeld. Für Kartenzahlung liegt in Reichweite des Gastes das Terminal, das regelmäßig desinfiziert wird. Wir haben die Öffnungszeiten verkürzt und vermeiden somit einen Schichtwechsel am Tag. Es ist also immer nur ein Mitarbeiter vor Ort, am Wochenende sind es feste Teams mit festen Positionen.

Wenn wir die Fläche wieder öffnen dürfen, werden wir mit Sicherheit Tische sperren (müssen), auch auf der Terrasse. Durch die verringerte Frequenz überlegen wir, den Tischservice entfallen zu lassen. Die Gäste nehmen dann ihre Bestellung direkt an der Theke mit. Die Theke werden wir wohl mit Plexiglas o.ä. abschirmen. Tische und Toilette werden in kurzen Intervallen desinfiziert. Die Tür lassen wir – so lange es die Temperaturen zulassen – offen, zum einen für den Luftaustausch, zum anderen, damit niemand den Türgriff anfassen muss.

 

The Holy Cross Brewing Society, Foto: Ernst StratmannWie stark wird Euch der Wegfall der Sitzplätze treffen – und wie lässt sich unter diesen Bedingungen dennoch ausreichend Umsatz erzielen?

Carla Lutz: Das trifft uns ziemlich, abhängig vom Wetter und Saison. Bei gutem Wetter, speziell am Wochenende, haben wir zwar gut 50% To-Go-Verkauf. Aber ab Herbst sind wir auf die Sitzplätze angewiesen. Bei einer Abstandsregel von 1,5 Metern haben wir maximal noch 16 Sitzplätze drinnen, im Normalbetrieb sind das 36 bis 38 Plätze.

Wir werden – wie bisher auch schon – keine Laptops am Wochenende erlauben, um damit die „Langsitzer“ zu vermeiden. Eventuell muss man diese Regelung dann auch auf die Wochentage ausdehnen. Gleichzeitig überlegen wir, dann auch die umsatzschwachen Randstunden wegfallen zu lassen und dafür am bisherigen Betriebsruhe-Tag zu öffnen.

Wir hatten bereits vor der Coronakrise an einigen Wochenendtagen im Jahr ein gastronomisches Zusatzangebot durch einen externen Stand vor dem Café. Dies werden wir versuchen auszuweiten – zum einen, um die Frequenz zu erhöhen, zum anderen aber auch, um den Betreibern solcher Stände eine Möglichkeit zu geben, Umsatz zu generieren, denn Straßenfeste u.ä. wird es wohl noch länger nicht geben.

 

Plant Ihr, Euer Angebot umzustrukturieren? Wie sieht ein Post-Corona-Angebot aus, das auf die dann herrschende Situation reagiert und dennoch für Umsatz sorgt?

Als Speciality Coffeeshop konzentrieren wir uns auf ein hochwertiges und gleichzeitig vielfältiges Kaffeeangebot. Wir haben deshalb in den letzten zwei Jahren unser Essensangebot zurückgefahren. Dieses werden wir jetzt wieder etwas verstärken, um damit speziell in der Mittagszeit neue Gäste zu gewinnen und um von der reduzierten Mehrwertsteuer doch noch etwas zu profitieren. Außerdem setzen wir gerade einen Onlineshop auf, um unser wechselndes Bohnenangebot deutschlandweit anbieten zu können. Auch im Bereich Equipment und Merchandise ist da sicher mehr möglich als beim reinen Vor-Ort-Verkauf.

Unser Konzept für Workshops, Cuppings, Food-Pairings und Schulungen war quasi mit Beginn der Corona-Krise fertig. Wir haben dafür einen Extra-Raum angemietet und stehen nun in den Startlöchern, die Kurse endlich anbieten zu können. Sollte das aufgrund der Abstandsregeln längerfristig nicht möglich sein, überlegen wir, den Raum für Pop-Ups unterzuvermieten.

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